DeepTech-Erfolg aus Österreich

43 Länder, 1,4 Mio. Umsatz: Wie Senseven weltweite Industrie-Schäden verhindert

© Senseven
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Ein Smartphone, ein Sensor und Künstliche Intelligenz: Das Wiener Startup Senseven revolutioniert die industrielle Instandhaltung und macht teure Spezialgeräte überflüssig. Mit einem rasanten Umsatzwachstum von 170 Prozent und Kunden in 43 Ländern zeigt das Team, wie man als DeepTech auch früh profitabel skalieren kann.

Wer an Industrieanlagen, Raffinerien oder Chemiewerke denkt, stellt sich meist riesige Maschinen und komplexe, tonnenschwere Infrastruktur vor. Häufig ist es jedoch ein scheinbar kleines Bauteil, das enorme Kosten und Emissionen verursacht: ein undichtes Ventil. Sie führen zu Produktverlusten, Emissionen und massiven Sicherheitsrisiken.

Genau hier setzt das Wiener DeepTech-Startup Senseven an. Sie haben ein System entwickelt, das aus einem handelsüblichen Smartphone ein hochpräzises akustisches Messgerät macht. Der Erfolg gibt ihnen recht: Laut aktuellen Daten auf RankMyStartup verzeichnet Senseven mittlerweile 130 zahlende Kunden in 43 Ländern, einen Jahresumsatz von 1,4 Millionen Euro und ein beeindruckendes Umsatzwachstum von 170 Prozent.

Im Interview mit Trending Topics erklärt Anna Maria Grausgruber, CGO und Co-Founderin, wie aus dem Smartphone ein „digitales Stethoskop“ wird, warum der traditionelle Ausbau von Ventilen oft gefährlich ist und tagelange Arbeit bedeutet und wie man dieses Problem mittlerweile für Kunden in 43 Ländern löst.

Trending Topics: Anna, fangen wir beim Problem an. Warum sind undichte Ventile in der Industrie ein so großes Thema?

Anna Maria Grausgruber: Es gibt Studien, dass in Industrieanlagen – vor allem im Öl- und Gasbereich, in der Chemie und Petrochemie – zehn Prozent der Ventile undicht sind. Das führt über längere Zeit zu Produktverlusten, einem erhöhten Sicherheitsrisiko oder erhöhten Emissionen. Wenn beispielsweise Gas austritt und man in der Nähe Schweißarbeiten durchführt, besteht akute Explosionsgefahr. Das betrifft die meisten Anlagenbetreiber da draußen: Sie haben bis heute keine schnelle und einfache Möglichkeit, dass sie die Ventile im laufenden Prozess auf ihre Dichte überprüfen und da kommen wir ins Spiel.

Wie funktioniert eure Lösung in der Praxis?

Wir haben das erste digitale und mobile Inspektionssystem entwickelt, mit dem jeder – du und ich – Ventile da draußen auf ihre Dichtheit überprüfen kann. Man kann sich das vorstellen wie ein digitales Stethoskop. Wir verbinden einen Schallemissionssensor mit einem Smartphone. Auf dem Smartphone läuft unsere App, und wir „hören“ quasi in die Ventile hinein. Die Sensorsignale werden sofort an Ort und Stelle ausgewertet. Wenn wir eine Leakage finden, dann schätzen unsere KI-Modelle die Größe des Schadens für die Quantifizierung.

Wie hat man dieses Problem gelöst, bevor es Senseven gab?

Bisher hat man oft auf Shutdowns gewartet, die nur alle vier bis fünf Jahre stattfinden. Eine Raffinerie wie Schwechat hat aber rund 30.000 Ventile – die kann man nicht alle auf einmal austauschen, zumal manche manngroß sind, Kräne erfordern und der Ausbau Tage dauert. Durch unsere Lösung entfällt das. Wir schätzen, dass man sich mindestens zwei Manntage spart, wenn man so ein Ventil nicht ausbauen muss. Wir wissen innerhalb von einer Minute, ob ein Ventil dicht ist.

Auf RankMyStartup gebt ihr 130 zahlende Kunden in 43 Ländern an. Was sind eure stärksten Märkte?

Unsere Top-Märkte sind mittlerweile die USA, Japan und die GCC-Region (Gulf Cooperation Council), wo wir eigentlich schon in den meisten Ländern vertreten sind. Der Vorteil ist, dass wir ein globales Problem lösen. Das Produkt braucht keine länderspezifische Anpassung, außer vielleicht bei der Sprache der App. Wir verkaufen teils direkt aus Wien, haben uns aber auch ein starkes Partnernetzwerk aufgebaut, das uns hilft, sprachliche, kulturelle und administrative Hürden bei großen Öl- und Gaskunden zu überwinden.

Euer Umsatz liegt laut Daten bei 1,4 Millionen Euro, bei einem Wachstum von 170 %. Gleichzeitig seid ihr in der Seed-Phase schon profitabel. Wie setzt sich euer Geschäftsmodell zusammen?

Wir verkaufen zunächst die Hardware, das ist ein einmaliger Umsatz. Die dazugehörige Software läuft dann in einer SaaS-Logik mit Lizenzen, was unseren jährlich wiederkehrenden Umsatz generiert. Da die Hardware für diese Branche speziell zertifiziert werden musste, ist sie relativ teuer, weshalb der Software-Anteil anfangs noch geringer war. Unsere Strategie ist aber das Upselling: Wenn die Kunden die Hardware einmal haben, bieten wir ihnen immer mehr Software-Features an. Zudem schließen wir mit vielen Kunden gleich Fünf-Jahres-Verträge ab, damit sie nicht jedes Jahr erneut durch mühsame Procurement-Prozesse müssen.

Laut euren Angaben habt ihr 1,1 Millionen Euro an Gesamtinvestitionen aufgestellt, davon fast die Hälfte (500.000 Euro) über Förderungen. Wohin floss das Kapital?

Vor allem in die Produktentwicklung, die Zertifizierung und den Teamaufbau. Bei einem Hardware-Produkt muss man diese Phase quasi vorfinanzieren, bis man marktreif ist. Richtig mit dem Verkauf begonnen haben wir erst im vierten Quartal 2023. Das heißt, die 1,4 Millionen Euro Umsatz sind eigentlich erst in den letzten zwei Verkaufsjahren passiert. Aktuell sind wir acht Leute im Team, werden aber voraussichtlich bis April auf elf Mitarbeiter anwachsen.

Spürt ihr Gegenwind durch aktuelle geopolitische Krisen?

Aktuell halten sich die Auswirkungen in Grenzen. Natürlich ist eine unserer wichtigsten Regionen, der GCC-Raum, gerade schwer einzuschätzen, besonders wenn es um neue Deals geht. Aber unsere globale Aufstellung rettet uns. Deshalb blicken wir auch sehr optimistisch auf 2026 und planen mit einem Umsatz von rund 2,3 Millionen Euro.

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