Quartalszahlen

Meta’s massive KI-Ausgaben fressen fast den gesamten Cashflow auf

Mark Zuckerberg, Alexandr Wang (Chief AI Officer of Meta) & Shengjia Zhao (Chief Scientist of Meta Superintelligence Labs). © Meta Platforms
Mark Zuckerberg, Alexandr Wang (Chief AI Officer of Meta) & Shengjia Zhao (Chief Scientist of Meta Superintelligence Labs). © Meta Platforms

Der Facebook-Konzern wächst kräftig – und verdient trotzdem weniger. Im zweiten Quartal 2026 steigen die Kosten fast doppelt so schnell wie die Erlöse, der freie Cashflow bricht um 91 Prozent ein. Mark Zuckerberg verspricht dafür eine Zukunft, in der Milliarden Menschen einen persönlichen KI-Agenten haben. Die Börse ist skeptisch: Die Aktie verlor nachbörslich rund zehn Prozent.

Die Zahlen: Wachstum ja, Gewinn nein

Meta hat im zweiten Quartal 60,8 Milliarden Dollar umgesetzt, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das Werbegeschäft, nach wie vor der Motor des Konzerns, legte um 27 Prozent zu.

Das Problem steht auf der anderen Seite der Bilanz: Die Kosten und Aufwendungen schossen um 55 Prozent auf 42 Milliarden Dollar nach oben – deutlich schneller als der Umsatz. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 18,3 Milliarden Dollar, um 14 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die operative Seite des Geschäfts funktioniert dabei weiterhin: Der operative Cashflow stieg um 25 Prozent auf 31,86 Milliarden Dollar. Nur wird er praktisch vollständig wieder investiert. Die Investitionsausgaben für Server, Rechenzentren und Netzwerkinfrastruktur explodierten um 83 Prozent auf 31,08 Milliarden Dollar. Übrig blieb ein freier Cashflow von 784 Millionen Dollar – nach 8,55 Milliarden im Vorjahresquartal und über 12 Milliarden im Vorquartal. Das ist ein Minus von 91 Prozent.

Finanzchefin Susan Li verkaufte das als Stärke: Der robuste operative Cashflow erlaube es dem Konzern, den Infrastrukturausbau aus eigener Kraft zu finanzieren.

Der Ausblick: bis zu 145 Milliarden Dollar allein 2026

Meta hat die Untergrenze seiner Capex-Prognose für das laufende Jahr von 125 auf 130 Milliarden Dollar angehoben, die Obergrenze liegt bei bis zu 145 Milliarden Dollar. Der Großteil fließt in Rechenzentren. Erst diese Woche kündigte Meta gemeinsam mit BlackRock ein 14 Milliarden Dollar schweres Data-Center-Projekt in El Paso, Texas, an.

Damit reiht sich Meta in ein Feld ein, in dem die großen US-Tech-Konzerne heuer zusammen über 700 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur stecken – über dieses und das kommende Jahr gerechnet werden Schätzungen von rund 1,5 Billionen Dollar genannt. Die Nervosität an den Märkten wächst entsprechend: Bei Google rutschte der freie Cashflow zuletzt erstmals seit Jahrzehnten ins Minus, während Microsoft mit einer unveränderten Investitionsplanung Kurszuwächse einfuhr. Wall Street belohnt derzeit offenbar Zurückhaltung – und Meta liefert das Gegenteil.

Wofür das Geld ausgegeben wird

Zuckerberg argumentiert entlang von drei Zeithorizonten.

Kurzfristig – das Werbegeschäft. KI verbessert laut Meta die Content-Empfehlungen und das Matching von Anzeigen mit Nutzer:innen. Das Plus von 27 Prozent bei den Werbeerlösen ist der Beleg, den der Konzern anführt: Ein Teil der KI-Investitionen zahlt sich bereits heute aus. Zuckerberg sprach davon, dass die Investitionen mittlerweile jeden wesentlichen Teil des Kerngeschäfts beschleunigen.

Mittelfristig – eigene Modelle. Meta hatte im Rennen um Frontier-Modelle gegenüber OpenAI und Google an Boden verloren und 2025 die gesamte KI-Organisation unter dem Dach der Meta Superintelligence Labs neu aufgestellt. Unter KI-Chef Alexandr Wang entstand Muse Spark, das Meta AI antreibt und Text, Bilder und weitere Inputs verarbeitet; inzwischen gibt es Muse Spark 1.1 sowie den Bildgenerator Muse Image, ein Videomodell soll folgen. In Benchmarks zu Coding, Reasoning und Schreiben hinkt Muse Spark der Konkurrenz allerdings weiter hinterher. Für den Herbst ist ein leistungsfähigeres Modell mit dem Codenamen „Watermelon“ angekündigt.

Langfristig – persönliche Agenten. Das ist die eigentliche Wette. Zuckerberg hält es für ausgeschlossen, dass in fünf Jahren nicht Milliarden Menschen einen persönlichen Agenten haben, der ihre Ziele kennt und rund um die Uhr für sie arbeitet – bei Finanzen, Gesundheit, Beziehungen, Haushaltsorganisation. WhatsApp und die anderen Messaging-Oberflächen sollen dabei zur zentralen Schnittstelle werden; schon heute ist WhatsApp die wichtigste Plattform für Meta AI. Die im Quartal global ausgerollten Business-Agents auf WhatsApp und Messenger werden nach Konzernangaben bereits von mehr als einer Million Unternehmen genutzt. Diese Agenten seien, so Zuckerberg, das Fundament für die nächste Produkt- und Umsatzgeneration.

Neue Option: Rechenleistung verkaufen

Anders als Google, Amazon und Microsoft hat Meta kein Cloud-Geschäft, über das sich überschüssige Kapazität monetarisieren ließe. Genau das könnte sich ändern: Zuckerberg brachte den direkten Verkauf von Rechenleistung als mögliches neues Geschäftsfeld ins Spiel – bei gleichzeitig höheren Margen, wenn man statt Compute „Intelligenz“ verkaufe. Konkret im Raum steht ein Deal mit Anthropic, das im Juni Rechenleistung von Meta kaufen wollte; das Volumen könnte bis zu zehn Milliarden Dollar betragen, die Gespräche laufen.

Der Haken an der gesamten Konstruktion ist ein zeitlicher, und Zuckerberg benannte ihn selbst: Zwischen dem Bau der Rechenzentren und ihrem Nutzen liegt eine Vorlaufzeit – Wert entsteht erst, wenn die Anlagen online sind.

Die Altlasten: Reality Labs und Prozesse

Die Metaverse-Sparte Reality Labs bleibt ein Zuschussgeschäft, wenn auch mit Lichtblick: 431 Millionen Dollar Umsatz (plus 16 Prozent), getrieben vor allem von den KI-Smart-Glasses, bei einem Verlust von 4,6 Milliarden Dollar – etwa auf Vorjahresniveau. Kumuliert summieren sich die Verluste der Division seit 2021 auf rund 88 Milliarden Dollar.

Dazu kommen Rechtsrisiken: 2,4 Milliarden Dollar gab Meta im Quartal für Anwaltskosten aus, unter anderem im Zusammenhang mit den Klagen rund um die Suchtwirkung seiner Social-Media-Produkte. Den ersten von neun Musterprozessen verlor der Konzern im März, diesen Monat zog ein 15-jähriger Kläger aus Florida seine Klage zurück.

Die Nutzerbasis wächst derweil unspektakulär, aber stetig: 3,6 Milliarden Menschen nutzen die Meta-App-Familie, ein Plus von drei Prozent.

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