Code

KI-Tool von Anthropic löst Kurseinbruch bei IBM wegen COBOL aus

IBM Computer. © National Cancer Institute auf Unsplash
IBM Computer. © National Cancer Institute auf Unsplash

Zuerst waren es SaaS-Aktien, dann die Papiere von Cybersecurity-Firmen, und jetzt gerät „Big Blue“ ins Fadenkreuz: Die Aktie von IBM verzeichnete am Montag den stärksten Tagesverlust seit über 25 Jahren. Auslöser war die Ankündigung des KI-Start-ups Anthropic, dass sein Tool „Claude Code“ die Modernisierung von COBOL-Systemen erheblich vereinfachen könne. Der Kurs brach um 13,2 Prozent ein, der höchste Rückgang seit Oktober 2000. Investoren befürchten, dass künstliche Intelligenz das traditionelle Mainframe-Geschäft von IBM grundlegend verändern könnte.

Wie berichtet, war zuletzt am Markt zu beobachten, dass SaaS-Aktien durch die Veröffentlichung von Claude Cowork unter Druck gerieten, dann hat Claude Code Security für einen Schock bei Cybersecurity-Aktien gesorgt.

Was ist COBOL und wo wird es eingesetzt?

COBOL (Common Business-Oriented Language) ist eine Programmiersprache, die in den späten 1950er Jahren entwickelt wurde. Trotz ihres Alters läuft sie noch heute auf zahllosen Systemen weltweit. Nach Schätzungen werden 95 Prozent aller Geldautomaten-Transaktionen in den USA über COBOL abgewickelt. Hunderte Milliarden Zeilen COBOL-Code sind täglich in Produktion und steuern geschäftskritische Systeme in Banken, Versicherungen, Fluggesellschaften und Behörden.

Die Sprache läuft hauptsächlich auf Großrechnern (Mainframes), von denen ein Großteil von IBM stammt. Diese leistungsstarken Serversysteme sind besonders in regulierten Branchen gefragt, wo Zuverlässigkeit und Stabilität oberste Priorität haben. Das Problem: Die Entwickler, die diese Systeme aufgebaut haben, sind längst in Rente, und COBOL wird nur noch an wenigen Universitäten gelehrt. Die Zahl der Fachkräfte, die den Code verstehen und warten können, schrumpft kontinuierlich.

Anthropics Ankündigung und ihre Auswirkungen

In einem Blogbeitrag erklärte Anthropic, dass „Claude Code“ Unternehmen dabei unterstützen könne, COBOL-Systeme zu modernisieren. Das Tool könne Aufgaben automatisieren, die bisher den Großteil des Aufwands ausmachten:

  • Kartierung von Abhängigkeiten über Tausende Zeilen Code hinweg
  • Dokumentation von Arbeitsabläufen, an die sich niemand mehr erinnert
  • Identifikation von Risiken, für die menschliche Analysten Monate benötigen würden
  • Bereitstellung detaillierter Einblicke für fundierte Entscheidungen

„Die Modernisierung eines COBOL-Systems erforderte früher Heerscharen von Beratern, die jahrelang Arbeitsabläufe kartierten. Mit KI können Teams ihren COBOL-Codebestand in Quartalen statt in Jahren modernisieren.“

Diese Aussage traf IBM an einer empfindlichen Stelle. Das Mainframe-Geschäft ist ein wesentlicher Umsatzpfeiler des Konzerns. Wenn KI-Tools die Migration von COBOL-Systemen vereinfachen, könnte dies die Nachfrage nach IBM-Mainframes langfristig beeinträchtigen.

Breitere Auswirkungen auf die Software-Branche

Der Kurseinbruch bei IBM ist Teil einer größeren Entwicklung. Software-Aktien stehen seit Jahresbeginn generell unter Druck. Ein bedeutender Software-ETF (IGV) liegt 27 Prozent im Minus und steuert auf den stärksten Quartalsverlust seit der Finanzkrise 2008 zu.

Auch Cybersecurity-Unternehmen wie CrowdStrike (minus 9,85 Prozent) und Datadog (minus 11,28 Prozent) gerieten am Montag unter Verkaufsdruck, nachdem Anthropic eine neue Sicherheitsfunktion für sein Claude-KI-Modell vorgestellt hatte.

Investoren sorgen sich zunehmend um das sogenannte „Vibe Coding“, also die Möglichkeit, mithilfe von KI eigenständig Softwarecode zu generieren. Die Befürchtung: Wenn Anwender ihre Anwendungen zunehmend selbst erstellen können, sinkt die Nachfrage nach etablierten Softwareprodukten.

IBM setzt selbst auf KI-gestützte Modernisierung

Die Idee, COBOL mithilfe moderner KI-Tools zugänglicher zu machen, ist nicht neu. IBM selbst brachte bereits 2023 ein KI-gestütztes Werkzeug auf den Markt, das COBOL-Code analysiert und unter anderem in die Programmiersprache Java überführen kann.

IBM-CEO Arvind Krishna betonte im Juli 2025, der KI-Coding-Assistent für Mainframes habe „eine sehr breite Akzeptanz gefunden“. In der Mehrzahl der Fälle nutzten Kunden das Tool, um ihre COBOL-Codebasis besser zu verstehen und zu entscheiden, was modernisiert werden solle.

Ob die Marktreaktion gerechtfertigt ist, wird sich zeigen. IBM hat im Februar insgesamt 27 Prozent an Wert verloren und steuert auf den stärksten Monatsrückgang seit mindestens 1968 zu. Während Investoren kurzfristig auf Disruptionsrisiken reagieren, setzt IBM strategisch selbst auf KI-Integration im Mainframe-Umfeld.

Die zentrale Frage bleibt: Werden Kunden ihre bewährten COBOL-Systeme tatsächlich migrieren, nur weil es technisch einfacher wird?

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