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MindEcho: Wie KI aus Lauten Sprache macht

© jpstudio.at|JulianPuchberger
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Menschen mit Sprachbeeinträchtigung wieder eine Stimme geben: So lautet das Ziel des oberösterreichischen Startups MindEcho. Die 2026 gegründete Jungfirma hat eine KI-gestützte App entwickelt, die individuell trainierte Lautmuster von Menschen mit schweren Sprachbeeinträchtigungen erkennt und in verständliche Sprache übersetzt. Zusatzhardware, Symbolnavigation oder intentionale Sprachfähigkeit sollen dafür nicht nötig sein.

Mindecho-Mitgründer Benjamin Hindinger mit seinem Neffen Moritz © jpstudio.at|JulianPuchberger
Moritz , der Neffe von Mindecho-Mitgründer Benjamin Hindinger, mit seinem Vater © jpstudio.at|JulianPuchberger

Idee aus familiären Umfeld entsprungen

Die Anwendung richtet sich unter anderem an Kinder mit Sprachentwicklungsstörung, Schlaganfallpatient:innen oder Menschen mit Demenz. Grundsätzlich ist MindEcho aber krankheitsunabhängig, erklärt Mitgründer Dominik Stix. „Es gibt nur zwei Voraussetzungen: Eine Lautäußerung muss möglich sein, und es muss jemand geben, der diese interpretieren kann, die betroffene Person selbst oder Eltern und Bezugspersonen“, so Stix.

Mitgründer und Geschäftsführer der Jungfirma ist Benjamin Hindinger. Die Idee zu MindEcho geht auf seinen Neffen Moritz zurück, der mit dem extrem seltenen Gendefekt DNM1L zur Welt kam, von dem laut Firmenangaben weltweit nur 58 Fälle bekannt sind. Moritz ist in seiner Entwicklung stark verzögert, kann nicht sprechen und nicht gehen und verständigt sich über Laute, Mimik und Gesten.

Neben Hindinger gehören auch Dominik Stix, zuständig für Kommunikation, Qualitätsmanagement und rechtliche Agenden, sowie Bernhard Sommer als technischer Kopf des Startups zum Gründerteam. Sommer bringt über 20 Jahre Erfahrung als IT-Ingenieur und IT-Teamleiter mit und verantwortet bei MindEcho Technologie und Entwicklung der App. Unterstützt wird das Kernteam unter anderem von einer Softwareentwicklung mit Fokus auf künstliche Intelligenz sowie einer eigenen Verantwortlichen für Social Media und Content-Strategie.

KI erkennt verborgene Muster in Lauten

Auf der Suche nach einer passenden Kommunikationshilfe stießen die Gründer an Grenzen: Symbolbasierte Talker oder Augensteuerungssysteme scheiterten an Moritz‘ eingeschränkter Feinmotorik und seinem Verständnis für kausale Zusammenhänge. Den entscheidenden Impuls lieferte schließlich eine KI-Anwendung zur Krankheitsdiagnose anhand von Stimmaufnahmen: In jeder Stimme stecke weit mehr Information, als bisher angenommen, so die Erkenntnis der Gründer.

KI könne darin verborgene Muster sichtbar machen. Die Anwendung der Jungfirma soll einfach zuhören und aussprechen, was gemeint ist, und so ähnlich wie beim gewöhnlichen Sprechen funktionieren, ohne Knopfdruck oder komplexe Zeichensysteme.

Aktuell befindet sich MindEcho noch in Entwicklung. Rund 150 Testnutzer:innen verwenden die App bereits kostenlos und geben laufend Feedback, das direkt in die Weiterentwicklung von KI-Modell und App einfließt. Der Marktstart als fertiges Produkt ist für das Frühjahr 2027 geplant. Zu bedenken ist, dass MindEcho nicht als Medizinprodukt fungiert. Die Anwendung kann keine Krankheiten heilen, Diagnosen stellen oder Therapie ersetzen. Das Startup versteht die Anwendung als assistives Kommunikationstool.

„Nothing about us without us“

Bei der Entwicklung setzt MindEcho auf den Grundsatz „Nothing about us without us“ und bindet Betroffene und ihre Familien von Beginn an mit ein. Auf der eigenen Website beschreibt sich das Unternehmen als Brücke zu mehr Teilhabe für Kinder und Erwachsene mit Sprachbeeinträchtigung und will ihnen ermöglichen, sich im Alltag verständlich auszudrücken und von ihrem Umfeld wahrgenommen zu werden.

Bevor MindEcho zum Einsatz kommen kann, braucht es eine Trainingsphase. Hierbei werden Laute aufgezeichnet und mit dem entsprechenden Bedürfnis verknüpft. Dadurch lernt die KI, was die Laute bedeuten. Diesen Vorgang kann die betroffene Person selbst übernehmen, andernfalls können das Bezugspersonen wie Eltern oder Betreuungspersonen machen. Generische Sprachdatenbanken kommen dagegen nicht zum Einsatz, weil sich die Laute von Person zu Person zu stark unterscheiden. Jedes Modell ist individuell.

MindEcho ist gut vernetzt in der Forschung

Derzeit befindet sich MindEcho in einem Forschungsprojekt mit der JKU Linz und der FH Gesundheitsberufe OÖ, das von der FFG unterstützt wird. Die JKU bringt über gleich drei Institute, Integriert Studieren, Machine Learning sowie Application-oriented Knowledge Processing, ihre technische und wissenschaftliche Expertise ein, während die FH Gesundheitsberufe OÖ über den Studiengang Logopädie die sprachwissenschaftliche und therapeutische Fachperspektive beisteuert.

Seit der Gründung hat MindEcho bereits mehrere wichtige Meilensteine erreicht. Dazu gehören unter anderem der positiv abgeschlossene Proof of Concept mit 11 sprachbeeinträchtigten Kindern, der Sieg beim Cross-Border-Contest in der Kategorie „Idea“ sowie der Sieg beim EDISON der Preis von tech2b in der Kategorie „Pionier:innen“, der mit 5.000 Euro dotiert war.

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