Amazon’s Übernahme von Globalstar kommt auch mit einem Apple-Deal
Der US-amerikanische Technologiekonzern Amazon hat die Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar angekündigt. Der Deal im Wert von rund 10,8 Milliarden US-Dollar soll Amazons Satellitennetzwerk Amazon Leo erheblich ausbauen und dem Unternehmen ermöglichen, direkt mit Smartphones zu kommunizieren. Gleichzeitig wurde eine Partnerschaft mit Apple bekannt, die Satellitendienste für iPhone und Apple Watch absichert.
Die Übernahme von Globalstar
Globalstar wurde 1991 gegründet und ist ein in Louisiana ansässiger Anbieter von mobilen Satellitendiensten. Das Unternehmen betreibt ein Netz aus Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen und gilt als Pionier der sogenannten Direct-to-Device-Technologie (D2D), die es ermöglicht, Mobilgeräte direkt über Satelliten zu verbinden, ohne den Umweg über terrestrische Mobilfunkmasten.
Im Rahmen der Transaktion übernimmt Amazon sämtliche Satellitenanlagen, Infrastruktur und Frequenzlizenzen von Globalstar, die weltweit gültige Genehmigungen umfassen. Globalstar-Aktionäre können je Aktie entweder 90,00 US-Dollar in bar oder 0,3210 Amazon-Aktien erhalten, wobei der Baranteil auf maximal 40 Prozent der Gesamtanteile begrenzt ist. Die Transaktion soll voraussichtlich 2027 abgeschlossen werden, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen.
„Wir glauben seit Langem, dass Satellitenkonstellationen in niedrigen Erdumlaufbahnen den effektivsten Weg bieten, Nutzer und Geräte überall und jederzeit zu verbinden“, sagte Paul Jacobs, CEO von Globalstar.
Amazons Wettbewerb mit SpaceX Starlink
Mit der Übernahme verstärkt Amazon seinen Einstieg in einen Markt, der derzeit von Elon Musks SpaceX und dessen Dienst Starlink dominiert wird. Starlink verfügt bereits über mehrere tausend Satelliten im Orbit und versorgt weltweit mehrere Millionen Kunden. SpaceX hat zudem in diesem Monat einen Börsengang beantragt, der zu den größten in der Geschichte zählen könnte. Amazon Leo befindet sich noch in einer frühen Phase und hat bislang keine kommerziellen Dienste gestartet.
Die Rolle von Apple im Deal
Parallel zur Globalstar-Übernahme hat Amazon eine separate Vereinbarung mit Apple geschlossen. Globalstar war bislang der Satellitanbieter hinter Apples Notfallfunktionen auf dem iPhone 14 und späteren Modellen sowie der Apple Watch Ultra 3. Diese Funktionen umfassen unter anderem:
- Emergency SOS via Satellit (Notruf per Satellit)
- Nachrichten an Freunde und Familie über Satellit
- Standortfreigabe über Find My
- Pannenhilfe über Satellit
Mit dem neuen Abkommen übernimmt Amazon die Versorgung dieser Dienste und sichert deren Kontinuität für bestehende und künftige iPhone- und Apple-Watch-Modelle. Apple und Amazon arbeiten zudem gemeinsam an zukünftigen Satellitendiensten auf Basis des erweiterten Amazon-Leo-Netzwerks.
„Seit dem Start vor mehr als drei Jahren hat unser bahnbrechender Sicherheitsdienst Emergency SOS via Satellit weltweit viele Leben gerettet“, sagte Greg Joswiak, Senior Vice President of Worldwide Product Marketing bei Apple.
Was ab 2028 geplant ist
Amazon kündigt an, ab 2028 ein eigenes D2D-Satellitensystem der nächsten Generation zu betreiben. Dieses soll deutlich leistungsfähiger sein als bestehende Direktverbindungssysteme und folgende Dienste ermöglichen:
- Sprachtelefonie über Satellit direkt auf Mobilgeräte
- Datenübertragung mit höherer Geschwindigkeit und Effizienz
- Textnachrichten ohne Mobilfunknetz
- Nahtlose Integration mit der ersten und zweiten Generation des Leo-Netzwerks
Das vollständige Amazon-Leo-Netzwerk soll aus Tausenden von Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen bestehen und nach Unternehmensangaben Kapazitäten für Hunderte Millionen Endgeräte weltweit bereitstellen. Amazon plant zudem, mit Mobilfunkbetreibern zusammenzuarbeiten, um Mobilfunkabdeckung in Gebiete auszudehnen, die terrestrische Netze nicht erreichen.
Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Prüfungen. Rund 58 Prozent der stimmberechtigten Globalstar-Aktionäre haben dem Zusammenschluss bereits per schriftlicher Zustimmung zugestimmt.


