Wie KI-Rechenzentren bereits die Strompreise von US-Bürgern in die Höhe treiben
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Der Boom von KI-Rechenzentren in den USA hat direkte Folgen für die Stromrechnung ganz normaler Haushalte. Das zeigen aktuelle Daten aus den Kapazitätsauktionen des Netzbetreibers PJM Interconnection, der 13 US-Bundesstaaten sowie Washington D.C. mit Strom versorgt und rund 67 Millionen Menschen beliefert.
Milliarden zusätzliche Kosten durch KI-Nachfrage
PJM hat kürzlich die Ergebnisse einer Auktion veröffentlicht, mit der Stromkapazitäten für den Zeitraum Juni 2028 bis Mai 2029 eingekauft wurden. Von den insgesamt 16,4 Milliarden Dollar an Kapazitätskosten, die aus dieser Auktion resultieren, entfallen laut Monitoring Analytics – dem unabhängigen Marktüberwacher von PJM – rund 6,3 Milliarden Dollar auf die Nachfrage von Rechenzentren.
Über die vergangenen vier PJM-Auktionen hinweg summiert sich der von Rechenzentren verursachte Kostenanteil laut Monitoring Analytics auf insgesamt 29,4 Milliarden Dollar. Das entspricht nach Angaben des Marktüberwachers rund 46 Prozent der gesamten Kapazitätskosten in diesem Zeitraum – obwohl Rechenzentren derzeit nur etwa 4 Prozent des US-Stromverbrauchs ausmachen.
Monitoring-Analytics-Präsident Joseph Bowring plädiert dafür, die Nachfrage von Rechenzentren aus dem regulären Kapazitätsmarkt herauszulösen und über eine eigene, dedizierte Auktion abzuwickeln. Nur so ließe sich laut Bowring sicherstellen, dass Rechenzentren für ihre eigene Kapazität zahlen und diese Kosten nicht auf andere Kunden abwälzen.
Unterschiedliche Belastung je nach Bundesstaat
Wie stark die Mehrkosten bei den Verbrauchern ankommen, hängt stark vom jeweiligen Bundesstaat ab. Besonders betroffen sind Regionen mit hoher Rechenzentrumsdichte:
- Illinois: rund 23,85 Cent/kWh, ein Plus von etwa 28 Prozent im Jahresvergleich – einer der stärksten Anstiege im PJM-Gebiet
- Virginia: rund 17,61 Cent/kWh, plus etwa 15,4 Prozent – hier liegt die sogenannte „Data Center Alley“, eine der dichtesten Rechenzentrums-Konzentrationen weltweit
- Georgia: rund 15,84 Cent/kWh, plus etwa 5,7 Prozent – hier führte Unmut über steigende Rechnungen 2025 zur Abwahl zweier Regulierungskommissare
- Texas: rund 16,44 Cent/kWh, plus etwa 5,9 Prozent – der Netzbetreiber ERCOT warnt, dass zusätzliche KI-Lasten das Netz weiter unter Druck setzen könnten
Zum Vergleich weist Hawaii mit rund 52 Cent/kWh (+26,7 Prozent) zwar den höchsten Wert landesweit auf, dieser wird dort allerdings primär durch Treibstoffkosten und die geografische Isolation des Inselstromnetzes verursacht, nicht durch Rechenzentren.
Freiwillige Zusagen ohne Rechtskraft
US-Präsident Trump hat mit dem sogenannten „Ratepayer Protection Pledge“ Technologiekonzerne dazu aufgerufen, ihre Energiekosten selbst zu tragen. Unternehmen wie Microsoft und Anthropic haben ähnliche freiwillige Zusagen gemacht. Das Problem: Diese Selbstverpflichtungen sind rechtlich nicht bindend und enthalten keine Durchsetzungsmechanismen.
Nach Angaben des Politik-Trackers MultiState arbeiten derzeit 27 US-Bundesstaaten an Gesetzen, die Rechenzentren verpflichten würden, den Ausbau der Netzinfrastruktur selbst zu finanzieren. Kalifornien, Ohio und Utah haben bereits entsprechende Gesetze verabschiedet, die über die freiwillige Bundesinitiative hinausgehen.
Beobachter weisen zudem darauf hin, dass lokaler Widerstand gegen einzelne Rechenzentrumsprojekte zwar Bauvorhaben blockieren kann, auf die eigentlichen Tarifverfahren – also jene regulatorischen Prozesse, in denen Strompreise festgelegt werden – aber kaum Einfluss hat. Kritiker sehen darin ein strukturelles Problem: Die Kosten für den Netzausbau werden auf die Allgemeinheit verteilt, während die wirtschaftlichen Vorteile bei den Unternehmen verbleiben.
Keine schnelle Entlastung in Sicht
PJM erklärte zudem, bei der jüngsten Auktion nicht genügend Kapazität beschafft haben zu können, um das eigene Zuverlässigkeitsziel zu erreichen – ein Problem, das bereits bei der vorangegangenen Auktion für den Zeitraum 2027/2028 aufgetreten war. Der Netzbetreiber hat bei der Bundesregulierungsbehörde eine sogenannte „Backstop Procurement“ beantragt, um zusätzliche Kapazitäten zu sichern.
PJM-CEO David Mills erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme, die Stromnachfrage wachse derzeit schneller als das Angebot, und man arbeite mit Behörden und der Industrie an einer Wiederherstellung des Gleichgewichts. Rechenzentren wurden darin nicht explizit erwähnt – PJM hatte zuvor aber selbst festgestellt, dass diese der am schnellsten wachsende Treiber der Stromnachfrage sind.
Analysten und Verbraucherschützer rechnen unterdessen nicht mit kurzfristiger Entlastung: In stark von PJM versorgten Regionen könnten die Stromrechnungen laut Marktbeobachtern in den kommenden Jahren um 15 bis 20 Dollar pro Monat höher ausfallen als zuvor – mit Aussicht auf spürbare Verbesserung frühestens in den 2030er-Jahren.

