2,1 Milliarden Dollar für Isomorphic Labs aus London für KI-getriebene Medikamentenentwicklung
Das britische AI-getriebene BioTech Isomorphic Labs hat am gerade eine Series-B-Finanzierungsrunde in Höhe von 2,1 Milliarden US-Dollar (1,8 Mrd. Euro) abgeschlossen. Damit übertrifft die Runde sogar die bislang aufsehenerregende Series-C-Finanzierung des französischen KI-Unternehmens Mistral AI, das zuletzt rund 1,7 Milliarden Euro einsammelte. Isomorphic Labs ist ein Spin-off von Googles KI-Labor DeepMind, das vor vielen Jahren zugekauft wurde.
„Diese Finanzierungsrunde ist ein massives Vertrauensvotum einer diversen Gruppe erstklassiger internationaler Investoren in unseren KI-first-Ansatz bei der Arzneimittelentwicklung. Jetzt, da wir gezeigt haben, dass unser Ansatz grundlegend solide ist, liegt unser Fokus darauf, unsere Technologie auf ihr volles Potenzial zu skalieren“, so Sir Demis Hassabis, Gründer und CEO von Isomorphic Labs, in einer Aussendung.
Wer steckt hinter der Finanzierungsrunde?
Die Runde wird von Thrive Capital angeführt, dem Wachstumsfonds des Unternehmers Joshua Kushner. Neben dem Leadinvestor beteiligen sich sowohl bestehende als auch neue Geldgeber an der Finanzierung.
- Bestehende Investoren: Alphabet (Mutterkonzern von Google) sowie GV (ehemals Google Ventures)
- Neue Investoren: MGX, Temasek, CapitalG sowie der UK Sovereign AI Fund
Die Beteiligung des britischen staatlichen KI-Fonds ist dabei besonders bemerkenswert, da sie die strategische Bedeutung des Unternehmens für die nationale Technologiepolitik des Vereinigten Königreichs unterstreicht.
Was macht Isomorphic Labs?
Isomorphic Labs wurde 2021 in London gegründet mit dem erklärten Ziel, die Entdeckung neuer Medikamente durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz grundlegend zu verändern. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „AI-first“, was bedeutet, dass KI nicht als ergänzendes Werkzeug, sondern als zentrales Fundament aller wissenschaftlichen Prozesse eingesetzt wird.
Im Mittelpunkt steht dabei die hauseigene Plattform IsoDDE (Isomorphic Drug Design Engine), ein integriertes KI-System, das verschiedene proprietäre Modelle zu einer einheitlichen Entwicklungsumgebung zusammenführt. Die Plattform ermöglicht es Wissenschaftlern, Arzneimittelkandidaten nicht mehr ausschließlich im Labor, sondern in großem Umfang computergestützt, sogenannte „in silico“, zu identifizieren und zu optimieren.
Kernfähigkeiten der Plattform
- Vorhersage von Molekülstrukturen und deren Wechselwirkungen mit biologischen Zielmolekülen
- Erforschung bislang schwer zugänglicher Krankheitsziele mit starken biologischen Zusammenhängen
- Arbeit über mehrere therapeutische Bereiche und Wirkstoffklassen hinweg, von kleinen Molekülen bis hin zu Biologika
- Betrieb eines umfangreichen „Dataverse“, einer kuratierten Sammlung biowissenschaftlicher Daten, die auf leistungsstarken GPU-Infrastrukturen verarbeitet wird
Das Unternehmen unterhält zudem strategische Partnerschaften mit führenden Pharmaunternehmen wie Novartis, Eli Lilly und Johnson & Johnson. Intern konzentriert sich die eigene Wirkstoffpipeline auf die Bereiche Onkologie und Immunologie.
Die Verbindung zu Google DeepMind
Isomorphic Labs ist eng mit Google DeepMind verknüpft, dem KI-Forschungslabor des Alphabet-Konzerns. Das Unternehmen wurde direkt aus DeepMind heraus gegründet, und zahlreiche Mitarbeiter des aktuellen Teams haben zuvor an DeepMind-Projekten mitgewirkt.
Die wohl bekannteste gemeinsame Grundlage ist AlphaFold, ein KI-System zur Vorhersage dreidimensionaler Proteinstrukturen, das als eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Errungenschaften der jüngeren Geschichte gilt. Im Mai 2024 veröffentlichte Isomorphic Labs gemeinsam mit DeepMind AlphaFold 3, das die Modellierung von Strukturen und Wechselwirkungen aller biologischen Moleküle mit bislang unerreichter Genauigkeit ermöglicht. Auf dieser Grundlage hat Isomorphic Labs weitere proprietäre Modelle entwickelt, die das System zu einer vollständigen, krankheitsagnostischen Entwicklungsplattform ausbauen.
Wer leitet das Unternehmen?
An der Spitze von Isomorphic Labs steht Sir Demis Hassabis, der gleichzeitig als Gründer und CEO von Google DeepMind fungiert. Hassabis ist Informatiker, Neurowissenschaftler und Spieleentwickler. Er gründete DeepMind im Jahr 2010, das später von Google übernommen wurde. Im Jahr 2024 wurde er mit dem Nobelpreis für Chemie für seine Pionierarbeit an AlphaFold 2 ausgezeichnet. Zudem erhielt er im selben Jahr einen Ritterstand für seine Verdienste um die künstliche Intelligenz.
Als Präsident des Unternehmens agiert Max Jaderberg, der die operative Weiterentwicklung der KI-Plattform und die Skalierung des Unternehmens verantwortet. Isomorphic Labs hat seinen Hauptsitz in London und unterhält weitere Standorte in Cambridge (Massachusetts) sowie in Lausanne (Schweiz).
Wohin fließt das Kapital?
Das frische Kapital soll laut Unternehmensangaben für drei zentrale Bereiche eingesetzt werden:
- Weiterentwicklung und Skalierung der KI-Plattform IsoDDE
- Vorantreiben der internen Wirkstoffpipeline in Richtung klinischer Studien
- Gezielte Einstellung von Fachkräften aus den Bereichen KI, Ingenieurwesen, Arzneimittelentwicklung und Klinik an allen Unternehmensstandorten weltweit
Einordnung: Ein Meilenstein für KI in der Pharmaindustrie
Die Finanzierungsrunde gilt als Beleg dafür, dass der Einsatz von KI in der Arzneimittelentwicklung von institutionellen und staatlichen Investoren zunehmend als tragfähiges Geschäftsmodell anerkannt wird. Im Vergleich zur bislang vielbeachteten Series-C-Runde von Mistral AI, die rund 1,7 Milliarden Euro einbrachte, setzt Isomorphic Labs mit 2,1 Milliarden US-Dollar einen neuen Maßstab für KI-Finanzierungen in Europa.
Ob das Unternehmen seinen ambitionierten Anspruch, zur Lösung aller Krankheiten beizutragen, einlösen kann, wird die klinische Praxis zeigen. Die Kombination aus wissenschaftlicher Herkunft, prominenter Investorenbasis und einer bereits validierten Technologieplattform verschafft Isomorphic Labs jedoch eine außergewöhnliche Ausgangsposition für die kommenden Jahre.


