Aufruf

Wärmepumpen-Lobby will chinesische Fabriken nach Europa holen

Wärmepumpe von Aira © Aira
Wärmepumpe von Aira © Aira

Der Chef des europäischen Wärmepumpenverbands EHPA fordert von chinesischen Konzernen Produktion, Investitionen und Personal in Europa – und warnt zugleich vor Trump-artigen Handelsbarrieren.

Noch ist der europäische Wärmepumpenmarkt fest in europäischer Hand – anders als etwa bei Klimageräten. Rund zehn Prozent der in Europa installierten Wärmepumpen kommen laut einer Erhebung des Branchenverbands EHPA unter seinen Mitgliedern aus China, mehr als 80 Prozent werden in Europa selbst montiert. Bei Monoblock-Geräten liegt der in Europa gefertigte Anteil bei über 80 Prozent, bei Inneneinheiten sogar bei mehr als 90 Prozent; nur bei Außeneinheiten sinkt der Wert auf etwa die Hälfte.

Zum Vergleich: Bei Klimaanlagen kommen die drei chinesischen Konzerne Haier, Gree und Midea laut Euromonitor zusammen bereits auf rund 32 Prozent des europäischen Marktes nach Absatzvolumen – keine der fünf meistverkauften Klimagerätemarken in Europa ist in EU-Besitz. Der Wärmepumpenmarkt selbst wächst wieder: 2025 wurden in 21 europäischen Ländern rund 2,9 Millionen Geräte verkauft, ein Plus von 13 Prozent, der Gesamtbestand liegt bei rund 29,3 Millionen Anlagen.

Genau dieses Kräfteverhältnis will Paul Kenny, Director General der European Heat Pump Association (EHPA), erhalten wissen – ohne dass daraus ein Handelskonflikt wird. In seiner Keynote beim China Heat Pump Forum am 30. Juli formuliert er einen klaren Deal-Vorschlag an die chinesische Branche.

„Produziert in Europa, investiert in Europa“

Kennys zentrale Forderung an chinesische Wärmepumpen-Hersteller ist Lokalisierung: Sie sollen mit europäischen Unternehmen kooperieren, in Europa fertigen und in Europa investieren. Das sei exakt das, was China seinerseits von europäischen Firmen verlange: „Wir haben von euch gelernt“, sagt Kenny in Richtung der Gastgeber.

Als Vorbild nennt er ausgerechnet chinesische Konzerne selbst. Midea unterhalte eine Europazentrale in Deutschland, fertige in Europa, bilde dort Installateure aus und sei in europäischen Branchenverbänden aktiv. Auch Haier mache das „sehr erfolgreich“. Marken wie Panasonic, Mitsubishi oder Daikin hätten es vorgemacht: Werke in Europa, lokale Jobs, breite Akzeptanz.

Der Grund dafür liegt laut Kenny in der Natur des Produkts: „Eine Wärmepumpe ist kein Smartphone.“ Sie müsse mit Fachberatung ausgewählt, korrekt installiert und gewartet werden und halte bei sachgemäßem Einsatz 20 Jahre und länger. Ohne lokale Marktkenntnis und lokales Personal komme man in Europa nicht weit – „egal wie gut und wie leistbar euer Produkt ist“.

Konkret ruft Kenny chinesische Anbieter auf, der EHPA und den nationalen Verbänden beizutreten, das Marktwachstum mitzutragen und Installateure zu schulen.

Industrial Accelerator Act als „anders geformte Tür“

Politischer Hintergrund ist der von der EU-Kommission vorgeschlagene Industrial Accelerator Act. Er soll sicherstellen, dass europäische Subventionen für Clean Tech auch in Europa reinvestiert werden. Für Wärmepumpen bedeutet das laut Kenny: Geförderte Geräte müssen „europäischen Ursprungs“ sein – mindestens 45 Prozent des Werts des fertigen Produkts beim Verlassen der Fabrik müssen zur europäischen Wirtschaft beitragen.

China solle das nicht als neue Mauer verstehen, sondern als „anders geformte Tür“ in den europäischen Markt, so Kenny. Und: Europäische Gesetzgeber würden weitere solcher Türen einziehen, solange sie die eigene Industrie durch als unfair empfundenen Wettbewerb bedroht sehen. Der Schlüssel dazu sei Kooperation – im Eigeninteresse der chinesischen Firmen, um weitere Handelsbeschränkungen zu verhindern.

Warnung vor „Trump-Style“-Zöllen

Zugleich grenzt sich Kenny scharf von protektionistischen Positionen ab. Populistische und rechtsextreme Politiker würden reale Ängste über geschlossene Fabriken und Jobverluste aufgreifen und pauschal China anlasten – und daraus die Erzählung stricken, Unterstützung für Clean Tech und Erneuerbare sei antieuropäisch und unpatriotisch. Das schade der Wärmepumpen-Branche und beruhe auf Lügen, sagt Kenny. Strengere Handelsregeln zum Schutz europäischer Jobs hält er für fair und vernünftig; die von rechtspopulistischen Kräften geforderten Handelsbarrieren nach Trump-Vorbild seien dagegen „ganz klar eine schreckliche Idee“.

Kenny verweist dabei auf den europäischen Nutzen chinesischer Innovation: Wettbewerbsfähige Technologien wie Autobatterien gebe es auch deshalb, weil chinesische Nachfrage die nötige Skalierung geschaffen habe. Als Gegenbeispiele nennt er Schiffbau und Solar – Industrien, die Europa einst dominierte und die nach China abgewandert sind. Diese Erfahrung, so Kenny, erzeuge in Europa Angst.

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