Anzeige

ICT Austria Branchenforum 2026: Digitale Souveränität im Fokus

Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.

Die ICT Austria hat am vergangenen Donnerstag zu ihrem Branchenforum 2026 und der Jahreshauptversammlung geladen. Schauplatz war wie bereits im Vorjahr die Eventlocation Wolke21 im Saturn Tower in der Wiener Donau City. Unter dem Motto „Digitale Souveränität 2.0: Wem gehört die Zukunft?“ diskutierten Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft den ganzen Tag über KI, Cybersecurity und die digitale Zukunft Europas.

Dabei waren sich die Anwesenden einig, dass Österreich und Europa mehr Mut, mehr Kapital und bessere Regulierung brauchen, um digital souverän zu sein. Speziell im Bereich AI ist mehr Eigenständigkeit nötig.

Österreich muss bei Rechenzentren aufholen

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des interaktiven Wissensforums „Technologie verstehen, Zukunft gestalten“. ICT Austria Präsident Walter Huemer eröffnete die Veranstaltung mit einer Einschätzung zur aktuellen KI-Landschaft. Das Tempo bei Künstlicher Intelligenz werde nach wie vor von den USA vorgegeben, so Huemer.

„In Europa und Österreich entstehen zwar zunehmend Rechenzentren, doch es handelt sich dabei überwiegend um Ableger internationaler Konzerne. Grundsätzlich ist es gut, diese Kapazitäten im Land zu haben, entscheidend ist aber, nicht in vollständige Abhängigkeit zu geraten. Es ist wichtig, zu wissen, wer über ein Rechenzentrum entscheidet, wer es abschalten kann und wer daran verdient. Das sind zentrale Fragen der digitalen Souveränität und aktuell lautet die Antwort darauf selten Österreich”, erläuterte Huemer. Als Beispiel nannte er den Rückzug Österreichs aus der zweiten Einreichrunde für eine europäische KI-Gigafactory. Positiv hob er hervor, dass heimische Unternehmen KI im Durchschnitt häufiger als Firmen aus anderen europäischen Ländern einsetzen.

Mehrere Fachvorträge vertieften anschließend einzelne Aspekte des Rahmenthemas. Christoph Kofler von Gepardec IT Services, Reinhard Mayer von meshmakers und Claudia Nitschke von IT Solutions & Webspider präsentierten eine Studie zur NIS2 und DORA-Readiness österreichischer Unternehmen. In einem Mitglieder-Spotlight stellten sich zudem Avenum, Certitude Consulting, die Huemer Group und die Anexia Group vor.

EUDI: „Hybrider Ansatz zwischen digitaler und physischer Identität“

Andreas Steiner, CSO des RegTech-Startups sproof, widmete sich der Europäischen Digitalen Identitäts-Wallet (EUDI). Dabei handelt es sich um eine Initiative der EU, die es Bürger:innen ermöglichen soll, sich EU-weit digital auszuweisen und Dokumente wie Führerscheine, Zeugnisse oder Rezepte auf dem Smartphone zu speichern.

Steiner beschäftigte sich mit der Frage, warum man digitale Vertrauensprozesse neu denken muss. „Digitale Souveränität in Europa lässt sich schwer greifen, weil oft nicht sicher ist, ob wirklich kein internationaler Einfluss besteht. In der Praxis braucht es weiterhin einen hybriden Ansatz zwischen digitaler und physischer Identität, da die klassische ID vorerst nicht verschwinden wird”, sagte Steiner. Die technologische Basis für die EUDI Wallet existiere noch nicht vollständig, werde aber bald verfügbar sein und müsse dann implementiert werden.

„Zukunft gehört denen, die aktiv mitgestalten“

Ursula Eysin, Geschäftsführerin der Wiener Beratungsgesellschaft Red Swan, sprach unter dem Titel „Künstliche Intelligenz: Wem gehört die Zukunft?“ und plädierte dafür, sich von „Allmachtsvorstellungen“ über KI zu verabschieden. „Die Zukunft gehört denen, die sie mit Kreativität, Kollaboration und Kommunikation aktiv gestalten“, so Eysin, die bei ihrem Vortrag Beispiele aus der KI-gestützten Fotoproduktion ihres Unternehmens präsentierte.

Florian Brunner vom Digital Excellence Campus 42 Vienna richtete den Blick auf Ausbildung und Fachkräfte im Kontext digitaler Souveränität. „Es braucht eine starke Bildungskultur und Kapitalgeber:innen, die technologische Zusammenhänge tatsächlich verstehen. Notwendig sind mehr Investitionen in Menschen sowie breit aufgestellte Expert:innen, die digitales Wissen weiterentwickeln können”, meinte Brunner. Eine zentrale Herausforderung bleibe, mehr Interesse zu wecken und Führungskräfte davon zu überzeugen, in entscheidende Zukunftsthemen zu investieren.

