Finanzierung

Upvest: Trading-Partner von Revolut und N26 holt 125 Millionen Dollar Investment

Das Management-Team von Upvest. © Upvest
Das Management-Team von Upvest. © Upvest

Wer bei einer Neobank wie Revolut oder N26 Aktien kauft oder bei der DKB ein ETF-Sparplan einrichtet, ahnt meist nicht, welche Technologie im Hintergrund arbeitet. Das Berliner Unternehmen Upvest stellt genau diese Infrastruktur bereit und hat sich in den vergangenen Jahren zur zentralen Plattform für Wertpapierdienstleistungen in Europa entwickelt. Im März 2026 gab das Unternehmen eine Finanzierungsrunde in Höhe von 125 Millionen US-Dollar bekannt.

Was Upvest macht und wie das Modell funktioniert

Upvest wurde 2017 in Berlin gegründet und ist sowohl ein Technologieunternehmen als auch ein reguliertes Wertpapierinstitut in Europa und dem Vereinigten Königreich. Das Geschäftsmodell richtet sich ausschließlich an andere Unternehmen, sogenannte B2B-Kunden: Banken, Broker und Vermögensverwalter können über eine moderne, programmierschnittstellen-basierte Infrastruktur ihr gesamtes Wertpapiergeschäft abwickeln.

Konkret übernimmt Upvest dabei drei Kernbereiche: den Handel mit Wertpapieren, die Verwahrung der Vermögenswerte sowie die gesamte Back-Office-Abwicklung. Finanzinstitute müssen diese Prozesse damit nicht mehr selbst aufbauen oder betreiben. Stattdessen integrieren sie Upvests Dienste über standardisierte API-Schnittstellen in ihre eigenen Produkte und Oberflächen.

Integration bei Neobanken und Finanzinstituten

Das Prinzip lässt sich am Beispiel einer Neobank gut veranschaulichen. Eine Bank wie N26 oder Revolut möchte ihren Nutzern ermöglichen, Aktien oder ETFs zu kaufen, ohne selbst eine vollständige Wertpapierinfrastruktur aufzubauen. Upvest stellt dafür die technische und regulatorische Grundlage bereit: Die Neobank bindet die Upvest-API in ihre App ein, und alle Transaktionen, die ein Nutzer dort auslöst, werden über Upvests Plattform ausgeführt, abgewickelt und verwahrt.

Für den Endnutzer bleibt Upvest dabei vollständig unsichtbar. Er sieht lediglich die Oberfläche seiner Bank oder Fintech-App. Upvest arbeitet im Hintergrund als regulierter Dienstleister und trägt die Verantwortung für die ordnungsgemäße Ausführung und Verwahrung der Wertpapiere. Dieses Modell wird in der Branche als „Embedded Finance“ oder „Infrastructure-as-a-Service“ bezeichnet.

Zum Kundenstamm von Upvest zählen derzeit mehr als 30 Finanzinstitute, darunter die Deutsche Kreditbank (DKB), Santanders Digitalbank Openbank, Revolut, N26, Webull und Raisin. Das Unternehmen beschäftigt 280 Mitarbeiter und verarbeitete im Jahr 2025 nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Wertpapierorders.

Die neue Finanzierungsrunde und ihre Verwendung

Die im März 2026 bekanntgegebene Finanzierungsrunde umfasst 90 Millionen US-Dollar Eigenkapital sowie eine Fremdkapitalfazilität von 35 Millionen US-Dollar. Die Eigenkapitalrunde wird von Sapphire Ventures und Tencent angeführt, bestehende Investoren wie Bessemer Venture Partners und BlackRock beteiligen sich ebenfalls. Es handelt sich um die erste größere Runde nach der Series C, die rund zwölf Monate zuvor abgeschlossen wurde.

Das frische Kapital soll laut Unternehmensangaben für drei Schwerpunkte eingesetzt werden:

  • Ausbau der Plattform in neue europäische Märkte
  • Einführung lokaler Altersvorsorgeprodukte, darunter das deutsche Altersvorsorgedepot und britische SIPPs (Self-Invested Personal Pensions)
  • Entwicklung KI-gestützter Investmentlösungen für personalisierte Anlageberatung

Besonders der Bereich Altersvorsorge gilt als strategisch bedeutsam. Lokale Steuerrahmen und regulatorische Anforderungen machen es für Finanzinstitute aufwendig, entsprechende Produkte selbst zu entwickeln. Upvest will diese Komplexität übernehmen und Banken ermöglichen, solche Produkte in Monaten statt Jahren auf den Markt zu bringen.

KI als nächster Entwicklungsschritt

Neben den Altersvorsorgeprodukten investiert Upvest in den Aufbau programmierbarer Echtzeit-APIs für KI-Anwendungen. Das Ziel ist es, Entwicklern und Finanzinstituten die technische Grundlage zu liefern, um autonome und individualisierte Anlageempfehlungen für Privatanleger zu ermöglichen. Konkrete Produkte in diesem Bereich befinden sich noch in der Entwicklung.

„Banks, brokers, and wealth managers choose Upvest for the infrastructure needed to grow their investment propositions profitably and at scale for a new generation of investors.“

So beschreibt Upvest-CEO und Mitgründer Martin Kassing die Positionierung des Unternehmens. Die Aussage verdeutlicht den Fokus: Upvest versteht sich nicht als Konkurrenz zu Banken oder Fintechs, sondern als deren technologischer Unterbau.

Marktposition und Ausblick

Upvest operiert in einem Segment, das in der Finanzbranche als kritische Infrastruktur gilt. Viele traditionelle Banken betreiben ihre Wertpapiersysteme noch auf veralteten Plattformen, deren Modernisierung aufwendig und kostspielig ist. Anbieter wie Upvest adressieren diesen Bedarf mit modularen, API-basierten Lösungen, die schrittweise integriert werden können.

Das Unternehmen gibt an, sich auf einem Weg zur Profitabilität zu befinden. Genaue Finanzkennzahlen wurden nicht veröffentlicht. Mit der aktuellen Finanzierungsrunde und dem wachsenden Kundenstamm positioniert sich Upvest als einer der führenden Anbieter in diesem Bereich in Europa, steht dabei jedoch im Wettbewerb mit anderen Infrastrukturanbietern auf dem Kontinent.

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