Gastbeitrag

Krisenwährung: Kann man Bitcoin mit Gold vergleichen?

© Kanchanara on Unsplash
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BTC wird immer wieder als digitales Gold bezeichnet – ob das gerechtfertigt ist und Bitcoin so wie Edelmetalle ein Krisen-Asset ist, damit beschäftigen sich heute Mirco Recksiek und Daniel Wenz von Bitcoin2Go. Bitcoin2Go versteht sich als Lern- und News-Plattform rund um Kryptowährungen.

Beim Blick auf die weltweit steigenden Inflationsraten suchen immer mehr Menschen nach Mitteln und Wegen, um die Kaufkraft ihrer Ersparnisse zu wahren. Dabei setzen sie historisch betrachtet besonders auf Gold – und das seit Jahrhunderten. Mittlerweile schwören jedoch auch immer mehr Personen auf Bitcoin als Inflationsschutz. Kein Wunder, wenn man sich die Wertentwicklung von wenigen Cents bis hin zu fast 70.000 US-Dollar anschaut. Derweil hat sich auch die Bezeichnung des “digitalen Goldes” für Bitcoin durchgesetzt. Doch kann man Bitcoin und Gold wirklich miteinander vergleichen?

Welche Rolle nimmt Gold für uns ein?

Bevor wir einen Vergleich wagen, schauen wir zunächst auf die Bedeutung von Gold. Menschen verbinden mit Gold zahlreiche Eigenschaften: Das Edelmetall ist alles andere als nur ein Wertspeicher, sondern nimmt teilweise selbst in Religionen einen symbolischen Wert ein. Beispielsweise wird Gold bereits seit der Antike unabhängig von seiner monetären Bedeutung für Rituale und Bräuche genutzt.

Abseits davon war Gold auch für unser Geldsystem vor 1973 immens wichtig, da Geld an Gold gebunden war. Es diente als Sicherheit für die Landeswährungen, damit hinter bedrucktem Papier auch ein echter Wert steht. Der sogenannte Goldstandard scheiterte jedoch. Mit der anschließenden Schaffung von Fiatgeld können Zentralbanken bei Bedarf jederzeit Geld aus dem Nichts schaffen.

Dementsprechend schreitet die Entwertung des Geldes rasant voran. Gold hat sich im gleichen Zuge als seltener Rohstoff zu einem sicheren Hafen für Anleger entwickelt. Obwohl Gold zu den Anlageklassen gehört, aus denen kein Geldstrom erfolgt –  im Gegensatz zu Aktien mit Dividenden – suggeriert es Sicherheit.

Der Glaube an und das Vertrauen in Gold verleihen dem Edelmetall den hohen Wert.

Gleichzeitig ist Gold auch als Material für Schmuck und andere Gegenstände von Bedeutung und wird als robustes Material geschätzt. Damit hat Gold auch eine reale Verwendung in der Wirtschaft.

Gold ist begrenzt. Bis heute wurden fast 200.000 Tonnen Gold abgebaut, wie die Daten von The World Gold Council zeigen. Laut der Industriegruppe ist damit mehr als 70 Prozent des weltweiten Goldbestandes bereits abgebaut worden. Dadurch, dass die Beschaffung von Gold mit einem großen Aufwand verbunden ist und wir nicht nach Belieben Gold produzieren können, kommt es bei einer erhöhten Nachfrage zu einem Kursanstieg. Hier greift also wie bei vielen anderen Dingen auch das einfache Prinzip von Angebot und Nachfrage.

GOLDINVEST: “Edelmetalle sind ein gutes Bollwerk gegen Inflation und Markt-Crashs”

Warum sollte Bitcoin als Krisenwährung fungieren können?

Bitcoin ist als digitale Währung geschaffen worden. Es sollte Fiatwährungen ablösen, ohne dass hierfür eine Zentralbank benötigt wird. Doch wieso sollte Bitcoin als Krisenwährung bestehen können, ohne dauerhaft an Wert zu verlieren wie das uns bekannte Fiatgeld?

Der Grund, wieso gerade Bitcoin als Krisenwährung funktionieren könnte, ist die maximale Anzahl an Bitcoins, die Satoshi Nakamoto fest im Bitcoin-Protokoll verankert hat. Aktuell gibt es fast 19 Millionen Bitcoins, bis 2140 werden voraussichtlich zwei Millionen weitere Bitcoins geschürft. Bei 21 Millionen BTC ist dann allerdings Schluss.

