Anthropic soll an Lovable-Rivalen arbeiten
Geleakte Screenshots sorgen derzeit für Aufsehen in der Tech-Branche: Anthropic soll intern an einem App-Builder für seinen KI-Assistenten Claude arbeiten, der Nutzerinnen und Nutzer in die Lage versetzt, Anwendungen direkt aus einfachen Texteingaben heraus zu erstellen. Noch hat Anthropic die Berichte nicht offiziell bestätigt, doch die kursierenden Bilder lassen aufhorchen.
Was die geleakten Bilder zeigen
Die auf der Plattform X veröffentlichten Screenshots deuten auf eine neue Funktion innerhalb von Claude hin, mit der Nutzer direkt im Chat vollständige Anwendungen generieren können. Darunter sollen KI-Chatbots, Fotogalerien und Landing Pages fallen, die auf Basis einfacher Prompts erstellt werden. Sollte sich das bewahrheiten, würde Claude zu einer vollständigen App-Entwicklungsplattform ausgebaut.
Another leak from Anthropic
They created a lovable-like feature where you can build full-stack apps easily
They are coming after everthing https://t.co/FnWI55U15g pic.twitter.com/go8yGQCoGx
— can (@marmaduke091) April 12, 2026
Ein logischer nächster Schritt: Claude Code als Fundament
Eine solche Funktion würde nahtlos an Anthropics bestehende Entwicklerprodukte anknüpfen. Mit Claude Code bietet das Unternehmen bereits ein leistungsfähiges Werkzeug für Entwicklerinnen und Entwickler, das komplexe Programmieraufgaben direkt in der Kommandozeile übernimmt. Ein integrierter App-Builder würde diese Fähigkeiten konsequent weiterdenken und auch technisch weniger erfahrene Nutzer ansprechen.
Die Kombination aus Claude Code im Hintergrund und einer intuitiven No-Code-Oberfläche im Vordergrund könnte Anthropic einen erheblichen Vorteil gegenüber reinen Vibe-Coding-Startups verschaffen. Während Spezialanbieter eigene Infrastrukturen aufbauen müssen, könnte Anthropic auf ein bereits etabliertes, leistungsstarkes Sprachmodell zurückgreifen.
Lovable als direkter Wettbewerber im Visier
Der schwedische Vibe-Coding-Pionier Lovable, 2023 von Anton Osika und Fabian Hedin in Stockholm gegründet, gilt als einer der aufregendsten europäischen Tech-Startups der jüngsten Zeit. Im Dezember 2024 sammelte das Unternehmen 330 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 6,6 Milliarden Dollar ein und mehr als verdreifachte damit seinen Wert gegenüber Juli 2025. Zu den Investoren zählen Accel, Creandum, CapitalG und Melo Ventures.
Lovable reagiert auf den wachsenden Wettbewerbsdruck unter anderem mit einer aktiven Akquisitionsstrategie: Gründer Osika kündigte an, gezielt nach Teams und Startups zu suchen, die dem Unternehmen beitreten möchten, und stellte mit Théo Daniellot einen erfahrenen M&A-Verantwortlichen ein.
Anthropic weitet sein Produktportfolio systematisch aus
Der mögliche Einstieg in den Vibe-Coding-Markt ist nicht der erste Schritt, mit dem Anthropic in etablierte Marktsegmente vordringt. Bereits zuvor hatte das Unternehmen ein KI-gestütztes Rechtswerkzeug eingeführt, das europäische Legal-Tech-Startups unter Druck gesetzt hatte. Analysten wie Jackson Ader von KeyBanc hatten damals gewarnt, dass auf Legal Tech weitere Branchen folgen könnten.
Ob und wann Anthropic den App-Builder offiziell ankündigt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Sollte das Produkt tatsächlich erscheinen, dürfte es den Wettbewerb im Vibe-Coding-Segment erheblich verschärfen und die Frage neu aufwerfen, wie viel Raum spezialisierte Startups neben den großen KI-Plattformen langfristig behalten können.


