New York TImes

Anthropic soll mit Investoren Bewertung von 950 Milliarden Dollar verhandeln – Bericht

Dario Amodei, Chief Executive Officer and Co-Founder, Anthropic. © World Economic Forum / Sandra Blaser
Dario Amodei, Chief Executive Officer and Co-Founder, Anthropic. © World Economic Forum / Sandra Blaser

Das KI-Unternehmen Anthropic verhandelt laut einem Bericht der New York Times mit Investoren über eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 30 bis 50 Milliarden US-Dollar. Die dabei angestrebte Bewertung von bis zu 950 Milliarden Dollar würde das Unternehmen erstmals höher bewerten als den bisherigen Marktführer OpenAI.

Die New York Times berichtet unter Berufung auf an den Gesprächen beteiligte Personen, dass die Verhandlungen noch scheitern könnten. Sollte die Finanzierung jedoch abgeschlossen werden, würde Anthropics Bewertung auf das 2,5-Fache des erst vor drei Monaten erreichten Wertes von 380 Milliarden Dollar steigen. OpenAI war zuletzt im März 2026 mit 852 Milliarden Dollar bewertet worden.

„Ich hoffe, dass das 80-fache Wachstum nicht anhält, denn das ist einfach verrückt und zu schwer zu bewältigen. Ich hoffe auf etwas normalere Zahlen.“

So zitiert die New York Times Anthropic-Chef Dario Amodei auf der Entwicklerkonferenz des Unternehmens in San Francisco. Amodei hatte dort zuvor erklärt, Anthropic sei auf einen annualisierten Umsatz von 30 Milliarden Dollar gestiegen und könne in diesem Jahr um das 80-Fache wachsen.

Anthropic dürfte OpenAI beim Umsatz bereits überholt haben

Rechnet man Amodeis Wachstumsprognose auf den zuletzt bekannten annualisierten Umsatz von 30 Milliarden Dollar hoch, deutet vieles darauf hin, dass Anthropic OpenAI beim annualisierten Umsatz bereits deutlich überholt hat. Bei einem ARR von rund 80 Milliarden Dollar läge Anthropic weit vor OpenAI, das zuletzt einen monatlichen Umsatz von rund 2 Milliarden Dollar, also etwa 24 Milliarden Dollar annualisiert, gemeldet hatte.

Der entscheidende Unterschied liegt in der strategischen Ausrichtung: Während OpenAI stark auf das Massenmarktprodukt ChatGPT setzt, konzentriert sich Anthropic konsequent auf Unternehmenskunden und die API-Nutzung. Mehr als 1.000 Großkunden geben demnach jeweils über eine Million Dollar pro Jahr für Anthropics KI-Dienste aus.

Starke Investoren im Rücken

Anthropic hat zuletzt milliardenschwere Investitionszusagen von zwei der größten Technologiekonzerne der Welt erhalten. Google verpflichtete sich im April 2026 zu Investitionen von bis zu 40 Milliarden Dollar, Amazon zu bis zu 25 Milliarden Dollar. Claude ist zudem das einzige frontier KI-Modell, das auf allen drei großen Cloud-Plattformen verfügbar ist: Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure.

Für Aufsehen sorgte zuletzt das neue KI-Modell Mythos, das laut Anthropic so leistungsfähig bei der Identifizierung von Sicherheitslücken in Software ist, dass es eine Art Zäsur in der Cybersicherheit darstellen könnte. Das Modell wurde nicht öffentlich veröffentlicht, was weltweit Reaktionen ausgelöst hat.

Das Modell belastete zeitweise Anthropics Verhältnis zur US-Regierung: Das Verteidigungsministerium bezeichnete das Unternehmen als Sicherheitsrisiko, woraufhin Anthropic klagte. Inzwischen scheint sich die Lage zu entspannen. Die New York Times berichtet, dass Amodei im April Gespräche im Weißen Haus führte, die beide Seiten als „produktiv“ bezeichneten.

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