Damit ein Gut im inflationären Geldsystem an Wert gewinnen kann, ist Knappheit eine wichtige Eigenschaft.

Je weniger Bitcoins erhältlich sind, umso höher treibt es den Kurs der digitalen Währung nach oben, wenn die Nachfrage steigen oder zumindest gleich bleiben sollte.

Verbindet man diese Eigenschaft mit dem Nutzen von BTC, von überall aus Transaktionen in Echtzeit durchzuführen, ergibt sich ein echter Wert für Bitcoin. Und das, obwohl die Kryptowährung nur digital existiert.

Bitcoin vs. Gold: Die Gemeinsamkeiten

Ursprünglich wurde Bitcoin also als Zahlungsmittel geschaffen. Es sollte Fiatwährungen ablösen und dafür sorgen, dass Echtzeittransaktionen ohne eine dritte Partei dennoch mit vollstem Vertrauen und ohne das digitale “Double-Spend-Problem” möglich werden.

Das ist tatsächlich eine Eigenschaft, die Bitcoin zwar weiterhin erfüllt, dennoch hat sich BTC als Währung bisher nicht global durchgesetzt.

Vielmehr fungiert Bitcoin in der Rolle eines Wertspeichers. Die Anzahl der Bitcoin-Holder, die BTC länger als ein Jahr halten, ist laut IntoTheBlocks seit Januar 2018 auf mehr als das Doppelte Prozent gewachsen. In absoluten Zahlen ist die Gruppe von 9,25 Millionen Holdern auf über 25 Millionen angestiegen.

Zahlreiche Staaten verlassen sich auf ihre Goldreserven. Je mehr Gold ein Staat besitzt, umso stärker ist er gegen Krisen gewappnet. Einen neuen Weg eingeschlagen hat hierbei El Salvador. Das mittelamerikanische Land hat Bitcoin am 7. September 2021 nicht nur als offizielle Währung neben dem US-Dollar eingeführt, sondern hält mittlerweile auch selbst 1.801 Bitcoins als Staatsreserven im Wert von rund 70 Millionen US-Dollar.

Wir sehen also, dass immer mehr Menschen und Institutionen Bitcoin als Gold-Alternative nutzen, doch woran liegt das?

Wir blicken hierfür auf die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Wertanlagen:

  • begrenztes Angebot
  • keine Zinsen
  • großer Aufwand für Herstellung/Gewinnung
  • als Tauschmittel möglich, ohne Zugriff durch Zentralbank oder Staat

Wir sehen also, dass es durchaus einige Gemeinsamkeiten gibt. Selbst die Begrifflichkeit des Bitcoin-Minings hat sich vom Bergbau in Goldminen hergeleitet.

Bitcoin vs. Gold: Die Unterschiede

Allerdings gibt es natürlich auch einige Unterschiede zwischen Gold und Bitcoin. Der offensichtlichste Unterschied ergibt sich in der Verwahrung:

Während wir Gold als physisches Edelmetall in Tresoren oder Bankschließfächern lagern und für eine echte Sicherheit an eine dritte Partei gebunden sind, sieht das beim Bitcoin anders aus. In den meisten Fällen müssen Menschen für die Verwahrung von Gold beispielsweise Banken dafür bezahlen, dass sie das Gold für sie aufbewahrt. Die Lagerung von Gold ist nicht nur mit einem hohen Sicherheitsaufwand verbunden, sondern auch platztechnisch bei großen Mengen nicht einfach zu handhaben.

Bitcoin existiert nur virtuell, daher ist es nicht notwendig, viel Platz zu schaffen. Ob ein Anleger 0,1 oder 1.000 BTC hält, macht keinen Unterschied. Ähnlich wie bei einer Bank können Investoren ihre Bitcoins auf Krypto-Börsen verwahren. Hier übernimmt die Börse in der Regel allerdings keine Haftung. Die Alternative ist die Verwahrung in einer eigenen Hardware- oder Online-Wallet, auf dessen Private Key nur der Besitzer selbst Zugriff hat. Der Private Key ist das Passwort für die digitale Geldbörse und nur der Besitzer dieses Passwortes kann über die Bitcoins auf der Wallet verfügen. Das führt dazu, dass hier die Verantwortung der Bitcoins ganz beim Besitzer liegt – mit allen Vor- und Nachteilen. Selbst ein Verlegen des Passwortes kann dazu führen, dass man nie wieder auf die Bitcoins zugreifen kann. Vor Hacks sind die Nutzer von Bitcoin in der Regel sicher, die Blockchain-Technologie hat sich in den letzten 13 Jahren bewährt. Wichtig ist, den Private-Key nicht digital zu speichern, denn hier wäre man für Hacker wieder angreifbar.

