Anthropic bittet OpenClaw-Nutzer extra zur Kasse
Der KI-Anbieter Anthropic verändert schrittweise das Verhältnis zu Drittanbieter-Tools wie OpenClaw. Während externe Anwendungen künftig aus einem kostenpflichtigen Guthaben schöpfen müssen, baut Anthropic seinen eigenen Chatbot Claude mit genau jenen Fähigkeiten aus, für die OpenClaw bislang bekannt war. Die Entwicklung wirft Fragen auf, wie unabhängige Drittanbieter im Claude-Ökosystem langfristig bestehen können.
OpenClaw wird kostenpflichtig abgekoppelt
Seit dem 4. April 2025 gilt eine wichtige Änderung für alle Nutzer, die externe Anwendungen wie OpenClaw mit ihrem Claude-Konto verbunden haben. Solche sogenannten Third-Party-Harnesses greifen nicht mehr auf das im Abonnement enthaltene Nutzungskontingent zu, sondern ziehen ausschließlich aus dem separaten „Extra Usage“-Guthaben. Das bedeutet: Wer OpenClaw oder ähnliche Tools nutzt, muss zusätzlich zahlen, selbst wenn das reguläre Monatsbudget noch nicht ausgeschöpft ist.
Anthropic kommuniziert die Änderung sachlich und ohne Begründung. Für Nutzer, die bislang kostenlos im Rahmen ihres Abonnements auf Drittanbieter-Integrationen gesetzt haben, bedeutet dies eine spürbare Mehrbelastung. Die Regelung gilt für Pro-, Max- und Team-Tarife.
Extra-Guthaben: Preise und Rabatte im Überblick
Damit Nutzer die gestiegenen Kosten abfedern können, bietet Anthropic sogenannte Usage Bundles an. Diese Guthaben-Pakete können im Voraus gekauft werden und gelten für alle Claude-Produkte, also Claude Web, Desktop, Mobile, Claude Code, Cowork sowie eben auch für Drittanbieter-Tools. Größere Pakete bringen höhere Rabatte.
| Paketgröße | Rabatt | Tatsächlicher Preis |
|---|---|---|
| 50 USD | 10 % | 45 USD |
| 250 USD | 20 % | 200 USD |
| 1.000 USD | 30 % | 700 USD |
Pro- und Max-Nutzer können monatlich Pakete im Gesamtwert von bis zu 2.000 USD mit Rabatt erwerben. Für Team-Tarife liegt die Grenze bei 3.000 USD pro Monat. Nutzung über diese Obergrenzen hinaus wird zu Standardpreisen ohne Rabatt abgerechnet.
Claude wird selbst immer mehr wie OpenClaw
Parallel zur Abkopplung externer Tools baut Anthropic Claude mit Funktionen aus, die bislang das Alleinstellungsmerkmal von OpenClaw und ähnlichen Drittanbietern waren. Mit der neuen Funktion „Computer Use“ kann Claude den Bildschirm eines Nutzers direkt steuern, also klicken, tippen und Anwendungen öffnen, ganz wie ein menschlicher Nutzer. Die Funktion ist derzeit ausschließlich für zahlende Nutzer der Pro- und Max-Tarife verfügbar und läuft unter macOS.
Technisch arbeitet Claude dabei mit kontinuierlichen Screenshots, um den aktuellen Bildschirmzustand zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Die KI priorisiert dabei direkte API-Verbindungen zu Diensten wie Gmail oder Slack, greift auf den Browser zurück, wenn keine solche Verbindung besteht, und übernimmt erst als letzte Option die direkte Maus- und Tastatursteuerung.
„Computer Use ist eine neue Fähigkeit, und die Bedrohungen, gegen die sie schützen soll, entwickeln sich ständig weiter. Claude macht Fehler, und keine Schutzmaßnahmen sind perfekt.“
Strategische Übernahme als Signal
Dass Anthropic im Februar 2026 das Startup Vercept übernommen hat, um „Computer Use“ weiterzuentwickeln, unterstreicht den strategischen Kurs. Anthropic investiert gezielt in jene Fähigkeiten, die bislang externe Anbieter wie OpenClaw in das Claude-Ökosystem eingebracht haben. Beobachter sehen darin ein klares Muster: Drittanbieter werden finanziell benachteiligt, während Anthropic deren Kernfunktionen in das eigene Produkt integriert.
Einschränkungen und Sicherheitsgrenzen
Trotz des Funktionsausbaus betont Anthropic, dass „Computer Use“ noch erhebliche Einschränkungen hat. Die Funktion ist derzeit nur unter macOS verfügbar, Windows-Unterstützung ist geplant. Komplexe mehrstufige Aufgaben können fehlschlagen, und die Bildschirmsteuerung ist deutlich langsamer als direkte API-Verbindungen. Team- und Enterprise-Tarife haben vorerst keinen Zugang.
Auf der Sicherheitsseite holt Claude vor jedem Anwendungszugriff eine ausdrückliche Genehmigung des Nutzers ein. Investitions- und Kryptoplattformen sind standardmäßig gesperrt. Da Claude zur Bildschirmsteuerung kontinuierlich Screenshots anfertigt, empfiehlt Anthropic ausdrücklich, sensible Anwendungen vor der Nutzung zu schließen.
Fazit
Anthropic verfolgt mit diesen Schritten eine doppelte Strategie: Externe Tools wie OpenClaw werden durch die neue Abrechnungslogik verteuert und damit strukturell geschwächt. Gleichzeitig übernimmt Claude selbst schrittweise deren Kernfunktionen. Für Nutzer bedeutet das kurzfristig höhere Kosten, langfristig möglicherweise eine stärkere Abhängigkeit vom nativen Claude-Ökosystem.


