Strategie

SAP steigt bei n8n ein, verdoppelt Bewertung des Berliner AI-Unicorns auf 5,2 Mrd. Dollar

n8n-Gründer Jan Oberhauser. © n8n
n8n-Gründer Jan Oberhauser. © n8n

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP treibt seine KI-Strategie mit einer Reihe von Investitionen und Partnerschaften voran. Im Mittelpunkt steht ein strategisches Investment in das Berliner Automatisierungs-Startup n8n, das damit zur wertvollsten KI-Firma Deutschlands aufgestiegen ist. Flankiert wird der Schritt durch eine Partnerschaft mit dem Berliner Sprachassistenten-Spezialisten Parloa sowie die geplante Übernahme des Freiburger KI-Labors Prior Labs.

SAP investiert in n8n: Bewertung verdoppelt sich auf 5,2 Milliarden Dollar

SAP hat sich an dem Berliner Workflow-Automatisierungsanbieter n8n beteiligt und damit die Bewertung des Startups auf 5,2 Milliarden Dollar angehoben. Das entspricht mehr als dem Doppelten des Wertes, der bei der letzten Finanzierungsrunde im Oktober 2025 angesetzt worden war. Damals war n8n mit rund 2,5 Milliarden Dollar bewertet worden. Die Beteiligung wurde auf der SAP-Kundenkonferenz Sapphire in Orlando bekanntgegeben.

Laut Handelsregistereintrag hält SAP nun einen Anteil von knapp 1,3 Prozent an n8n. Einem Insider zufolge soll das Gesamtengagement von SAP mehr als 60 Millionen Euro betragen haben. Darin enthalten seien ein Secondaries-Deal, bei dem SAP Anteile bestehender Investoren übernommen habe, sowie ein Lizenzvertrag zur Integration der n8n-Technologie in SAP-Produkte. Über die genauen Details der Transaktion haben beide Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Mit der neuen Bewertung verdrängt n8n das Freiburger Unternehmen Black Forest Labs vom Spitzenplatz unter den deutschen KI-Firmen. Black Forest Labs war zuletzt mit knapp 3,3 Milliarden Dollar bewertet worden. In Europa rückt n8n näher an den schwedischen KI-Anbieter Lovable heran, der mit 6,6 Milliarden Dollar bewertet wird.

n8n gewinnt Mercedes-Benz als Großkunden

Kurz vor Bekanntgabe des SAP-Investments wurde auch eine weitreichende Partnerschaft zwischen n8n und Mercedes-Benz publik. Der Stuttgarter Automobilhersteller führt gemeinsam mit n8n eine globale Plattform für KI-gestützte Workflow-Automatisierung ein. Ziel ist es, Künstliche Intelligenz flächendeckend in zentrale Geschäftsprozesse zu integrieren, von Entwicklung und Produktion über Vertrieb bis hin zu Finanzdienstleistungen, Personal und IT.

Ein wesentlicher Grund für die Wahl von n8n ist laut Mercedes-Benz die Frage der digitalen Souveränität. Da die Plattform selbst gehostet und Cloud-unabhängig betrieben werden kann, behält der Konzern die volle Kontrolle über kritische Daten und Arbeitsabläufe. Mercedes-Benz CIO Katrin Lehmann kommentierte die Partnerschaft wie folgt:

„KI skaliert nicht durch Technologie allein. Entscheidend ist, dass sie im Kerngeschäft schnell Wirkung zeigt. Mit n8n geben wir unseren Teams bei Mercedes-Benz die Möglichkeit, Ideen in messbaren Nutzen entlang der Wertschöpfungskette zu übersetzen.“

Den Rollout begleitete ein unternehmensweiter Hackathon, an dem mehr als 1.500 Mitarbeitende teilnahmen. Die vielversprechendsten Ideen werden nun mithilfe von n8n in operative Prozesse überführt.

SAP und Parloa: Partnerschaft für KI-gestützte Kundenkommunikation

Ebenfalls auf der Sapphire-Konferenz gab SAP eine strategische Partnerschaft mit dem Berliner Startup Parloa bekannt, das auf sogenannte Agentic Customer Experience spezialisiert ist. SAP hat zudem eine strategische Investition in Parloa getätigt, die an eine erfolgreiche Series-D-Finanzierungsrunde anknüpft. Im Rahmen der Kooperation werden Parloas KI-Agenten in SAP Service Cloud integriert.

Das Ziel der Partnerschaft ist es, Kundeninteraktionen nicht länger als isolierte Ereignisse zu behandeln, sondern sie mit realen Geschäftsdaten und Serviceprozessen zu verknüpfen. Parloa übernimmt dabei die kundenseitige Gesprächsführung über Sprach- und digitale Kanäle, während SAP die prozessuale Tiefe, semantisch aufbereitete Geschäftsdaten und Governance-Strukturen beisteuert. SAP selbst setzt Parloa intern ein, um den eigenen Mitarbeitenden einen KI-gestützten IT-Support bereitzustellen.

„Als Kundenerwartungen schnell wachsen und sich verändern, erfordert die Bereitstellung eines schnelleren und personalisierteren Kundenerlebnisses KI, die in Geschäftsprozessen, Daten und Governance verankert ist“, sagte SAP-CEO Christian Klein.

Die Parloa-Lösung ist als SAP Endorsed App geplant und bereits im SAP Store verfügbar. Eine vertiefte Produktintegration sowie gemeinsame Go-to-Market-Initiativen sind für die kommenden Monate angekündigt.

Hintergrund: SAP übernimmt Prior Labs für tabellarische KI-Modelle

Als weiteren Baustein seiner KI-Strategie hat SAP eine Vereinbarung zur Übernahme des Freiburger Startups Prior Labs getroffen. Das 2024 von Frank Hutter, Noah Hollmann und Sauraj Gambhir gegründete Unternehmen hat sich auf sogenannte Tabular Foundation Models spezialisiert, also KI-Modelle für die Analyse strukturierter Daten in Tabellen und Tabellenkalkulationen. SAP plant, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro in Prior Labs zu investieren.

Prior Labs adressiert damit eine Lücke, die klassische Large Language Models nicht schließen können. Deren Verständnis von Tabellen, Zahlen und statistischen Zusammenhängen gilt als begrenzt. Das Kernprodukt des Startups, TabPFN, verzeichnet mehr als drei Millionen Downloads und belegt den ersten Platz auf TabArena, dem führenden Benchmark für tabellarische KI-Modelle. Anwendungsfälle umfassen unter anderem die Vorhersage von Zahlungsverzögerungen, Lieferantenrisiken und Kundenabwanderung.

SAP-CTO Philipp Herzig begründete die Übernahme mit dem strategischen Potenzial strukturierter Unternehmensdaten:

„Die größte ungenutzte Chance im Enterprise-KI-Bereich waren nicht Large Language Models, sondern KI, die für die strukturierten Daten gebaut wurde, auf denen die Unternehmen der Welt laufen.“

Prior Labs hatte bis zur Übernahme lediglich eine einzige Finanzierungsrunde abgeschlossen. Im Februar 2024 sammelte das Startup neun Millionen Euro ein, unter anderem von Balderton Capital, Atlantic Labs und XTX Ventures. Der Abschluss der Transaktion wird für das zweite oder dritte Quartal 2026 erwartet und steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Der Kaufpreis wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. Prior Labs soll nach dem Abschluss als eigenständige Einheit weitergeführt werden, jedoch eng in das SAP-Ökosystem eingebunden werden, darunter SAP AI Core, SAP Business Data Cloud und der KI-Assistent Joule.

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