Studie

Digitale Abhängigkeit nimmt zu: Souveränität wird zur Schlüsselstrategie für Österreichs Wirtschaft

Digitale Souveränität in Europa. © Canva
Digitale Souveränität in Europa. © Canva

Österreichs Wirtschaft navigiert durch eine Phase immer weiter wachsender digitaler Abhängigkeit. 77 Prozent der Unternehmen geben an, stark oder eher abhängig von digitalen Technologien zu sein – 43 Prozent erwarten eine weitere Zunahme dieser Abhängigkeit in den kommenden zwölf Monaten. Das zeigt die aktuelle A1 Business Studie 2026 zur digitalen Souveränität, durchgeführt mit dem Marktforschungsinstitut Integral.

KI-Strategien treiben Souveränitätsdebatte

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein: 89 Prozent der befragten Unternehmen sehen digitale Souveränität als entscheidend für ihre Zukunftssicherheit, 68 Prozent für Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Die Studie löst auch politische Reaktionen aus – Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll sehen darin einen klaren Auftrag für die Industriestrategie 2035.

„Digitale Technologien sind längst integraler Bestandteil aller Geschäftsmodelle. Entscheidend ist heute, die eigenen Daten klar zu klassifizieren und auf dieser Basis die passende Infrastruktur zu wählen – von souveränen lokalen Lösungen bis hin zu internationalen Cloud-Services. Nur so können Unternehmen ihre digitale Abhängigkeit aktiv steuern und langfristig absichern“, sagt Martin Resel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von A1.

Die Zahlen belegen den Handlungsdruck: Lediglich 6 Prozent der Unternehmen sind nach eigener Aussage kaum oder gar nicht von digitalen Technologien abhängig. Martin Mayr, Mitglied der Geschäftsführung von Integral, ordnet ein: „Die Ergebnisse zeigen klar: Digitale Souveränität hat sich vom IT-Thema zu einer zentralen Managementfrage entwickelt. Unternehmen verbinden damit ganz konkret ihre Zukunftssicherheit und ihre Wettbewerbsfähigkeit“

Unternehmen setzen auf Europa – aber Hürden bleiben massiv

Zwei Drittel der Unternehmen haben bereits konkrete Strategien zur digitalen Souveränität etabliert oder arbeiten daran: 12 Prozent haben entsprechende Initiativen bereits umgesetzt, 54 Prozent befinden sich in Umsetzung oder Planung. Die Prioritäten sind klar: 64 Prozent setzen auf Kooperationen mit europäischen Anbietern, 54 Prozent auf Open-Source-Lösungen, 39 Prozent auf den Ausbau eigener Kompetenzen. Besonders deutlich wird die Sensibilität beim Thema Cloud: 81 Prozent der Unternehmen nutzen bereits Cloud-Lösungen, doch mehr als die Hälfte äußert Bedenken hinsichtlich Datenschutz, 46 Prozent bei der IT-Sicherheit. Mehr als jedes zweite Unternehmen würde den Anbieter wechseln, wenn Daten außerhalb der EU gespeichert werden.

Die größten Hürden auf dem Weg zu mehr digitaler Souveränität sind personelle Ressourcen (61 Prozent), finanzielle Einschränkungen (55 Prozent) und bestehende Abhängigkeiten von Anbietern – der sogenannte Vendor Lock-in (53 Prozent).

Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer sieht darin eine geopolitische Dimension: „Digitale Souveränität wird zur entscheidenden Standortfrage Europas. Während die USA protektionistischer werden und China massiv in strategische Technologien investiert, darf Europa nicht naiv bleiben. Wer bei Cloud, Daten oder digitaler Infrastruktur vollständig von außereuropäischen Anbietern abhängig ist, riskiert Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit.Deshalb braucht es jetzt mehr europäische Technologiekompetenz, resilientere digitale Infrastruktur und einen echten digitalen Binnenmarkt, der europäische Lösungen stärkt.“

Industriestrategie 2035 als Antwort

„Digitale Souveränität ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern eine Frage der Handlungsfähigkeit. Autarkie ist illusorisch, aber wir müssen in Europa selbstbestimmt agieren können. Dies wird nur möglich sein, wenn wir mehr wechselseitige Abhängigkeiten schaffen und europäische Lösungen forcieren. Wer als Staat und Wirtschaft bei Cloud, Daten und digitaler Infrastruktur vollständig von außereuropäischen Anbietern abhängt, gibt strategische Kontrolle ab“, so Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll.

Im Rahmen der Industriestrategie 2035 verfolgt die Bundesregierung einen gezielten Ausbau europäischer Schlüsseltechnologien, digitaler Infrastruktur sowie der technologischen Wertschöpfung innerhalb Europas. Ziel ist es, zentrale digitale Kompetenzen, Datenverarbeitungskapazitäten und strategisch relevante Technologien stärker in Österreich und Europa zu verankern. Dadurch sollen bestehende Abhängigkeiten reduziert und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gesichert werden.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Bereichen wie Cloud-Infrastruktur, Künstlicher Intelligenz, Halbleitern, Cybersecurity und Datenräumen. Hier soll Europa eigene Kapazitäten ausbauen, Genehmigungs- und Umsetzungsprozesse beschleunigen und gezielt höhere Investitionen mobilisieren.

A1 positioniert sich als Partner für digitale Souveränität mit einem Hybrid-Cloud-Ansatz: Die Kombination aus 12 Rechenzentren in Österreich, der europäischen Open-Source-Plattform Exoscale, der A1 Private Cloud und gezielter Integration internationaler Public-Cloud-Angebote soll Unternehmen Entscheidungsfreiheit geben.

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