E-Mobilität

VW: 40 Prozent der Bestellungen in Europa sind schon E-Autos

A white Volkswagen ID.4 plugged into a charging station
A Volkswagen ID.4 at a charging station. © Haberdoedas / Unsplash

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Der Krisenkonzern Volkswagen hat endlich wieder eine gute Nachricht, und die fährt elektrisch: Rund 40 Prozent des Auftragsbestands in Europa entfallen inzwischen auf vollelektrische Modelle. Das geht aus den Auslieferungszahlen für die ersten drei Quartale hervor, die die Volkswagen Group soeben veröffentlicht hat. Bei den tatsächlich ausgelieferten Autos ist der Konzern noch nicht so weit: Hier fährt in Europa etwa jedes fünfte Modell rein elektrisch.

Der Elektro-Auftragsbestand hat sich verdoppelt

Die Zahlen für Europa im Überblick:

  • Auslieferungen: Von Jänner bis September lieferte der Konzern in Europa 586.100 Elektroautos aus, ein Plus von 12,1 Prozent. Im dritten Quartal allein waren es 209.100 Stück und damit fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • E-Auto-Anteil: Der Anteil vollelektrischer Modelle an den Auslieferungen in Europa stieg nach neun Monaten von 18 auf 20 Prozent.
  • Bestellungen: Der Auftragsbestand für Elektroautos hat sich gegenüber Ende 2025 verdoppelt. Die Auftragseingänge für E-Autos lagen im dritten Quartal um mehr als 60 Prozent über dem Vorjahr, über alle Antriebsarten hinweg waren es in den ersten drei Quartalen nur 4 Prozent.
  • Kleinwagen: Für die neue Electric Urban Car Family aus VW ID. Polo, VW ID. Cross, Škoda Epiq und Cupra Raval gingen kurz nach dem Start knapp 150.000 Bestellungen ein.

„In unserem Heimatmarkt sehen wir einen deutlich beschleunigten Trend zu vollelektrischen Fahrzeugen“, sagt Martin Sander, im Konzern für den Vertrieb zuständig. „Hauptgründe dafür sind die derzeit hohen Kraftstoffpreise und das größere Angebot an Einstiegsmodellen.“ Die gestiegenen Spritpreise infolge des Irankriegs haben in Europa schon Tesla ein Comeback beschert.

Das meistverkaufte Elektroauto des Konzerns kommt mittlerweile aus Tschechien: Der Škoda Elroq liegt mit 92.200 Auslieferungen vor dem VW ID.4/ID.5 (81.900) und dem Škoda Enyaq (72.700). Während Škoda seine E-Auto-Auslieferungen nach neun Monaten um rund 41 Prozent steigerte, verlor die Kernmarke VW Pkw bei den Stromern rund 26 Prozent.

Weltweit geht es bergab

Außerhalb Europas sieht die Bilanz deutlich schlechter aus. Insgesamt lieferte der Konzern nach neun Monaten 6,01 Millionen Fahrzeuge aus, um 9 Prozent weniger als im Vorjahr. Im dritten Quartal betrug das Minus sogar 14,3 Prozent. Leichte Zuwächse in Südamerika, West- sowie Zentral- und Osteuropa konnten die Einbrüche in China (minus 30 Prozent) und Nordamerika (minus 4 Prozent) nicht ausgleichen.

Bei Elektroautos ist das Bild ähnlich. Weltweit sanken die Auslieferungen um 5,4 Prozent auf 678.700 Stück, damit ist global nur gut jedes neunte Konzernfahrzeug ein reines Elektroauto. In den USA brachen die E-Auto-Auslieferungen nach dem Auslaufen staatlicher Förderprogramme und wegen der Importzölle um 78 Prozent ein, in China um 42,5 Prozent. Zulegen konnten dagegen Plug-in-Hybride und Range Extender, deren Auslieferungen um rund 23 Prozent auf 368.000 Fahrzeuge stiegen. Bei den Marken schrumpften Porsche (minus 16 Prozent), VW Pkw (minus 13,7 Prozent) und Audi (minus 11,4 Prozent), nur Škoda, VW Nutzfahrzeuge und Traton wuchsen.

Sparkurs mit 50.000 Stellen

Die neuen Zahlen fallen in eine Phase, in der Volkswagen tief in der Krise steckt. Erst kürzlich hat der Aufsichtsrat den „Zukunftsplan 2030“ abgesegnet: 50.000 Stellen fallen weg, die Modellpalette soll bis 2035 um rund die Hälfte schrumpfen. CEO Oliver Blume nannte die Lage des Konzerns „mehr als kritisch“. Für die Werke Hannover, Emden, Neckarsulm und Zwickau prüft VW „alternative Verwendungsmöglichkeiten“, das Werk in Osnabrück soll künftig Rüstungsgüter für den israelischen Konzern Rafael fertigen. Ziel ist es, den weltweiten Absatz bei rund neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr zu stabilisieren.

Chinesische Konkurrenz holt auf

Vom Elektro-Boom in Europa profitieren auch die Mitbewerber. Chinesische Marken kamen von Jänner bis Juli laut einer Dataforce-Auswertung bereits auf 12,6 Prozent des europäischen E-Auto-Markts, BYD liegt bei den Neuzulassungen inzwischen vor Tesla, Volvo und Nissan. Volkswagen kam im damals noch kleineren E-Segment 2021 auf knapp 14 Prozent Marktanteil und liegt jetzt unter acht Prozent. Dazu kommen chinesische Hybride, die über ein Schlupfloch bei den EU-Strafzöllen den Markt überrollen.

Wie aussagekräftig der hohe Elektro-Anteil im Auftragsbestand ist, wird sich erst zeigen. Bestellungen sind noch keine Auslieferungen, und bei den tatsächlich ausgelieferten Fahrzeugen liegt der E-Auto-Anteil in Europa mit 20 Prozent nur halb so hoch. Sander selbst sieht in den neuen Kleinwagen dagegen einen Beleg, dass Volkswagen mit den vier Modellen „genau den Zeitgeist getroffen“ habe.

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