Meinung

„Big Short“-Investor: KI-Konzerne versuchen „künstlich eine Krise erzeugen“

Sam Altman, Dario Amodei, Elon Musk. © WEF / Collage Trending Topics
Sam Altman, Dario Amodei, Elon Musk. © WEF / Collage Trending Topics

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Steve Eisman, der mit seiner Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise 2008 bekannt wurde, hält wenig von den aktuellen Warnungen vor einer KI-Apokalypse. Aus seiner Sicht verfolgen die führenden KI-Unternehmen mit ihren Appellen, die Entwicklung der Technologie zu verlangsamen, ein handfestes wirtschaftliches Interesse. Damit stützt Eisman eine Kritik, die zuletzt lauter wurde: Die gegenwärtige KI-Krise sei zu einem guten Teil durch die Aussagen der CEOs selbst entstanden.

„Sie haben erkannt, dass es rund um ihr Geschäft überhaupt keine Burggräben gibt, und versuchen, künstlich eine Krise zu erzeugen“, sagte Eisman am Donnerstag im Interview mit CNBC. „Das ist es, was meiner Meinung nach gerade passiert.“

Ähnlich sieht es Michael Burry, der zweite prominente Investor aus der „Big Short“-Geschichte. „LLMs sind keine KI und werden keine AGI sein. Es gibt nichts an KI, das man verlangsamen könnte“, schrieb er kürzlich auf X und in seinem Substack „Cassandra Unchained“. Burry argumentiert, dass Open-Source-Modelle und chinesische Konkurrenz die Wettbewerbsvorteile von OpenAI und Anthropic schrumpfen lassen und die Firmen mit echten, unkontrollierbaren Wachstumsproblemen kämpfen. Warnungen nach dem Muster „Wir sind so gut, dass es gefährlich werden könnte“ funktionierten aus seiner Sicht als Marketing vor einigen der größten Börsengänge der Wall-Street-Geschichte, berichtet TheStreet. Burry setzt schon länger auf fallende Kurse bei KI-Aktien und wettete etwa gegen Nvidia und Palantir.

Warnungen aus der Branche selbst

Die Debatte über ein mögliches KI-Untergangsszenario hat in den vergangenen Wochen deutlich an Fahrt aufgenommen. Auslöser war unter anderem der öffentliche Abgang des früheren Anthropic-Forschers Jacob Coxon, der seinen Rücktritt mit Bedenken begründete, dass KI-Hersteller Sicherheitsfragen nicht ernst genug nehmen (Trending Topics berichtete). Kurz darauf forderten auch rund 1.100 Mitarbeiter:innen von OpenAI, Anthropic, Meta und Google eine Verlangsamung der Entwicklung.

Auch an der Spitze der Unternehmen wird dieser Ton angeschlagen. Anthropic-CEO Dario Amodei sprach sich kürzlich dafür aus, das Tempo der KI-Entwicklung zu drosseln, eine Position, der sich OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk anschlossen. Unter Expert:innen ist allerdings umstritten, wie wahrscheinlich ein solches Katastrophenszenario überhaupt ist.

Regulierung als neuer Schutzwall

Eisman sieht hinter den Warnungen eine klare Anreizstruktur. Seine These: Die Unternehmen hätten ein Interesse daran, eine Krise heraufzubeschwören, die zu strengerer Regulierung führt. Diese Regeln ließen sich dann so beeinflussen, dass am Ende ein Duopol entsteht. Die Regulierung würde damit jene Schutzwälle ersetzen, die das Geschäft der KI-Labore früher abgesichert haben.

Einen ähnlichen Effekt beschreibt Serge Nussbaumer, Kapitalmarktexperte beim Schweizer Wertpapierhaus Maverix, in einem Gastkommentar für Trending Topics. „Gleichzeitig können höhere Anforderungen an Sicherheit und Governance den etablierten US-Anbietern zugutekommen, indem sie die Eintrittsbarrieren erhöhen“, schreibt er. Selbst berechtigte Sicherheitsstandards könnten damit industriepolitische und wettbewerbliche Folgen haben. Entscheidend sei, ob solche Standards global gelten oder vor allem westliche Anbieter verteuern und verlangsamen.

Als Grund für diese Nervosität nennt Eisman den wachsenden Wettbewerbsdruck. „Tokenmaxxing ist vorbei“, so der Investor. „Die Open-Weight-Modelle gewinnen große Marktanteile. Ich glaube, diese Unternehmen sind sehr nervös.“ Mit dem Begriff Tokenmaxxing ist die Praxis gemeint, den KI-Einsatz möglichst auszureizen. Eisman steht mit dieser Einschätzung nicht allein da: Auch Citadel Securities hatte zuletzt erklärt, dass die steigenden Kosten für den KI-Trade zu einem Realitätscheck geworden seien.

„Achillesferse“ des KI-Trades

Eisman hat nach eigenen Angaben sein eigenes KI-Engagement zuletzt reduziert. Bereits vor einigen Wochen hatte er OpenAI und Anthropic als „Achillesferse“ des KI-Trades bezeichnet. Das Risiko liege vor allem darin, wie abhängig die gesamte Branche vom Erfolg der beiden führenden KI-Startups sei.

„Sie machen einen so großen Anteil der gesamten Kette aus, dass die Kette wirklich zerfallen würde, wenn einem dieser beiden Unternehmen etwas zustößt“, sagte er. „Von den beiden ist OpenAI das schwächere Unternehmen.“

„Verschiebt euren Börsengang“

Besonders skeptisch äußerte sich Eisman zu den Motiven von Dario Amodei, zumal Anthropic auf einen historischen Börsengang zusteuert. Das Unternehmen hat bereits vertraulich die Unterlagen für einen IPO eingereicht.

„Wenn ihr sagt, wir sollten langsamer werden, weil die Dinge gefährlich sind, dann ist meine Antwort: ‚Wirklich? Dann verschiebt euren Börsengang‘“, so Eisman. „Lasst euren Worten Taten folgen. Spricht irgendjemand davon, Börsengänge oder Kapitalrunden zu verschieben? Ich habe nichts dergleichen gehört.“

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