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Bitcoin als digitales Gold

Wir haben nun aufgearbeitet, welche Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede Bitcoin und Gold aufweisen. Doch was hat es mit dem Begriff des “digitalen Goldes” auf sich?

Die Digitalisierung schreitet voran. Statt mit Bargeld zu bezahlen, bezahlen wir per EC- oder Kreditkarte, PayPal und anderen Online-Zahlungssystemen. Ja, auch mit Bitcoin kann man online sowie unterwegs innerhalb von Sekunden bezahlen. Die Digitalisierung findet in nahezu in allen Sektoren statt.

Weshalb sollte Gold von der Digitalisierung ausgeschlossen sein?

Gegebenenfalls stellt Bitcoin wirklich die digitale Form des Goldes dar. Gleichzeitig hat Bitcoin einen großen Vorteil: Nutzer können BTC ganz einfach von überall aus als Zahlungsmittel nutzen. Zwar lassen sich einige Menschen sicherlich auch auf Gold als Tauschmittel ein, der Transport und die Abwicklung der Zahlung sind jedoch deutlich schwieriger umzusetzen.

Gerade die junge Generation zieht Bitcoin vor, wenn es darum geht, sich zwischen Gold und BTC als Wertspeicher zu entscheiden. Gleichzeitig setzen auch immer mehr konservative Anleger auf Bitcoin, dazu gehören auch große Unternehmen wie Tesla oder MicroStrategy.

Fazit: Kann man Bitcoin mit Gold vergleichen?

Ist Bitcoin denn bereits eine Alternative für Gold? Hierfür eignet sich ein Blick auf die Korrelation zwischen der Kursentwicklung von Gold und Bitcoin. Aktuell zeigt sich anhand dieser Korrelation und der von BTC zum Aktienmarkt, dass der Markt Bitcoin noch längst nicht als Alternative zu Gold betrachtet. Die Korrelation zum Aktienmarkt ist deutlich größer als die Korrelation zu Gold.

Noch immer ist Bitcoin ein Spekulationsobjekt, das zu den Risiko-Assets gehört.

Selbstverständlich ist Gold auch eine Anlage, mit der spekuliert wird. Ein rapider Kursverlust, der den Goldwert gen 0 bringen könnte, ist im Gegensatz zu Kryptowährungen wie Bitcoin allerdings aktuell deutlich unwahrscheinlicher. In Krisenzeiten suchen Menschen jedoch sichere Möglichkeiten, damit ihr Erspartes nicht an Wert verliert.

Den Wert hinter Bitcoin bestimmen wie beim Gold letztendlich die Leute dadurch, wie sehr sie an das Asset glauben. El Salvador ist als erstes Land vorangegangen und setzt auf Bitcoin- statt auf Goldreserven. Politiker aus anderen Staaten wie beispielsweise Mexiko haben bereits signalisiert, dass sie ebenfalls vermehrt auf Bitcoin setzen wollen.

Wenn wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Gold und Bitcoin betrachten, fällt auf, dass der eigentliche Unterschied lediglich in der physischen Form liegt. Ansonsten besitzt Bitcoin zahlreiche Eigenschaften, mit denen auch Gold glänzt. Daher scheint der Vergleich zwischen Gold und Bitcoin alles andere als weit hergeholt zu sein.

Allerdings sorgt die Volatilität des Bitcoins, die Angst vor Regulierungen und Verboten und die noch fehlende “historische Sicherheit” dafür, dass Bitcoin aktuell weiterhin als Risiko-Asset und noch nicht als Krisenwährung gilt. Hierfür fehlt es dem Großteil der Menschen noch an Vertrauen. Und das ist der Punkt, der dem Bitcoin in Zukunft vielleicht die Bedeutung geben könnte, die aktuell Gold besitzt.

Gerade bei der jungen Generation, die sich im Kampf gegen die weltweit steigenden Inflationsraten nach Alternativen umschaut, macht sich ein Wandel bemerkbar. Für immer mehr junge Leute nimmt Bitcoin tatsächlich die Rolle von Gold ein. Bis sich Bitcoin jedoch wirklich als “digitales Gold” durchsetzt, muss das Vertrauen in die Technologie größer werden. Denn gerade die Angst vor einem Verbot bei digitalen Assets wie Bitcoin hat es in der Vergangenheit bereits für Gold gegeben – das Goldverbot.

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