Neustart

Sonntag Energy: Startup übernimmt Agri-PV-Geschäft der insolventen GridParity AG

Mark Kugel, Josef Haverkampf, Leander Hengge von Sonntag Energy. © Maschinenring Tettnang
Mark Kugel, Josef Haverkampf, Leander Hengge von Sonntag Energy. © Maschinenring Tettnang

Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.

Die deutsche Agri-Photovoltaik verliert einen ihrer Pioniere und bekommt zugleich einen neuen Player an dessen Stelle: Die SONNTAG Energy GmbH aus Lindau am Bodensee übernimmt aus der Insolvenz der GridParity AG den Geschäftsbereich Agri-PV. Zum Deal gehören laut Unternehmensangaben die Marke „Agri-PV“, die Domains agripv.de und agri-pv.de sowie der gesamte Webauftritt der GridParity AG. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

GridParity mit Sitz in Dachau bei München galt in Deutschland als einer der frühen Wegbereiter der Doppelnutzung von Ackerflächen: Strom oben, Landwirtschaft unten. Das 2012 gegründete Unternehmen setzte auf doppelt verglaste, semitransparente Module und war neben Agri-PV auch mit Solarcarports, Terrassenüberdachungen und Parkplatzsystemen im Markt. Auf der Intersolar Europe im Vorjahr präsentierte es ein eigenes „Jahrbuch AgriPV“ und sprach von mehreren hundert Projektanfragen. Wie Agri-PV in der Praxis funktioniert, hat Trending Topics hier beschrieben.

Was zur Insolvenz führte

Den Insolvenzantrag stellte GridParity im vergangenen Herbst beim Amtsgericht München, das vorläufige Verfahren wurde kurz darauf eröffnet und Rechtsanwalt Stefan Strüwind von der Kanzlei Lecon zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Das Unternehmen beschäftigte zu diesem Zeitpunkt rund elf Mitarbeiter:innen, wie Photon berichtete.

Als Ursache nannte das Management vor allem die energiepolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Konkret ging es um den im Solarpaket beschlossenen Bonus von 2,5 Cent pro Kilowattstunde für Agri-PV-Anlagen, der die beihilferechtliche Genehmigung auf EU-Ebene nicht erhielt, um zusätzliche regulatorische Auflagen sowie um Aussagen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, die die künftige Höhe der EEG-Einspeisevergütung infrage stellten. In der Folge, so die Darstellung des Unternehmens, hätten Banken bereits zugesagte Projektfinanzierungen zurückgezogen und sicher geglaubte Aufträge seien nicht erteilt worden (mehr dazu bei pv magazine, top agrar, pv Europe). Gespräche mit möglichen Investor:innen liefen laut Vorstand Erich Merkle zwar positiv, konnten aber nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, um die wachsende Finanzierungslücke zu schließen.

Diese Erklärung blieb nicht unwidersprochen. In Branchenanalysen wurde darauf verwiesen, dass GridParity ausgerechnet in einer Marktabschwächung expandiert hatte: Erst im Herbst davor waren mit der UrbanPV GmbH und der AgriPV GmbH zwei Tochtergesellschaften gegründet worden, die beide keine zwölf Monate später ebenfalls in die Insolvenz gingen. Neben der Politik werden dort auch hausgemachte Faktoren wie Managementstrukturen und Wachstumstempo als Gründe genannt. Unstrittig ist, dass die Branche insgesamt unter Druck steht: Ohne den zusätzlichen Bonus rechnen sich viele Agri-PV-Projekte, die technisch aufwendiger und teurer sind als Freiflächenanlagen, unter den aktuellen Vergütungsbedingungen nur schwer.

Die Reste des Unternehmens wurden inzwischen in Teilen verwertet. Der Bereich der aufgeständerten Doppelglasmodule ging an einen anderen Anbieter aus Baden-Württemberg, nun folgt mit dem Agri-PV-Geschäft der zweite Baustein.

Wer der Käufer ist

Sonntag Energy ist ein vergleichsweise junges Unternehmen: Die GmbH wurde Anfang 2024 in Lindau am Bodensee gegründet. Hinter dem Unternehmen stehen Mark Kugel und Josef Haverkampf, die es nach eigenen Angaben inhabergeführt und ohne größere Investor:innen betreiben. Kugel stammt aus einer Obstbaufamilie am Bodensee und war zuvor an der Gründung des Weltraum-Startups yuri beteiligt, Haverkampf kommt aus der Landwirtschaft und hat davor das KI-Unternehmen INNOSPOT aufgebaut.

Das Geschäftsmodell unterscheidet sich von klassischen Projektentwickler:innen: Statt Flächen zu pachten und die Anlage selbst zu betreiben, sollen Landwirt:innen Eigentümer:innen ihrer Anlagen bleiben und die Wertschöpfung behalten. Gebaut werden hofnahe, baurechtlich privilegierte Anlagen mit typischerweise 1 bis 2 MWp Leistung, immer in Kombination mit einem Batteriespeicher von 1 bis 2 MW, der sich Trafostation und Netzverknüpfungspunkt mit der PV-Anlage teilt. Im Portfolio sind nachgeführte Trackersysteme für Grün- und Ackerland sowie semitransparente Schutzdächer für Sonderkulturen wie Obst. Regional konzentriert sich das Unternehmen bislang auf Allgäu, Bodensee und Oberschwaben, gegenüber der Schwäbischen Zeitung war zuletzt von rund 40 Projekten in Planung die Rede.

Speicher als Antwort auf die Förderlücke

Genau jene Kombination aus Erzeugung, Speicher und Direktvermarktung ist das Argument, mit dem Sonntag Energy die Übernahme begründet. Weil der Wert von Solarstrom zunehmend davon abhängt, wann er verfügbar ist und nicht nur, wie viel produziert wird, sollen Batteriespeicher die Wirtschaftlichkeit von Projekten sichern, die unter den aktuellen Vergütungsbedingungen unter Druck geraten. „Wir haben uns nicht in die EEG-Hängematte gelegt, sondern nach Lösungen gesucht“, sagt Mitgründer Mark Kugel. Man wolle Strom gezielter vermarkten und Netzinfrastruktur besser auslasten, „mit oder ohne Unterstützung aus der Politik“.

„Die entscheidende Frage bei Agri-PV wird künftig nicht mehr nur sein, wie viel Strom eine Anlage erzeugt. Es geht darum, was mit diesem Strom passiert“, ergänzt Mitgründer Josef Haverkampf. Speicher könnten gemeinsam mit einer Agri-PV-Anlage betrieben werden, bestehende Netzanschlüsse besser nutzbar machen oder unabhängig von einer Erzeugungsanlage am Strommarkt eingesetzt werden.

Für die von der Insolvenz betroffenen Landwirt:innen ist offen, was die Übernahme konkret bedeutet. Sonntag Energy lädt bestehende Projektpartner:innen und Interessierte, die mit GridParity bereits über ein Vorhaben gesprochen haben, dazu ein, Kontakt aufzunehmen. Gemeinsam solle geprüft werden, wie sich die Projekte unter den heutigen Bedingungen weiterentwickeln lassen. Rechtliche Ansprüche aus Verträgen mit der insolventen GridParity AG gehen mit einem solchen Asset Deal in der Regel nicht auf die Käuferin über.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien
#glaubandich CHALLENGE: SVAN triumphiert in Klagenfurt

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen

Newsletter

Founders Dispatch

Zwei Mal pro Woche kostenlos in die Inbox: die wichtigsten Startups, Deals und Tech-Entwicklungen aus Europa, handgeschrieben von der Redaktion.

Jederzeit abbestellbar. Mehr über den Newsletter