AI erhöht Bedrohungen in Cybersecurity

Marc Nimmerrichter von Certitude analysierte, wie KI die Asymmetrie in der Cybersecurity verschärft. „Ein Angreifer darf scheitern, er kann skalieren und braucht nur eine einzige Lücke, um erfolgreich zu sein. Verteidiger hingegen dürfen sich keinen Fehler erlauben und müssen Prüfungen und Freigaben durchlaufen, bevor sie reagieren können. KI ist längst eine eigene Angriffsfläche geworden”, warnte der Experte.

„Superintelligenz-Singularität“ vielleicht schon vorbei

Ein besonders spannender Vortrag des Nachmittags kam von Georg Gesek vom Serverhersteller Novarion mit einem Beitrag zu Agentic AI und neuronalem Denken. Es sei bereits möglich, einer KI beizubringen, den Sinn ihres eigenen Handelns zu verstehen und so etwas wie einen Willen oder einen Charakter zu entwickeln, erklärte Gesek. Damit könne ein System zunehmend selbst entscheiden, was es tut und was nicht, was über klassische Guardrails hinausgeht und laut AI Act eigentlich untersagt ist.

„Mit fortschreitender KI-Entwicklung steigt der wirtschaftliche Wert und das Bedrohungspotenzial gleichermaßen exponentiell.” Gesek sprach auch von einer möglichen „Superintelligenz-Singularität“ und der Sorge, dass KI die menschliche Existenz bedroht. Dabei räumte er angesichts der massiven Fortschritte von AI die Möglichkeit ein, dass dieser Moment bereits vorbei ist und die Menschheit die potenzielle Gefahr bereits überstanden habe.

Podiumsdiskussion zur Zukunft Europas im digitalen Zeitalter

Am Abend folgte das Hauptprogramm unter dem Titel „Die Zukunft Europas im digitalen Zeitalter“. Auf dem Podium diskutierten Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl, Anexia Group-CEO Alexander Windbichler, 506.ai-Gründer Gerhard Kürner, Bitget EU-Chef Oliver Stauber und Rechtsanwalt Martin Schiefer, moderiert vom Facharzt für Innere Medizin und Universitätsprofessor Siegfried Meryn.

Eibinger-Miedl verwies darauf, dass Österreich bei Infrastruktur, Forschung und Entwicklung sowie Mikroelektronik bereits einiges vorzuweisen habe, etwa durch den frühen Ausbau von 5G. Rechenzentren bleiben aber weiterhin ein zentrales Thema. „Digitalisierung kann sich nur durchsetzen, wenn Unternehmen sie in der Breite mittragen. Gerade viele KMU befinden sich hier noch auf unterschiedlichem Niveau. Gleichzeitig müssen wir die Sorgen rund um KI und Arbeitsplätze ernst nehmen, weshalb Weiterbildung eine wichtige Rolle spielt”, erklärte die Staatssekretärin.

Allein in Rechenzentren fließen laut Eibinger-Miedl in den kommenden zehn Jahren rund 600 Milliarden Euro an Investitionen in Europa. Privates Kapital sei auch in großen Mengen vorhanden, fließe derzeit jedoch noch großteils ins Ausland. Deshalb plant die Bundesregierung Instrumente wie den Scale-up Fonds oder das Zukunftsdepot, um mehr davon im Land zu halten.

Mehr Mut, mehr Kapital, bessere Regulierung

Als roter Faden der Diskussion kristallisierte sich Kritik an fehlendem Mut, fehlendem Kapital und unzureichender Regulierung heraus. Windbichler plädierte dafür, verstärkt europäisch einzukaufen und digitale Dienste von europäischen Anbietern zu beziehen. Stauber hob die besondere Rolle Wiens hervor, das viele internationale Fachkräfte anziehe und in dem eine österreichische Fintech-Lizenz in ganz Europa als besonders vertrauenswürdig gelte.

Keynote: Die Mensch-KI-Symbiose

Den Abschluss bildete die Keynote von Markus Hengstschläger zur Mensch-KI-Symbiose. Der Genetiker erinnerte an das Human Genome Project der Neunzigerjahre, das gezeigt hat, wie komplex die menschliche Genetik tatsächlich ist. Von den rund 3,1 bis 3,2 Milliarden Basenpaaren des menschlichen Genoms könne bereits eine einzige fehlerhafte Base bis zu 6.000 verschiedene Krankheiten auslösen.

„Für Menschen ist es schier unmöglich, mit solch gewaltigen Zahlen zu arbeiten. Deswegen ist AI für den Bereich der Genetik revolutionär. Sie liefert schon heute Antworten, die früher undenkbar gewesen wären”, so Hengstschläger. Vor negativen Effekten der Technologie müsse man sich ihm zufolge nicht in erster Linie fürchten, weit schwerer wiege das Risiko, sie gar nicht erst einzusetzen. Klare Regulierung bleibe dabei aber unverzichtbar.

Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien
#glaubandich CHALLENGE: SVAN triumphiert in Klagenfurt

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen

Newsletter

Founders Dispatch

Zwei Mal pro Woche kostenlos in die Inbox: die wichtigsten Startups, Deals und Tech-Entwicklungen aus Europa, handgeschrieben von der Redaktion.

Jederzeit abbestellbar. Mehr über den Newsletter