SpaceX kontrolliert zwei Drittel aller aktiven Satelliten im Orbit
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Die erdnahe Umlaufbahn hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. 2019 umkreisten weniger als 2.000 aktive Satelliten die Erde. Mit Stand vom vergangenen Juni sind es 15.711, besagen Zahlen des französischen Überwachungsunternehmens Look Up. Der Weltraum, lange Zeit Staaten vorbehalten, entwickelt sich zu einer dichten, kommerziellen Infrastruktur. Ein Unternehmen dominiert diesen Raum eindeutig: SpaceX.
China erhöht Anzahl der Satelliten
Das Starlink-Netzwerk von SpaceX umfasst mittlerweile 10.365 aktive Satelliten. Fast zwei von drei betriebsbereiten Satelliten weltweit gehören somit zu einer einzigen privaten Infrastruktur. SpaceX bringt innerhalb eines Jahres fast 3.320 neue Satelliten in die Umlaufbahn. Bei diesem Tempo füllt sich die erdnahe Umlaufbahn und wird zu einem physischen Netzwerk rund um den Planeten, das Telekommunikation, Konnektivität und Machtverhältnisse definiert.
China schlägt einen anderen Kurs ein. Peking verfügt mittlerweile über 1.286 aktive Satelliten, gegenüber 1.025 im Vorjahr, ein Anstieg von mehr als 25 Prozent. Die Konstellationen Qian Fan und GuoWang laufen auf Hochtouren und verfügen über 126 beziehungsweise 168 aktive Satelliten. Langfristig strebt China für die Konstellationen jeweils 12.000 und 13.000 Satelliten an. Abhängigkeit von westlicher Infrastruktur stellt für China offensichtlich keine nachhaltige strategische Option dar.
Europa hinkt im Orbit hinterher
Europa hingegen zeigt sich eher statisch. Eutelsat OneWeb verfügt über 651 aktive Satelliten in der Umlaufbahn und verzeichnete in den letzten Monaten keine nennenswerten zusätzlichen Starts. Während die USA die Infrastruktur im Orbit in rasantem Tempo privatisieren und China eigene Konstellationen aufbaut, scheint Europa den niedrigen Erdorbit als Souveränitätsfrage zu betrachten, deren Bedeutung es zwar erkennt, bei der es aber noch nicht das Tempo vorgibt.
Look Up zufolge werden mehr als 33.000 Objekte in der Erdumlaufbahn verfolgt, darunter aktive Satelliten, Raketenstufen und katalogisierte Weltraumtrümmer. Die Raumfahrt gilt oft noch als Eroberung, doch die eigentlichen Themen sind längst Verkehr, Überwachung, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Look Up wurde 2022 von Michel Friedling, dem ehemaligen Kommandanten der französischen Raumfahrtstreitkräfte, und Juan-Carlos Dolado Perez, dem ehemaligen Leiter der Abteilung für Weltraumüberwachung des CNES, gegründet. Die Plattform SYNAPSE des Unternehmens verarbeitet Umlaufbahndaten, das Netzwerk SORASYS zielt auf die Überwachung des Weltraumverkehrs mittels Radar ab.
Amazon und Co fordern SpaceX heraus
Die erdnahe Umlaufbahn entwickelt sich zu einer kritischen Infrastruktur für Kommunikation, Beobachtung, digitale Dienste und militärische Zwecke. Gleichzeitig entstehen dort neue Abhängigkeiten. Auch die Dominanz von SpaceX ist potenziell besorgniserregend. Doch der Konzern ist nicht komplett konkurrenzlos. So stehen weitere Konstellationen wie Amazons Project Kuiper vor dem Start.
Es gibt auch rund um das Wachstum der Satellitennetzwerke große Bedenken. Durch die hohe Anzahl der Objekte steigt die Zahl potenzieller Kollisionswarnungen dramatisch an. Laut t3n erfordert diese Situation automatisierte Ausweichsysteme wie das CREAM-Programm der ESA. Zudem warnen Astronom:innen vor der Lichtverschmutzung durch reflektierende Satellitenflächen.
Selbst geringe Ausfallraten bei tausenden Einheiten können zu unkontrollierbarem Weltraumschrott führen. Deshalb wird vor allem ein zuverlässiges Deorbiting von Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer notwendig. SpaceX hat hierfür eine mögliche Lösung: Der Konzern lässt regelmäßig Satelliten im Orbit verglühen.
SpaceX lässt 260 Starlink-Satelliten in sechs Monaten verglühen

