Arm bricht mit 36-jähriger Strategie, bringt erstmals eigenen KI-Chip auf den Markt
Das britische Halbleiterunternehmen Arm Holdings hat nach fast 36 Jahren als reiner Lizenznehmer einen bedeutenden strategischen Schritt vollzogen: Erstmals entwickelt und vertreibt das Unternehmen einen eigenen Prozessor. Der neue Chip trägt den Namen AGI CPU und richtet sich an den Einsatz in KI-Rechenzentren.
Von der Blaupause zum fertigen Produkt
Arm war bislang vor allem dafür bekannt, Prozessor-Architekturen zu entwerfen und diese als Lizenz an andere Chiphersteller wie Qualcomm, Nvidia oder Apple zu verkaufen. Die Unternehmen nutzten diese Entwürfe als Grundlage für ihre eigenen Prozessoren und zahlten Arm eine Gebühr pro verkaufter Einheit. Dieses Modell war jahrzehntelang die einzige Einnahmequelle des Unternehmens.
Mit der Vorstellung des AGI CPU auf einer Veranstaltung in San Francisco hat Arm dieses Prinzip nun durchbrochen. Der Chip wurde auf Basis der unternehmenseigenen Neoverse-CPU-IP-Kerne entwickelt und in enger Zusammenarbeit mit Meta konzipiert. Gefertigt wird er vom taiwanischen Auftragsfertiger TSMC im modernen 3-Nanometer-Verfahren. Technisch besteht er aus zwei separaten Siliziumteilen, die gemeinsam als ein einziger Chip funktionieren.
Einsatzgebiet: Agentenbasierte KI-Systeme
Der AGI CPU ist speziell für sogenannte agentische KI-Workloads ausgelegt. Damit sind KI-Systeme gemeint, die eigenständig im Auftrag von Nutzern handeln können, ohne ständige menschliche Eingaben zu benötigen. Dies unterscheidet sie von klassischen Chatbots, die lediglich auf direkte Anfragen reagieren.
Arm betont, dass CPUs in modernen KI-Rechenzentren eine zentrale Rolle spielen. Sie verwalten verteilte Aufgaben, koordinieren Arbeitsspeicher und Datenspeicher, planen Rechenlasten und steuern den Datenfluss zwischen verschiedenen Systemkomponenten. Das Unternehmen bezeichnet die CPU als das „taktgebende Element moderner Infrastruktur“.
Erste Kunden und Partner
Meta ist der erste Abnehmer des neuen Chips. Der AGI CPU soll dort gemeinsam mit Metas eigenen Trainings- und Inferenzbeschleunigern eingesetzt werden. Weitere Unternehmen haben sich bereits als Kunden oder Startpartner angekündigt:
- OpenAI
- Cloudflare
- Cerebras
- SAP
- SK Telecom
- Amazon Web Services
- Broadcom
- Microsoft Azure
- Micron
- Marvell
- Databricks
- Nvidia
- Samsung
Darüber hinaus arbeitet Arm mit Serverherstellern wie Lenovo und Quanta Computer zusammen, um vollständige Serversysteme auf Basis des neuen Chips anbieten zu können.
Stimmen aus dem Unternehmen
„Es ist ein sehr entscheidender Moment für das Unternehmen“, sagte Arm-CEO Rene Haas in einem Interview mit Reuters.
Die Entwicklung des Chips begann laut Medienberichten bereits im Jahr 2023. Die Produktion in größerem Maßstab ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Erste Testchips sollen bereits erfolgreich funktioniert haben. Arm plant zudem, in Abständen von 12 bis 18 Monaten weitere eigene Chip-Designs auf den Markt zu bringen.
Wettbewerb mit den eigenen Lizenznehmern
Der Schritt ist nicht ohne Brisanz: Arm tritt nun in direkten Wettbewerb mit vielen Unternehmen, die bislang zu seinen wichtigsten Kunden zählten. Gleichzeitig findet der Markteintritt in einem angespannten Umfeld statt. Hersteller wie Intel und AMD meldeten zuletzt längere Lieferzeiten für ihre Prozessoren, insbesondere für den chinesischen Markt. Steigende Computerpreise infolge von CPU-Engpässen verstärken den Druck auf die gesamte Branche.
Arm selbst ist mehrheitlich im Besitz des japanischen Technologiekonzerns und Großinvestors SoftBank Group. Mit dem AGI CPU positioniert sich das Unternehmen nun nicht mehr nur als stiller Zulieferer, sondern als eigenständiger Akteur im wachsenden Markt für KI-Infrastruktur.


