Wir stehen wahrscheinlich kurz vor einer Zinserhöhung in der Eurozone
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An den Finanzmärkten gilt die Sache als so gut wie entschieden: Wenn der EZB-Rat am Donnerstag zusammentritt, dürfte er den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent anheben. Die Futures-Märkte preisen den Schritt laut MarketWatch mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,7 Prozent ein. Es wäre die zweite Anhebung innerhalb weniger Monate, nachdem die Notenbank im Juni erstmals seit fast drei Jahren wieder nach oben gegangen war und den Satz auf 2,25 Prozent gehoben hatte.
Energiepreise treiben die Inflation
Der Hauptgrund liegt bei den Preisen. Die Inflation in der Eurozone ist im August auf 3,3 Prozent gesprungen, nach 2,9 Prozent im Monat davor. Damit liegt sie deutlich über dem Zielwert der Notenbank von 2 Prozent. Treiber ist die Energie: Sie verteuerte sich im Jahresvergleich um 14,3 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel lag mit 2,4 Prozent zwar niedriger, aber ebenfalls über dem Ziel.
Hinter dem Energiepreisschub steht die erneute Eskalation rund um den Iran und die Straße von Hormuz. Der Konflikt hat die Ölmärkte unter Druck gesetzt und die Teuerung in Europa seit dem Frühjahr Schritt für Schritt nach oben geschoben.
Konjunktur hält, Zweitrundeneffekte im Blick
Anders als bei früheren Energiepreisschocks kommt die Anhebung nicht in eine schwächelnde Wirtschaft hinein. Die jüngsten Stimmungs- und Aktivitätsdaten zeichnen ein solides Bild, einige Ökonom:innen rechnen sogar mit leichten Aufwärtsrevisionen der EZB-Wachstumsprognose für dieses Jahr.
Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments, fasst die Ausgangslage so zusammen: „Bei ihrer Sitzung am Donnerstag dürfte die EZB ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,5% anheben. Die erneute Eskalation des Iran-Konflikts hat die Inflationsrisiken nach oben verstärkt, insbesondere durch mögliche Zweitrundeneffekte auf die Löhne, während die jüngsten Konjunkturdaten darauf hindeuten, dass die Expansion nicht nur intakt ist, sondern sich sogar ausweitet.“
Zweitrundeneffekte sind das zentrale Argument: Wenn teure Energie über Lohnabschlüsse in die breite Preisbasis durchsickert, wird die Inflation zäher. Bislang deuten die Lohndaten allerdings noch nicht auf eine solche Spirale hin, was mehrere Ökonom:innen als Argument für eine Pause nach dem Septemberschritt anführen.
Die eigentliche Frage: Wie geht es weiter?
Spannender als die Entscheidung selbst ist der Ausblick. Der Anleihemarkt preist derzeit bis Mitte 2027 drei weitere Viertelprozentpunkte ein. Die Ökonom:innen der ING erwarten laut einer aktuellen Kund:innen-Notiz, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde sich alle Optionen offenhält und diesem Marktkonsens eher widerspricht. In einer Reuters-Umfrage geht die Mehrheit der Befragten davon aus, dass die Notenbank nach Donnerstag zunächst stillhält.
Wolburg sieht es ähnlich: „Die restriktive Rhetorik des EZB-Rats und das Protokoll der letzten Sitzung untermauern die Argumente für eine Zinserhöhung im September. Wir gehen davon aus, dass Präsidentin Lagarde eine restriktive, abwartende Haltung beibehalten und die Tür für weitere Straffungsmaßnahmen offen lassen wird. Dennoch betrachten wir einen Schritt in den restriktiven Bereich eher als eine Anpassung im Rahmen des Risikomanagements denn als Beginn eines neuen Zinserhöhungszyklus.“

