Hardware

M6 und M5 Ultra: Neue Apple-Chips sollen lokale KI-Modelle besser rechnen können

Apple M6 & M5 Ultra. © Apple
Apple M6 & M5 Ultra. © Apple

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Der Mac mini war jahrelang das unauffälligste Gerät im Apple-Sortiment. Das änderte sich mit dem Hype um OpenClaw, den quelloffenen KI-Assistenten des Österreichers Peter Steinberger. Weil der Agent am besten dauerhaft und lokal läuft, begannen Entwickler:innen, den kleinen Desktop-Rechner als Infrastruktur zu behandeln, teils mehrere Stück nebeneinander. Die Folge waren ausverkaufte Basismodelle in den USA. Apple-CEO Tim Cook sagte dazu, beide Geräte, Mac mini und Mac Studio, seien großartige Plattformen für KI und agentische Tools, und die Kundschaft erkenne das schneller, als das Unternehmen selbst prognostiziert habe. OpenClaw kommt inzwischen auf 3,2 Millionen aktive User.

Vor diesem Hintergrund hat Apple soeben zwei neue Chips vorgestellt: den M6 im neuen Mac mini und den M5 Ultra im neuen Mac Studio. Beide zielen ausdrücklich auf jene Nutzung, die den Mac mini zum Verkaufsschlager gemacht hat, nämlich KI-Modelle direkt am Gerät laufen zu lassen.

M6 und M5 Ultra im Vergleich

M6 M5 Ultra
Verbaut in Mac mini (Basisvariante) Mac Studio (Topvariante)
Fertigung 2 Nanometer, Einzel-Die Quad-Die aus zwei M5 Max via UltraFusion
CPU 12 Kerne (2 Super, 4 Performance, 6 Effizienz) bis zu 36 Kerne (12 Super, 24 Performance)
GPU 12 Kerne mit Neural Accelerators bis zu 80 Kerne mit Neural Accelerators
Neural Engine Dual 16-Core 32-Core
Unified Memory bis zu 32 GB bis zu 512 GB
Speicherbandbreite bis zu 170 GB/s 1,2 TB/s
KI-Rechenleistung der GPU rund 30 Prozent über M5 bis zu 4,7-fach über M3 Ultra
Realistische Modellgröße lokal mittelgroße Modelle, grob bis 30 Milliarden Parameter Modelle mit mehreren hundert Milliarden Parametern
Preis des Geräts in DACH ab 1.049 Euro ab 6.599 Euro
Preis des Geräts in den USA ab 899 Dollar ab 5.499 Dollar

Beide Rechner gibt es zusätzlich in einer mittleren Ausbaustufe: den Mac mini mit M5 Pro ab 1.999 Euro (1.699 Dollar), den Mac Studio mit M5 Max ab 2.999 Euro (2.499 Dollar). Die Euro-Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer, für Bildungseinrichtungen gelten jeweils niedrigere Tarife. Beide Geräte lassen sich ab sofort vorbestellen und kommen kommenden Monat in den Handel, die Ausbaustufe des Mac Studio mit 512 GB Arbeitsspeicher folgt rund einen Monat später.

Warum lokale KI überhaupt eine Hardwarefrage ist

Ein Sprachmodell muss zur Laufzeit vollständig in den Arbeitsspeicher passen. Bei klassischen PCs ist dafür der Videospeicher der Grafikkarte zuständig, und der ist knapp: Nvidias Spitzenmodell für Endkund:innen liegt bei 32 GB. Apple nutzt seit dem Wechsel auf eigene Chips eine andere Architektur, den sogenannten Unified Memory. CPU, GPU und Neural Engine greifen auf denselben Speicherpool zu, der deutlich größer dimensioniert werden kann. Genau das machte Macs für die lokale KI-Szene interessant, lange bevor Apple diesen Anwendungsfall selbst beworben hat.

Neben der Speichermenge zählt die Speicherbandbreite. Sie bestimmt, wie schnell die Gewichte eines Modells aus dem RAM zu den Recheneinheiten fließen, und damit, wie viele Token pro Sekunde ein Chatbot ausgibt. Die dritte Größe ist die reine Rechenleistung für Matrixoperationen, für die Apple zwei Bausteine vorsieht: die Neural Engine und seit der M5-Generation zusätzlich sogenannte Neural Accelerators, die in jedem einzelnen GPU-Kern sitzen.

M6: der Chip im Mac mini

Der M6 ist laut Apple der erste Chip des Unternehmens, der im 2-Nanometer-Verfahren gefertigt wird. Für KI-Anwendungen sind vor allem drei Punkte relevant:

  • Eine Dual 16-Core Neural Engine, also zwei parallel arbeitende Recheneinheiten, die zusammen die bis zu doppelte Spitzenrechenleistung der Vorgängergeneration liefern sollen. Laut Apple können System-Frameworks beide Engines automatisch gleichzeitig ansprechen.
  • Eine auf zwölf Kerne vergrößerte GPU mit je einem Neural Accelerator pro Kern. Apple beziffert den Zuwachs bei der KI-Spitzenrechenleistung auf knapp 30 Prozent gegenüber dem M5. Das betrifft vor allem die Verarbeitung des Prompts, also jenen Moment, in dem ein lokales Modell die Eingabe einliest, bevor es zu antworten beginnt.
  • Bis zu 170 GB/s Speicherbandbreite, rund zehn Prozent mehr als beim M5.

