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Erste AM lanciert ELTIF und ermöglicht Privatmarktanlagen für Privatanleger

Thomas Bobek, Head of Private Markets Funds bei der Erste Asset Management. © Philipp Lipiarski / www.lipiarski.com
Thomas Bobek, Head of Private Markets Funds bei der Erste Asset Management. © Philipp Lipiarski / www.lipiarski.com

Gemeinsam mit der Schweizer Partners Group bringt die Erste Asset Management einen Evergreen-Fonds im ELTIF-Mantel auf den Markt, der Privatanlegerinnen und Privatanlegern mit geringer Mindestanlage breiten Zugang zu den Privatmärkten verschafft – einem Anlagesegment, das bislang fast ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten war.

Wer in Österreich sein Geld anlegen will, landet fast zwangsläufig an der Börse. Aktien, Anleihen, ETFs – das ist das gewohnte Terrain. Doch ein erheblicher Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung findet längst woanders statt: in Unternehmen, die nie an die Börse gehen oder erst sehr spät den Sprung aufs Parkett wagen. 93 Prozent aller europäischen Firmen mit mehr als 100 Millionen Dollar Jahresumsatz sind nicht börsennotiert – und damit für Privatanleger praktisch unerreichbar.

Genau hier setzt eine neue Partnerschaft zwischen der Erste Asset Management und der Schweizer Partners Group an. Mit dem Erste Private Markets Evergreen ELTIF kommt ein Produkt auf den Markt, das niederschwelliges Investieren in verschiedene Private Markets Anlageklassen ermöglichen soll.

Ein ELTIF (European Long-Term Investment Fund) ist ein von der EU reguliertes Fondslabel, das eigens dafür geschaffen wurde, auch Privatanlegern den Zugang zu langfristigen Investments in nicht börsennotierte Unternehmen, Infrastrukturprojekte und andere illiquide Anlageklassen zu ermöglichen.

Ein Markt, der bisher verschlossen war

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Aktuell sind in Europa nur knapp drei Prozent des Anlagekapitals in Private Markets investiert – und das fast ausschließlich von institutionellen Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen. Privatanleger blieben außen vor, weil die Mindestinvestments oft im Millionenbereich lagen, mit langjähriger Kapitalbindung (geschlossene Fonds) verbunden und die Strukturen komplex waren.

„Wir haben eine lange Historie in den Private Markets, etwa mit dem Private Equity Dachfonds. Jetzt verbreitern wir das Angebot und ermöglichen niederschwelliges Investieren in die Asset-Klasse“, sagt Thomas Bobek, Head of Private Markets Funds bei der Erste Asset Management. Die Wahl des Partners war für ihn naheliegend: „Die Partners Group hat den Evergreen Fonds für Private Markets erfunden. Deswegen sind sie der ideale Partner für uns.“

Was steckt drin?

Der Fonds setzt auf eine breite Streuung über mehrere Anlageklassen. Den Löwenanteil bildet mit rund 70 Prozent Private Equity, also Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Hinzu kommen etwa 10 Prozent Infrastruktur, jeweils rund 5 Prozent Private Credit und Royalties (darunter Lizenzeinnahmen aus dem Musikkatalog von Warner Bros.) sowie eine Liquiditätskomponente von 10 Prozent, die regelmäßige Aus- und Einstiege ermöglicht.

Geografisch verteilt sich das Portfolio auf Europa (50 Prozent), die USA (40 Prozent) und Asien (10 Prozent). Zum Start werden 20 bis 30 Unternehmen im ELTIF enthalten sein. Die Erste Asset Management entscheidet bei der Gewichtung des Fonds mit, die Auswahl der einzelnen Assets liegt jedoch bei der Partners Group.

Ein konkretes Beispiel aus dem Portfolio ist Velvet Care aus Polen, ein Hersteller von Hygienepapieren. Nach der Übernahme durch die Partners Group wurde ein White-Labelling-Geschäft aufgebaut und eine neue Produktionsstätte nahe der deutschen Grenze errichtet – ein typischer Fall, in dem Private-Equity-Investoren ein Unternehmen aktiv weiterentwickeln, statt es nur zu halten.

Für Musikliebhaber: Lizenzeinnahmen für den Fonds kommen etwa von Songs von The Weeknd, Fleetwood Mac, Rihanna, Bruno Mars, Justin Bieber oder Britney Spears.

