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Klarna rüstet seine Abos auf, um Kreditkarten den Rang abzulaufen

Klarna Cards. © Klarna
Klarna Cards. © Klarna

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Klarna geht im Wettbewerb um zahlende Stammkund:innen einen Schritt weiter, den Revolut seit Jahren vormacht: Das schwedische Fintech, seit dem Börsengang an der New York Stock Exchange als KLAR notiert, hat kürzlich das nach eigenen Angaben größte Upgrade seines Membership-Programms vorgestellt. Vier kostenpflichtige Stufen bündeln künftig Cashback, Versicherungen, Reisevorteile und bis zu 21 digitale Abonnements – beworben mit einem Gegenwert von bis zu 6.000 Euro pro Jahr. Ausgerollt wird das Angebot in den kommenden Wochen unter anderem in Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Belgien, Großbritannien und den nordischen Märkten.

Vier Stufen, von 4,99 bis 44,99 Euro im Monat

Die Einstiegsstufe heißt künftig Everywhere (bisher Core) und kostet 4,99 Euro pro Monat. Sie erlaubt es, „später bezahlen“ ohne Servicegebühren überall dort zu nutzen, wo Visa akzeptiert wird – vorbehaltlich Kreditprüfung. Bei Partnerhändlern bleibt die Ratenzahlung wie bisher auch ohne Abo kostenlos.

Darüber liegen Plus (9,99 Euro), Premium (19,99 Euro) und Max (44,99 Euro). Mit steigender Stufe wächst das Paket: 0,5, 1,0 beziehungsweise 1,5 Prozent Cashback auf alle Zahlungen mit Klarna, dazu ein zwei- bis vierfacher Multiplikator beim Partner-Cashback in der App, Zinsaufschläge von 0,1 bis 0,5 Prozentpunkten auf Guthaben, Metallkarten in Silber und Roségold, Reise- und Mietwagenversicherungen, Lounge-Zugang sowie in der Top-Stufe eine „Cancel for any reason“-Absicherung, die 70 Prozent nicht erstattungsfähiger Reise- und Ticketkosten zurückgibt.

Gesammeltes Cashback lässt sich in Vielflieger- und Hotelprogramme übertragen, darunter Flying Blue, Turkish Airlines Miles&Smiles, ALL Accor und IHG One Rewards. Bei den Abos ergänzen NordVPN und der Mikromobilitäts-Anbieter Voi das bestehende Bündel aus ClassPass, Headspace, The New York Times, Storytel, Blinkist, Picsart, Clue und mehreren Condé-Nast-Titeln.

„Das ist die Demokratisierung von Banking-Vorteilen. Niemand sollte sich für ein Jahr binden und eine Kreditkarte abschließen müssen, um Cashback und Premium-Vorteile zu erhalten“, sagt Klarna-CEO und Mitgründer Sebastian Siemiatkowski. Die Membership lasse sich monatlich hoch- und wieder herunterstufen, ohne Jahresbindung und Strafgebühren.

Das Modell kennt man von Revolut

Die Mechanik ist im europäischen Fintech-Markt nicht neu. Revolut staffelt seine Konten seit Jahren nach demselben Prinzip: In Österreich reicht die Palette vom kostenlosen Standard-Konto über Plus, Premium und Metal bis zur Top-Stufe Ultra, die mit 60 Euro pro Monat zu Buche schlägt. Auch dort sind Abos das zentrale Verkaufsargument: Ultra-Kund:innen erhalten unter anderem Financial Times Premium, NordVPN, ClassPass, WeWork-Credits, eSIM-Datenvolumen und unbegrenzten Lounge-Zugang. Und auch Revolut wirbt mit großen Zahlen – für die höheren Stufen mit Jahreswerten von mehreren tausend bis über 10.000 Euro.

Wie solche Beträge zustande kommen, ist die eigentlich interessante Frage. Revolut erklärt in den Fußnoten, dass man die Listenpreise der fixen Vorteile addiere und jene Gebühren dazurechne, die sich Kund:innen gegenüber dem Gratis-Konto ersparen – berechnet auf Basis durchschnittlicher Nutzung.

Woraus sich die 6.000 Euro rechnen

Klarna geht auf Nachfrage ähnlich vor. „Der genannte Gegenwert von bis zu 6.000 Euro pro Jahr setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: dem Wert der gebündelten Abonnements, Cashback-Vorteilen sowie Zinsen auf Guthaben“, heißt es von einem Unternehmenssprecher.

Und weiter: „Bei den Abonnements kann Klarna für das gesamte Membership-Programm andere Konditionen verhandeln, als Verbraucher:innen sie individuell erhalten würden. Cashback und Zinsen werden überwiegend von Klarna selbst getragen. Zusätzlich fließt die jeweilige Membership Gebühr in das Modell ein.“

Der beworbene Maximalwert ist damit kein Betrag, den eine durchschnittliche Kundin realistisch abschöpft, sondern eine Obergrenze, die nur erreicht, wer einen großen Teil der enthaltenen Abos ohnehin nutzen würde und entsprechend viel über Klarna umsetzt. Für alle anderen bleibt die Rechnung eine Frage der eigenen Nutzung – bei Klarna genauso wie bei Revolut.

Wiederkehrende Erlöse bei Endkonsumenten

Strategisch geht es um mehr als Vorteilsprogramme. Klarna verschiebt sein Geschäftsmodell schrittweise vom transaktionsbasierten „Buy now, pay later“ in Richtung Digitalbank mit planbaren Abo-Erlösen. Das Membership-Programm startete erst vor rund einem Jahr mit den Stufen Premium und Max; nach Unternehmensangaben zählte es bereits kurz nach dem Start über eine Million aktive Mitglieder. Weltweit spricht Klarna von mehr als 119 Millionen aktiven Nutzer:innen und 3,4 Millionen Transaktionen pro Tag.

Als Konkurrenz sieht das Unternehmen dabei explizit nicht nur Neobanken, sondern das klassische Kreditkartengeschäft mit seinen Jahresgebühren und Bindungsfristen. Neue Mitglieder erhalten den ersten Monat Everywhere oder Plus um 0,99 Euro, für Premium und Max gibt es 30 Prozent Rabatt auf die ersten drei Monate.

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