Claude wird wie OpenClaw: „Computer Use“ steuert Maus, Keyboard, Browser und Apps
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Der KI-Anbieter Anthropic weitet die Fähigkeiten seines Chatbots Claude deutlich aus. Mit der neuen Funktion „Computer Use“ (übersetzt einfach „Computernutzung“) kann Claude den Bildschirm eines Nutzers direkt steuern, also klicken, tippen und Anwendungen öffnen, ganz so wie ein Mensch es tun würde. Die Funktion befindet sich derzeit in einer frühen Forschungsvorschau und ist ausschließlich für zahlende Nutzer der Pro- und Max-Tarife verfügbar.
Computer Use wurde bereits 2025 gezeigt, wird nun aber auch ausgerollt. Kenner sehen natürlich, dass die Steuerung von Maus, Tastatur etc. stark an OpenClaw erinnert. Anthropic hat mit Vercept im Februar 2026 sogar ein Startup zugekauft, um „Computer Use“ zu stärken.
Wie die Steuerung funktioniert
Claude greift dabei auf eine klar definierte Reihenfolge zurück, um Aufgaben möglichst effizient zu erledigen. Zunächst nutzt die KI direkte Schnittstellen zu verbundenen Diensten wie Gmail, Google Drive oder Slack. Ist keine solche Verbindung vorhanden, navigiert Claude im Chrome-Browser. Erst wenn auch das nicht möglich ist, übernimmt Claude die direkte Bildschirmsteuerung per Maus und Tastatur.
Technisch funktioniert das über Screenshots: Claude macht fortlaufend Aufnahmen des Bildschirms, um den aktuellen Zustand der Anwendungen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Die Funktion läuft dabei außerhalb einer isolierten Sandbox, also direkt auf dem echten Desktop des Nutzers.
Was Claude damit erledigen kann und was nicht
| Claude kann | Claude darf nicht |
|---|---|
| Wettbewerbsanalysen aus lokalen Dateien und verbundenen Tools zusammenstellen | Aktienhandel oder Investitionstransaktionen durchführen |
| Apps auf dem Smartphone-Simulator testen und UX-Probleme dokumentieren | Sensible persönliche Daten wie Passwörter oder Gesundheitsdaten eingeben |
| Tabellen mit Daten aus mehreren Quellen befüllen und formatieren | Gesichtsbilder sammeln oder scrapen |
| Interne Dashboards oder spezialisierte Tools ohne API-Anbindung bedienen | Auf Banking-, Healthcare- oder Behörden-Apps zugreifen |
| Aufgaben im Hintergrund erledigen, während der Nutzer nicht am Rechner ist | Dateien löschen oder verändern ohne ausdrückliche Genehmigung |
| Anwendungen nach Genehmigung durch den Nutzer öffnen und steuern | Auf Anwendungen zugreifen, die auf der Sperrliste des Nutzers stehen |
Sicherheit und Datenschutz
Anthropic betont, dass Claude vor dem Zugriff auf jede einzelne Anwendung eine ausdrückliche Genehmigung des Nutzers einholt. Investitions- und Kryptoplattformen sind standardmäßig gesperrt. Nutzer können darüber hinaus eine eigene Sperrliste für Anwendungen anlegen, die Claude niemals öffnen darf.
Da Claude zur Bildschirmsteuerung kontinuierlich Screenshots anfertigt, sieht die KI potenziell alle Informationen, die auf dem Bildschirm sichtbar sind, einschließlich persönlicher Dokumente, privater Nachrichten oder vertraulicher Daten. Anthropic empfiehlt daher ausdrücklich, sensible Anwendungen vor der Nutzung zu schließen.
„Computer Use ist eine neue Fähigkeit, und die Bedrohungen, gegen die sie schützen soll, entwickeln sich ständig weiter. Claude macht Fehler, und keine Schutzmaßnahmen sind perfekt.“
Aktuelle Einschränkungen
- Der Desktop des Nutzers muss aktiv und die Claude-Desktop-App geöffnet sein.
- Komplexe mehrstufige Aufgaben können fehlschlagen und einen zweiten Versuch erfordern.
- Die Bildschirmsteuerung ist deutlich langsamer als direkte API-Verbindungen.
- Die Funktion ist derzeit nur unter macOS verfügbar, Windows-Unterstützung ist geplant.
- Team- und Enterprise-Tarife haben vorerst keinen Zugang.
Einordnung
Mit „Computer Use“ folgt Anthropic einem Trend, den auch andere KI-Anbieter verfolgen: KI-Systeme sollen nicht mehr nur Texte generieren, sondern eigenständig handeln und Aufgaben am Computer ausführen. Anthropic selbst bezeichnet die aktuelle Version als frühe Forschungsvorschau und räumt ein, dass die Schutzmaßnahmen noch nicht ausgereift sind. Nutzer werden ausdrücklich dazu aufgefordert, die KI bei ihrer Arbeit zu beobachten und zunächst nur einfache Aufgaben zu delegieren.