Warum Private Equity? Drei strukturelle Vorteile

Markus Pimpl, Managing Director der Partners Group, nennt drei Gründe, warum Private Equity langfristig oft besser performt als börsennotierte Aktien:

Erstens den Informationsvorsprung: „PE-Investoren sind legale Insider.“ Anders als am Retail-Markt, wo oft nach Marken oder Schlagzeilen investiert wird, kennen Private-Equity-Häuser die Unternehmen in- und auswendig – inklusive Zahlen, die nie veröffentlicht werden.

Zweitens die Kontrolle: Als Mehrheitseigentümer kann die Partners Group Entscheidungen aktiv steuern und – wenn nötig – auch das Management auswechseln. Bei börsennotierten Aktien bleibt einem als Kleinaktionär nur das Daumen-drücken.

Drittens der Zeitfaktor: „PE ist nicht den Marktzyklen und dem täglichen Sentiment unterworfen.“ Während Börsenkurse oft auf jede Nachricht und unter Umständen sogar Social-Media-Postings von politischen Entscheidungsträgern reagieren, können private Beteiligungen ungestört über Jahre hinweg entwickelt werden. Pimpls Fazit: „Mit Spekulationen kann man im privaten Markt kein Geld verdienen, man muss die Unternehmen aktiv entwickeln.“

Markus Pimpl, Managing Director der Partners Group. © Philipp Lipiarski / www.lipiarski.com
Markus Pimpl, Managing Director der Partners Group. © Philipp Lipiarski / www.lipiarski.com

Die Börse verliert an Bedeutung

Dass Private Markets überhaupt so groß geworden sind, hat strukturelle Gründe. Seit der Finanzkrise sind Börsengänge deutlich schwieriger geworden, Unternehmen gehen später aufs Parkett – wenn überhaupt. Zwei Drittel der börsengelisteten Firmen schreiben im Zeitpunkt der Börsennotierung Verluste. Gleichzeitig hat etwa der deutsche Mittelstand ein massives Nachfolgeproblem: Wo kein familieninterner Nachfolger bereitsteht, sind Private-Equity-Häuser immer öfter die Käufer.

Das Resultat: Ein wachsender Teil der echten Wirtschaft spielt sich abseits der Börse ab. „Private Equity liefert deutlich höhere Erträge als gelistete Unternehmen, wenn man sie über einen längeren Zeitraum betrachtet“, sagt Bobek.

Genau darin sieht auch Thomas Kraus, Geschäftsführer der Erste Asset Management, den entscheidenden Mehrwert für Anlegerinnen und Anleger: „Private Equity liefert gerade in schlechten Aktienjahren oft attraktive Returns. Damit lässt sich das Gesamtportfolio deutlich stabilisieren – und genau das ist es, was viele Privatanleger bisher vermisst haben.“ Hinzu kommt: Exits finden längst nicht nur über die Börse statt – verkauft werden kann auch an strategische Käufer oder andere Fonds.

Thomas Kraus, Geschäftsführer der Erste Asset Management. © Philipp Lipiarski / www.lipiarski.com
Thomas Kraus, Geschäftsführer der Erste Asset Management. © Philipp Lipiarski / www.lipiarski.com

Der Preis: Geduld

Ganz ohne Trade-off geht es freilich nicht. „Man verzichtet als Anleger auf tägliche Handelbarkeit, die wir aus den öffentlichen Märkten kennen“, räumt Bobek ein. Der ELTIF ist explizit als langfristiges Investment mit einem Horizont von zehn Jahren oder mehr konzipiert. Einstiege sind zwar monatlich möglich, Ausstiege aber nur quartalsweise – und auch das unterliegt gewissen Beschränkungen.

Monatlich gibt es zudem ein Reporting inklusive aktualisierter Bewertungen der Assets. Die Gebührenstruktur entspricht in etwa der eines aktiv gemanagten Fonds.

Von Private Banking bis zur George App

Der Vertrieb startet zunächst über das Private Banking der Erste Bank, soll später aber sukzessive ausgeweitet werden – zuerst in die Filialberatung, schließlich auch direkt in die George App. Damit wäre Private Equity erstmals nur ein paar Klicks entfernt.

Ob Privatanlegerinnen und Privatanleger die nötige Geduld aufbringen, die diese Anlageklasse verlangt, wird sich zeigen. Die Logik dahinter ist jedenfalls klar: Wer am wirtschaftlichen Erfolg jener Unternehmen teilhaben will, die abseits des Börsenrampenlichts wachsen, hat dazu künftig auch mit kleinerem Budget die Möglichkeit.

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