Verbreitung

Revolut-Kunden bekommen ab heute ChatGPT Go gratis dazu

Revolut App. © Revolut
Revolut App. © Revolut

Es ist ein mittlerweile etablierter Weg, um schneller an viele Endkonsumenten zu gelangen: Revolut nimmt ChatGPT Go in sein Abo-Paket auf. Das ist innerhalb weniger Monate der dritte KI-Anbieter, der über die Neobank Zugang zu europäischen Endkunden bekommt — und ein Hinweis darauf, wie die Branche ihr Wachstumsproblem außerhalb der USA zu lösen versucht.

Die am 30. Juli angekündigte Partnerschaft mit OpenAI gibt Revolut-Privatkunden je nach Tarif befristeten Gratiszugang zu ChatGPT Go (regulär ca. 8 Euro/Monat), dem günstigsten kostenpflichtigen ChatGPT-Abo: Ultra-Kunden erhalten zwölf Monate plus einen zwölfmonatigen Buddy Pass, Metal ebenfalls zwölf Monate, Premium und Revolut Pro sechs Monate, Plus und Standard drei Monate im Rahmen einer Sonderaktion. Für die kostenpflichtigen Tarife gilt das Angebot ab sofort, Plus und Standard sollen in den kommenden Wochen folgen. ChatGPT Go bietet gegenüber der Gratisversion höhere Nutzungslimits, mehr Datei-Uploads, Dokumentenanalyse, Bildgenerierung und Memory-Funktionen.

Revolut gibt seine Kundenzahl mit mehr als 75 Millionen an, OpenAI beziffert die wöchentliche ChatGPT-Nutzung mit knapp einer Milliarde Menschen. Konditionen des Deals — Umsatzbeteiligungen, Vergütung, Laufzeit — nennen beide Seiten nicht.

Das Muster

Der Vorgang ist kein Einzelfall, sondern folgt einem Schema, das sich im Revolut-Abo mittlerweile dreifach findet. Perplexity ist seit Längerem Teil des Pakets: Im Premium-Tarif ist Perplexity Pro zwölf Monate enthalten, bei Metal und Ultra 24 Monate — im Premium-Tarif allerdings nur für Nutzer, die zuvor noch nie Pro-Kunden waren. Wer den Zugang nicht verlieren will, muss im Perplexity-Konto eine Zahlungsmethode hinterlegen.

Beim schwedischen Vibe-Coding-Anbieter Lovable läuft es ähnlich: Premium-, Metal- und Ultra-Kunden bekommen zwölf Monate Lovable Lite sowie einmalig 100 Credits. Über das Geschäftskundenprodukt Revolut Pro gibt es zunächst sechs Monate Lovable Pro und danach zwölf Monate Lovable Lite, verfügbar in Großbritannien und in jenen EWR-Ländern, in denen Revolut Pro angeboten wird.

Daneben stehen rund ein Dutzend Nicht-KI-Abos aus Medien, Fitness und Lifestyle, darunter Financial Times Premium Digital, WeWork, MasterClass, NordVPN Complete, Headspace, Sleep Cycle, Freeletics, Picsart Pro, The Athletic, ClassPass, Chess.com, Wolt+, Headway Premium und Tinder Gold. Den Gesamtwert aller im Ultra-Tarif enthaltenen Abonnements gibt Revolut mit 4.100 Euro pro Jahr an.

Die Mechanik

Für Anbieter von Consumer-Software ist die Kundenakquise der teuerste Posten. Ein über Suchmaschinen- oder Social-Ads gewonnener Abonnent kostet einiges — mit ungewisser Verweildauer. Ein Bündeldeal verschiebt diese Rechnung: Statt Werbebudget fließt Produktmarge, und zwar nur für Nutzer, die das Angebot tatsächlich aktivieren. Das Produkt erscheint dabei in einer App, die viele Kunden ohnehin regelmäßig öffnen, und richtet sich an eine identitätsgeprüfte, zahlungsfähige Zielgruppe.

Der Rückkanal ist ebenfalls eingebaut. Laut Revoluts eigener Hilfeseite werden Premium-Kunden nach Ablauf des Vorteilszeitraums automatisch in ein kostenpflichtiges ChatGPT-Abo überführt, sofern sie die automatische Verlängerung nicht vorher deaktivieren. Die Gratisphase funktioniert damit als verlängerter Testzeitraum mit Opt-out — dieselbe Logik, die auch Perplexity über die Pflicht zur hinterlegten Zahlungsmethode absichert.

Erprobt ist das Modell außerhalb seit Jahren, vor allem über Telkos. Bharti Airtel etwa stellte seinen rund 360 Millionen Kunden in Indien zwölf Monate Perplexity Pro kostenlos zur Verfügung, der Telekombetreiber Magenta hat mit Perplexity eine ähnliche Partnerschaft in Österreich. Banken und Mobilfunker eignen sich als Partner, weil sie große, verifizierte Nutzerbasen und einen bestehenden Abrechnungskanal mitbringen.

In Europa kommt ein struktureller Faktor hinzu: Kein KI-Anbieter verfügt hier über eine eigene Consumer-Plattform mit vergleichbarer Reichweite, wie sie Google oder Apple in den USA und weltweit haben. Wer europäische Endkunden erreichen will, muss sie über Dritte einkaufen — und Revolut ist einer der wenigen paneuropäischen Kanäle mit zweistelliger Millionen-Nutzerbasis und einer regulatorischen Basis im EWR. Die Revolut Bank UAB ist in Litauen lizenziert und wird von der litauischen Zentralbank sowie der EZB beaufsichtigt.

Was Revolut davon hat

Die Abo-Tarife sind für Revolut eine Erlösquelle mit planbaren wiederkehrenden Umsätzen. Je dichter das enthaltene Leistungspaket, desto höher die Hürde für einen Wechsel zu einem Konkurrenzangebot — die Abos wirken als Bindungsinstrument. Gleichzeitig verschiebt sich damit die Positionierung: Aus einer Bank mit Zusatzleistungen wird ein Distributionskanal.

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