Schweiz

Herbert Ventures: Neuer Startup-Fonds mit 32 Mio. Euro holt „Claude“ als ersten Mitarbeiter

Luis Huber & Ben Simon, Founding Partners, Herbert Ventures. © Herbert Ventures
Luis Huber & Ben Simon, Founding Partners, Herbert Ventures. © Herbert Ventures

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Mit einem Fondsvolumen von 30 Millionen Schweizer Franken (ca. 32 Mio. Euro) und einer ungewöhnlichen Investmentstrategie betritt Herbert Ventures den europäischen Venture-Capital-Markt. Der Züricher Fonds richtet sich an außergewöhnliche Gründerinnen und Gründer in der Pre-Seed- und Seed-Phase und macht dabei vieles anders als die Konkurrenz.

Ein Österreicher in Zürich: Luis Huber als Mitgründer

Hinter Herbert Ventures stehen zwei Partner mit komplementären Profilen. Neben Ben Simon, Forbes-30-Under-30-Preisträger und Mitgründer des ETH-Spin-offs VAY, bringt Luis Huber institutionelle Venture-Capital-Erfahrung in den Fonds ein. Der Österreicher studierte Informatik und Psychologie in Wien und war zuletzt Senior Partner bei QBIT Capital, einem Schweizer Fonds mit Fokus auf Universitäts-Spin-offs. Heute ist Huber zwischen Zürich und Madrid tätig.

Dass der Fonds den Namen „Herbert“ trägt, ist kein Zufall. Huber erklärt die Herkunft des Namens so:

„Herbert kommt von Herbert Spencer, der den Begriff ‚Survival of the Fittest‘ geprägt hat, nachdem er Darwins ‚Origin of Species‘ gelesen hatte. Das trifft auch auf unser No-Follow-on-Prinzip zu. Seine Initialen HS sind zugleich unsere Nachnamen Huber und Simon. Und man sollte sich nie zu ernst nehmen: Herbert klingt einfach lustig.“

Die Single-Shot-Strategie: Einmal investieren, voll unterstützen

Das auffälligste strukturelle Merkmal von Herbert Ventures ist der bewusste Verzicht auf Follow-on-Investitionen. Der Fonds investiert genau einmal in ein Unternehmen und reserviert kein Kapital für spätere Folgerunden. Dieses Prinzip hat einen klaren Hintergedanken: Es eliminiert den sogenannten Sunk-Cost-Bias.

Klassische Fonds, die Kapital für Folgeinvestitionen zurückhalten, stehen vor einem strukturellen Interessenkonflikt. Sie müssen entscheiden, ob eine Folgerunde wirklich sinnvoll ist oder ob sie nur deshalb mitgehen, weil sie bereits investiert haben. Herbert Ventures umgeht dieses Problem vollständig. Nach dem Erstinvestment gibt es nur noch ein Ziel: das Portfolio-Unternehmen dabei zu unterstützen, die nächste Stufe zu erreichen.

Der Fonds plant rund 30 Investments im Pre-Seed- und Seed-Bereich, mit einem geografischen Schwerpunkt auf der DACH-Region. Weitere Strukturmerkmale unterstreichen den Anspruch auf Alignment zwischen Fondsmanagement und Investoren:

  • Substanzieller GP-Eigenbeitrag (GP Commitment)
  • Hurdle Rate von 8 Prozent zugunsten der LPs
  • Konsistentes, ungefiltertes Reporting an alle Investoren

Fokus auf Teams, nicht auf Themen

Herbert Ventures versteht sich ausdrücklich als industrie-agnostischer Fonds. Thematisches Investieren und kurzfristige Hype-Zyklen werden bewusst gemieden. Im Mittelpunkt steht die Qualität der Gründerinnen und Gründer, nicht die Branche oder der Trend, dem sie folgen.

Vor dem Fondsstart führten die Partner über 80 strukturierte Interviews mit Gründern, exited Entrepreneurs, LPs und Angel-Investoren. Das Ergebnis war eindeutig: Frühphasenfonds scheitern häufig an mangelnder Geschwindigkeit, fehlender Transparenz und unzureichender operativer Unterstützung. Herbert ist als direkte Antwort auf diese Lücke konzipiert.

Lediglich zwei Bereiche schließt der Fonds grundsätzlich aus:

  • BioTech
  • MedTech und Life Sciences

Das erste Portfolio-Investment unterstreicht diese Offenheit: DroidRun, ein deutsches Pre-Seed-Unternehmen, das eine MCP-Orchestrierungsschicht (Model Context Protocol) für KI-Agenten in mobilen Anwendungen entwickelt. Die Runde wurde von Merantix angeführt, DroidRun wurde zudem als „Newcomer of the Year“ bei den German Startup Awards nominiert.

„Wir wissen nicht genau, wie die nächsten fünf Jahre aussehen werden, und das weiß auch niemand sonst. Genau deshalb fokussieren wir uns auf Menschen. Großartige Gründer passen sich an und finden Lösungen, egal was der Markt macht.“ Ben Simon

Der erste „Mitarbeiter“: Claude von Anthropic

Herbert Ventures denkt auch beim Fondsmanagement selbst unkonventionell. Als ersten „Mitarbeiter“ hat das Team Claude, das KI-Modell von Anthropic, eingestellt. Huber beschreibt ihn mit einem Augenzwinkern als „fleißig, gehorsam und leicht zu instruieren, manchmal gehen ihm die Tokens aus, aber ansonsten ziemlich nützlich.“

Hinter dem Humor steckt eine ernsthafte operative Strategie. Der Fonds hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Tools implementiert, um interne Abläufe zu automatisieren und zu optimieren:

  • Fyxer für E-Mails und Call-Zusammenfassungen
  • Calendly für die Terminplanung
  • Attio als CRM-System
  • Whisper Flow zum Diktieren von E-Mails und Notizen
  • Heyreach für LinkedIn-Outreach
  • Infinity für die Buchhaltung

Den größten Fortschritt erzielte das Team durch den systematischen Einsatz von Claude Cowork (by Anthropic). Konkrete Anwendungsfälle umfassen die regelmäßige Datenbereinigung von Startup- und VC-Datenbanken, maßgeschneiderte wöchentliche Newsletter zur Watch-List, sowie die automatisierte Vorauswahl von Startups im Due-Diligence-Prozess. Die Strategie dahinter ist klar: einen sinnvollen Workflow identifizieren, verschiedene Tools testen, deployen und kontinuierlich optimieren.

Struktur und Ausblick

Herbert Ventures wird über die HS Capital AG in Zürich verwaltet und ist als luxemburgische SCSP strukturiert. Der Fonds hat seinen ersten Close in Q1 2026 abgeschlossen. Die LP-Basis besteht aus exited Founders sowie Family Offices aus Österreich, Deutschland und Spanien.

Mit seiner Kombination aus klarer Investmentphilosophie, struktureller Disziplin und KI-nativer Betriebsführung positioniert sich Herbert Ventures als ein Fonds, der die Regeln des frühen Venture-Capital-Markts nicht nur kennt, sondern bewusst neu schreibt.

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