Photoshop und Excel zum Nulltarif: KI-Klone greifen Adobe und Microsoft an
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Ein Entwickler und ein KI-Modell: Mehr braucht es offenbar nicht mehr, um Adobe und Microsoft mit Gratis-Software herauszufordern. Der Entwickler Brandon Thomas hat mit seinem Projekt ArtCraft quelloffene Nachbauten von Photoshop, Illustrator, Premiere und Co. veröffentlicht, gebaut mit Hilfe von Anthropics KI-Modell Claude Opus 5.5. Kurz darauf folgten auch erste Klone von Word, Excel und PowerPoint.
Sieben Adobe-Apps in Rust
Thomas war nach eigenen Angaben drei Jahre lang CEO des KI-Startups Storyteller.ai und programmiert seit 15 Jahren. Sein Motiv ist Frust über Adobes Abo-Modell, vor allem über die Gebühr, die bei vorzeitiger Kündigung eines Jahresabos fällig wird. Die ArtCraft-Suite umfasst sieben Programme, alle von Grund auf in der Programmiersprache Rust geschrieben:
- PhotoCraft: Bildbearbeitung als Ersatz für Photoshop, mit Ebenen, Masken, Pinseln und Unterstützung für PSD-Dateien
- VectorCraft: Vektorgrafik nach dem Vorbild von Illustrator
- FilmCraft: Videoschnitt als Alternative zu Premiere
- LightCraft: Fotoverwaltung und RAW-Entwicklung wie in Lightroom
- Weitere Apps: EffectCraft (After Effects), DesignCraft (InDesign) und ein PDF-Programm als Ersatz für Acrobat
Die Programme laufen auf Windows, macOS und Linux, PhotoCraft sogar direkt im Browser. Der Code steht unter den freien Lizenzen MIT und Apache 2.0 auf GitHub, wo allein PhotoCraft schon fast 52.000 Sterne gesammelt hat. Thomas spricht von einem „Clean-Room“-Nachbau, also ohne Code von Adobe zu verwenden. Alle Funktionen lassen sich außerdem per Kommandozeile und MCP-Server steuern, damit KI-Agenten die Programme direkt bedienen können.
Word, Excel und PowerPoint folgen
Nach Adobe ist nun Microsoft dran. Mit WordCraft, GridCraft und DeckCraft arbeitet ArtCraft an Nachbauten von Word, Excel und PowerPoint, die allerdings noch weniger ausgereift sind. Nach Angaben des Projekts, über die Thurrott.com berichtet, liest und schreibt WordCraft bereits DOCX-Dateien und deckt rund 62 Prozent der Word-Funktionen ab. GridCraft soll 93 Prozent der Excel-Formeln beherrschen, DeckCraft steckt noch in einer frühen Phase. Die Download-Links auf der Website hat ArtCraft inzwischen entfernt, wer die Programme testen will, muss sie selbst aus dem Quellcode bauen.
Der Fall zeigt, wie stark KI-Coding-Tools die Kosten für Software drücken. Erst kürzlich hatte OpenAI-Chef Sam Altman behauptet, die Arbeit eines Startups von drei Monaten lasse sich mit Codex in 17 Minuten erledigen.
Etablierte Alternativen gibt es längst
Gratis-Alternativen zu Adobe und Microsoft sind an sich nichts Neues. GIMP, Krita und Inkscape gibt es seit vielen Jahren als quelloffene Konkurrenz zu Photoshop und Illustrator, darktable als Alternative zu Lightroom. Im Büro setzen viele Behörden und Unternehmen auf LibreOffice oder OnlyOffice. Neu an ArtCraft ist vor allem der Ansatz: Die Klone orientieren sich eng an Bedienung und Funktionsumfang der Originale, und Thomas will mit KI-Hilfe binnen eines Monats an deren Kernfunktionen herankommen.
Noch weit vom Profi-Einsatz entfernt
Ob die KI-Klone Adobe und Microsoft tatsächlich gefährlich werden, ist offen. Das Projekt selbst räumt auf GitHub ein, PhotoCraft sei noch kein Photoshop-Ersatz für die tägliche professionelle Arbeit. Es fehlen KI-Funktionen, Werkzeuge und die Unterstützung für Plug-ins. Das Magazin Vice nennt die Software „unglaublich fehlerhaft“, das Techportal HotHardware verweist auf die Hürden bei Farbmanagement und Stabilität und auf mögliche Patentstreitigkeiten mit Adobe, das tausende Patente hält. Eine Stellungnahme von Adobe oder Microsoft gibt es bislang nicht.

