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Gravis Robotics: Startup für autonome Bagger erreicht Unicorn-Bewertung

© Gravis Robotics
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Das Schweizer Robotik-Startup Gravis Robotics hat soeben eine Series-A-Runde über 200 Millionen Dollar (rund 172 Millionen Euro) bekannt gegeben. Alleiniger Investor ist die japanische SoftBank Group. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um die bislang grösste Series A in der Baurobotik; die Bewertung liegt laut EU-Startups post-money bei etwa einer Milliarde Dollar. Damit steigt Gravis in den Kreis der europäischen Robotik-Unicorns auf.

Zuvor hatte das Unternehmen deutlich kleinere Summen aufgenommen: Im vergangenen November flossen 23 Millionen Dollar, angeführt von IQ Capital und Zacua Ventures, mit Beteiligung von Pear VC, Sunna Ventures, Armada Investment und dem Baustoffkonzern Holcim. Dass SoftBank bei Gravis einsteigen könnte, war bereits vorab durchgesickert – Bloomberg hatte über Gespräche berichtet, die das Startup mit mehr als 500 Millionen Dollar bewertet hätten.

Nachrüstsatz statt neuer Maschine

Gravis Robotics wurde 2022 als Spin-off der ETH Zürich gegründet, konkret aus dem Robotic Systems Lab. Geführt wird das Unternehmen von Co-Founder und CEO Ryan Luke Johns sowie Co-Founder und CTO Dominic Jud, ETH-Robotikprofessor Marco Hutter ist Mitgründer und Board-Mitglied. Neben dem Hauptsitz in Zürich gibt es Standorte in Austin (Texas) und Oxford.

Der Ansatz des Unternehmens unterscheidet sich von Herstellern, die autonome Baumaschinen von Grund auf neu entwickeln: Gravis rüstet bestehende Bagger und andere Erdbewegungsmaschinen nach. Kernprodukt ist der sogenannte Gravis Rack, ein Kit aus Sensorik, Rechenhardware und Software, das laut Firmenangaben bereits auf Maschinen von Caterpillar, Case, Develon, John Deere, JCB, Hitachi, Sumitomo, Yanmar und Volvo installiert wurde – vom rund zehn Tonnen schweren Gerät bis zu deutlich grösseren Modellen. Argumentiert wird das mit der Fragmentierung des Marktes: Rund zwei Drittel der weltweiten Nachfrage entfallen nach Darstellung des Unternehmens nicht auf die drei grössten Hersteller, Bauunternehmen sollen daher nicht an ein geschlossenes Ökosystem gebunden werden.

Technisch setzt Gravis auf in Simulation trainierte Modelle, die auf reale Baustellen übertragen werden. Anders als bei selbstfahrenden Autos oder Lagerrobotern verändere ein Bagger seine Umgebung aktiv, argumentiert CTO Dominic Jud in der Firmenmitteilung: Die Software werte Maschinen-Telemetrie aus, um auf wechselnde Bodenverhältnisse und hydraulische Widerstände zu reagieren.

Die Software erlaubt mehrere Betriebsmodi – von einem Copilot mit 3D-Führung und Hazard-Erkennung, bei dem der Fahrer in der Kabine bleibt, bis zum vollautonomen Betrieb, in dem eine Person mehrere Maschinen überwacht. Zu den automatisierbaren Aufgaben zählt das Unternehmen unter anderem Fahren, Grabenaushub, Massenaushub, Lkw-Beladung und Haldenmanagement. Gravis beziffert den Produktivitätsgewinn gegenüber manuellem Betrieb mit bis zu 30 Prozent – eine Zahl, die bislang auf eigenen Projektangaben beruht.

Rollout auf vier Kontinenten

Im Einsatz sind die Systeme nach Unternehmensangaben derzeit auf vier Kontinenten, zu Kunden und Partnern zählen Holcim, der Bauunternehmer Taylor Woodrow und HD Hyundai. In Grossbritannien leitet Gravis zudem ein staatlich gefördertes CAM-Pathfinder-Projekt im Volumen von acht Millionen Dollar gemeinsam mit dem Baumaschinenvermieter Flannery Plant Hire, bei dem sechs Bagger nachgerüstet werden. Das frische Kapital soll in den Ausbau des Teams, den Eintritt in weitere Märkte und die Zahl kommerziell eingesetzter autonomer Maschinen fliessen.

Für SoftBank passt das Investment in eine breitere Umschichtung Richtung Robotik und „Physical AI“. Der Konzern hat rund 20 Robotik-Beteiligungen in der Holding Robo HD gebündelt, übernimmt die Industrierobotik-Sparte von ABB für 5,4 Milliarden Dollar und plant mit Roze eine neue, an der US-Börse zu listende KI- und Robotikgesellschaft. Kürzlich hatte SoftBank im Gegenzug seinen Restanteil an Boston Dynamics an Hyundai verkauft.

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