GameStop will eBay für 56 Milliarden Dollar kaufen, Finanzierung aber unklar
Der Videospielhändler GameStop hat ein unverbindliches Übernahmeangebot für die Online-Handelsplattform eBay vorgelegt. Das Angebot beläuft sich auf 125 US-Dollar je Aktie, was einem Gesamtwert von rund 55,5 Milliarden Dollar entspricht. Die Offerte setzt sich je zur Hälfte aus Bargeld und GameStop-Aktien zusammen.
Das Gebot entspricht einem Aufschlag von 46 Prozent auf den Schlusskurs von eBay vom 4. Februar 2026, dem Tag, an dem GameStop begann, eine Position in eBay aufzubauen. Gemessen am 30-Tage-Durchschnittskurs beträgt die Prämie 27 Prozent, gemessen am 90-Tage-Durchschnitt 36 Prozent. GameStop hält bereits einen wirtschaftlichen Anteil von rund fünf Prozent an eBay, aufgebaut über Derivate und direkte Aktienbeteiligungen.
Die Finanzierung soll aus zwei Quellen gespeist werden: einerseits aus dem Barvermögen von GameStop, das zum 31. Januar 2026 rund 9,4 Milliarden Dollar betrug, andererseits aus einer Fremdfinanzierung. Die kanadische TD Securities hat GameStop eine sogenannte Highly-Confident-Letter für einen Kredit von bis zu 20 Milliarden Dollar ausgestellt. Wie der verbleibende Teil der Kaufsumme finanziert werden soll, blieb zunächst offen.
Cohens Strategie: Kosten senken, Amazon herausfordern
GameStop-Chef Ryan Cohen begründet die geplante Übernahme mit dem Ziel, einen deutlich stärkeren Konkurrenten für Amazon aufzubauen. Im Zentrum seiner Strategie stehen massive Kostensenkungen bei eBay. GameStop kündigt an, innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss der Transaktion jährliche Einsparungen von zwei Milliarden Dollar zu erzielen.
- Rund 1,2 Milliarden Dollar sollen im Bereich Marketing eingespart werden. eBay gab im Geschäftsjahr 2025 insgesamt 2,4 Milliarden Dollar für Vertrieb und Marketing aus, gewann dabei aber netto lediglich eine Million neue aktive Käufer hinzu.
- Rund 300 Millionen Dollar sollen bei der Produktentwicklung eingespart werden, deren Kosten 2025 um elf Prozent stiegen, während der Umsatz nur um acht Prozent wuchs.
- Rund 500 Millionen Dollar sollen durch die Zusammenlegung von Verwaltungsfunktionen wie Finanzen, Personal, IT und Recht erzielt werden.
Darüber hinaus sieht Cohen in den rund 1.600 GameStop-Filialen in den USA einen strategischen Vorteil für eBay: Die Standorte könnten als nationales Netzwerk für Echtheitsprüfung, Wareneingang, Versandabwicklung und Live-Commerce genutzt werden.
Vom Meme-Aktien-Phänomen zum Übernahmebieter
GameStop erlangte zu Beginn der Corona-Pandemie weltweite Bekanntheit, als die Aktie des damals angeschlagenen Videospielhändlers durch koordinierte Käufe von Kleinanlegern, vor allem aus der Reddit-Community „WallStreetBets“, in schwindelerregende Höhen getrieben wurde. Professionelle Leerverkäufer, die auf einen Kursverfall gewettet hatten, erlitten dabei massive Verluste. Das Ereignis gilt als eines der bekanntesten Beispiele für den Einfluss von Social-Media-Gemeinschaften auf die Finanzmärkte.
Ryan Cohen hatte 2020 eine bedeutende Beteiligung an GameStop aufgebaut und das Management öffentlich für seine zögerliche Digitalisierung kritisiert. 2023 übernahm er den Chefposten. Seitdem wandelte er das Unternehmen grundlegend um: Viele Filialen wurden geschlossen, der Fokus verschob sich auf Sammelkarten und Retro-Spielekonsolen. Das Ergebnis verbesserte sich von einem Nettoverlust von 381 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2021 auf einen Nettogewinn von 418 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2025. Die Verwaltungskosten sanken in diesem Zeitraum um rund 800 Millionen Dollar.
Cohen hält selbst rund neun Prozent der GameStop-Aktien und verzichtet nach eigenen Angaben auf Gehalt, Boni und Abfindungsregelungen. Seine Vergütung soll ausschließlich an der Wertentwicklung des kombinierten Unternehmens gemessen werden. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Transaktion plant er, das fusionierte Unternehmen als Vorstandsvorsitzender zu führen.
eBay bislang ohne Stellungnahme
eBay versucht derzeit ebenfalls, sich stärker auf margenstarke Kategorien wie Sammelartikel, Autoteile und gebrauchte Modeartikel zu konzentrieren. Unter Firmenchef Jamie Iannone setzt das Unternehmen zudem verstärkt auf Künstliche Intelligenz, um das Einkaufserlebnis auf der Plattform zu verbessern. Eine offizielle Reaktion auf das Übernahmeangebot von GameStop blieb zunächst aus.