Der begrenzende Faktor bleibt der Speicher: Der M6 unterstützt bis zu 32 GB Unified Memory. Damit lassen sich quantisierte Modelle bis grob 20 bis 30 Milliarden Parameter komfortabel betreiben, etwa Metas kürzlich veröffentlichtes Muse Glimmer, oder kleinere Modelle mit sehr großem Kontextfenster. Für Frontier-Modelle aus der Cloud bleibt der Speicher zu knapp. Der M6 adressiert damit dieselbe Zielgruppe, die den Mac mini zuletzt gekauft hat: Menschen, die einen dauerhaft laufenden Agenten oder ein mittelgroßes Modell im eigenen Netzwerk betreiben wollen und dafür keine Token in der Cloud bezahlen möchten.

Wer im Mac mini mehr Spielraum braucht, bekommt ihn über die zweite Ausbaustufe. Apple bietet den Rechner laut eigener Ankündigung auch mit dem M5 Pro an, der bis zu 18 CPU-Kerne, bis zu 20 GPU-Kerne, 64 GB Unified Memory und 307 GB/s Speicherbandbreite mitbringt. In Österreich startet die M6-Variante bei 1.049 Euro, die M5-Pro-Variante bei 1.999 Euro. Der Aufpreis kauft in erster Linie Speicher und Bandbreite, also genau jene beiden Größen, die über die maximale Modellgröße und die Ausgabegeschwindigkeit entscheiden.

Auf der CPU-Seite wächst der Komplex auf zwölf Kerne, aufgeteilt in zwei neue Super-Kerne, vier Performance-Kerne und sechs Effizienz-Kerne. Apple nennt eine bis zu 1,2-mal höhere Multithread-Leistung gegenüber dem M5. Für agentische Workloads ist das insofern relevant, als solche Systeme viel Zeit mit Aufgaben verbringen, die keine Matrixmultiplikation sind, etwa Dateien indizieren, Code kompilieren oder Werkzeuge aufrufen.

M5 Ultra: der Chip im Mac Studio

Der M5 Ultra ist der bislang größte Chip, den Apple gebaut hat. Er entsteht, indem die Verbindungstechnik UltraFusion zwei Dual-Die-Chips vom Typ M5 Max zusammenschaltet. Das ergibt erstmals eine Quad-Die-Architektur, bei der sich vier Chips gegenüber der Software wie ein einziger Prozessor verhalten. Die Bandbreite zwischen den Chips gibt Apple mit über 4,4 TB/s an.

Für lokale KI ist eine Zahl entscheidend: bis zu 512 GB Unified Memory bei 1,2 TB/s Speicherbandbreite, also 50 Prozent mehr Bandbreite als beim M3 Ultra. In dieser Größenordnung lassen sich Modelle mit mehreren hundert Milliarden Parametern vollständig am Gerät ausführen, also jene Klasse offener Gewichte, die zuletzt vor allem aus China kam und sonst Serverhardware oder Cloud-Zugang erfordert. Dazu kommt eine GPU mit bis zu 80 Kernen, ebenfalls mit Neural Accelerators, für die Apple die bis zu 4,7-fache KI-Spitzenrechenleistung des M3 Ultra angibt, sowie eine 32-Core Neural Engine.

Der Preis dafür fällt entsprechend aus: Der Mac Studio mit M5 Ultra startet in Österreich bei 6.599 Euro, die Variante mit M5 Max bei 2.999 Euro. Gemessen an Serverhardware mit vergleichbarer Speichermenge bleibt das eine günstige Option, gemessen am Mac mini liegt der Einstieg beim Sechsfachen.

Die CPU umfasst bis zu 36 Kerne aus zwölf Super-Kernen und 24 Performance-Kernen. Apple adressiert damit klassische Profi-Workloads wie 3D-Rendering, Videoschnitt und wissenschaftliche Simulationen, nennt in der Ankündigung aber durchgehend auch das Ausführen großer KI-Modelle als Einsatzzweck. Genannt werden Anwendungen wie LM Studio, Draw Things und MATLAB.

Was Entwickler:innen davon haben

Apple verweist auf seine Frameworks Core AI, Core ML, Metal und Xcode, die CPU, GPU und Neural Engine automatisch ansteuern sollen. Entwickler:innen können damit sowohl Apples eigene Foundation Models als auch fremde oder selbst trainierte Modelle lokal ausführen und anpassen. Der praktische Effekt ist weniger technischer als wirtschaftlicher Natur: Wer Inferenz auf eigener Hardware laufen lässt, zahlt einmal für das Gerät statt laufend pro Token, und die Daten verlassen den Rechner nicht. Das ist genau das Argument, mit dem OpenClaw und ähnliche Agenten groß geworden sind.

Sämtliche Leistungsangaben stammen bislang aus Apples eigener Ankündigung, unabhängige Messungen etwa durch Artificial Analysis oder Benchmark-Suiten stehen noch aus. Auffällig ist die Spreizung innerhalb des Portfolios: Zwischen den 64 GB im bestausgestatteten Mac mini und den 512 GB im Mac Studio liegt der Faktor acht, und damit die Entscheidung, ob am Schreibtisch ein kompaktes Modell oder ein Frontier-Modell rechnet. Beim Preis reicht die Spanne von 1.049 bis 6.599 Euro. Für den Massenmarkt bleibt der Mac mini damit das Gerät, das den Trend zur lokalen KI trägt, während der Mac Studio jene Nische bedient, die bisher Serverhardware kaufen musste.

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