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UST: „Stablecoin“ verliert seine Bindung an den US-Dollar

© Terraform Lbs
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Ein „digitaler Dollar“, der nur etwa 84 Cent wert ist? Kann man zur Stunde haben. Nämlich mit Terra USD (UST). Das Krypto-Assets, das sich „Stablecoin“ nennt, hat in den jüngsten Marktverwerfungen seinen „Peg“ an den US-Dollar verloren und ist um mehr als 20 Prozent im Preis eingebrochen. Der Token, der auf der Terra-Blockchain läuft, tut damit etwas, was ein Stablecoin nie machen sollte, und verliert seine 1:1-Bindung an den US-Dollar.

Der Vorgang ist für die Krypto-Welt spektakulär und wird noch viele Diskussionen nach sich ziehen. Jedenfalls fuhren Terraform Labs und Gründer Do Kwon 2021 mit dem Plan, einen dezentralen, algorithmischen Stablecoin zu schaffen, sehr gut. UST funktioniert folgendermaßen: LUNA-Token werden vernichtet („Burn“), um UST-Stablecoins zu schaffen, und umgekehrt lassen sich durch die Zerstörung von UST wiederum LUNA-Token (oder neuerdings auch BTC) schaffen. So wollte Do Kwon, der sich auf Twitter Stablekwon nennt, einen dezentralisierten Token schaffen, der nicht durch die Reserve einer einzelnen Firma gedeckt ist, sondern eigentlich durch einen Algorithmus.

Das lief eine Zeit lang gut, doch der Markt-Crash der letzten Tage war dann zu viel für UST und LUNA. LUNA als primäres Mittel, den Stablecoin zu decken, ist im Preis dramatisch verfallen und um 55 Prozent in den vergangenen 24 Stunden implodiert. Die Abwärtsspirale dreht sich nach unten, und UST ist zur Stunde eben nur mehr 84 US-Cent wert. Das sieht dann so aus und erinnert an andere gescheiterte Versuche, algorithmische Stablecoins zu schaffen:

Marktturbulenzen lassen Terra-Stablecoin UST wanken

Reserve der Luna Foundation Guard (LFG) ist fast leer

Dass UST bedroht ist und auf tönernen Beinen steht, war den Machern bereits seit längerem klar. Deswegen versuchte die Luna Foundation Guard (LFG) unter Leitung von Do Kwon, eine riesige Reserve für den Stablecoin aufzubauen. Diese wurde hauptsächlich mit Bitcoin gefüllt. Dort lagerten bis vor kurzem noch 33.673 BTC im Gegenwert von mehr als 2 Milliarden Dollar. Diese Bitcoin (geplant war gar ein Ausbau auf 10 Milliarden Dollar in BTC) sollten dazu dienen, jederzeit UST in BTC wechseln zu können.

Doch diese BTC sind jetzt weg, wie ein Blick in die LFG Reserve zeigt. Sie wurden laut Do Kwon verkauft , um liquide zu bleiben und zu versuchen, den Peg von UST irgendwie an den US-Dollar beizubehalten. Das hat aber nicht funktioniert, und alle, die können, flüchten aus dem bedrohten Asset. Innerhalb der vergangenen 12 Stunden ist die Marktkapitalisierung von UST von 18,6 auf nur mehr 15,2 Milliarden Dollar gefallen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Angelegenheit weiter entwickelt.

Generell ist die Reserve der LFG fast leer. Von den Krypto-Assets im Gegenwert von 4 Milliarden Dollar (neben BTC auch AVAX, LUNA) sind nur mehr etwa 178 Millionen Dollar da – böse Zungen könnten meinen: So sieht ein Bank Run aus.

USDT und USDC bleiben stabil

Andere Stablecoins wie USDT (Tether) und USDC (USD Coin) von Circle tun aktuell genau das, was Stablecoins tun – sie haben ihren Peg zum US-Dollar nicht verloren und sind an den Börsen weiterhin einen Dollar wert. Sie funktionieren auch anders als UST: Die Unternehmen Tether und Circle haben große Reserven eingerichtet, in den Cash, Cash-Äquivalente oder Schuldverschreibungen die Deckung der Stablecoin-Menge garantieren sollen. Das ist bisher offenbar glaubhaft gelungen.

Der aktuelle Fall von UST erinnert ein wenig an Iron Finance, das mit IRON einen zu 75 Prozent aus dem anderen Stablecoin USDC besicherten Stablecoin schaffen wollte –  und der Rest durch den neu geschaffenen TITAN-Token, der wiederum seinen Preis am Markt bilden soll. Das Experiment verlief nicht gut – im Juni 2021 kollabierte IRON, und der Stablecoin fiel innerhalb kürzester Zeit von 1 Dollar auf 0. Mehr dazu hier:

Der Kollaps von Iron Finance wirft große Fragen zum DeFi-Markt auf

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