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amber: Deutsches KI-Startup für den Mittelstand holt 7 Millionen Euro

Amber co-founders Bastian Maiworm, Philipp Reißel und Igli Manaj. © amber
Amber co-founders Bastian Maiworm, Philipp Reißel und Igli Manaj. © amber

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Das Aachener KI-Unternehmen amber hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 7 Millionen Euro abgeschlossen. Als Lead-Investor tritt NRW.Venture auf, der VC-Fonds der NRW.BANK; Bestandsinvestor Ventech, der bereits die Seed-Runde angeführt hatte, hat sein Investment nach eigenen Angaben deutlich ausgebaut. Zur Bewertung, zur Beteiligungshöhe der einzelnen Investoren und zu Umsatzzahlen macht das Unternehmen keine Angaben.

Es ist die dritte bekannte Finanzierung des Startups. 2021 sammelte das damals noch unter dem Namen ambeRoad firmierende Team ein Pre-Seed-Investment von fünf Business Angels ein, im März 2025 folgte eine Seed-Runde über 2,1 Millionen Euro unter Führung von Ventech. Damals arbeiteten rund 30 Menschen an den Standorten Aachen und Köln, mittlerweile kommt ein Standort in Tirana dazu.

Was die KI für KMU eigentlich macht

Der Ausgangspunkt von amber ist ein sehr praktisches Problem: In den meisten mittelständischen Unternehmen liegt das relevante Wissen nicht an einem Ort, sondern verteilt über E-Mail-Postfächer, Netzlaufwerke, Cloud-Speicher, ERP- und CRM-Systeme, Ticket-Tools und Projektablagen. Wer die aktuelle Produktspezifikation, eine alte Kundenpräsentation oder die Dokumentation eines Projekts von vor drei Jahren sucht, klickt sich entweder durch Ordnerstrukturen oder fragt eine Kollegin, die schon länger im Haus ist. Geht diese Kollegin in Pension, ist das Wissen faktisch weg.

Ein Sprachmodell allein löst dieses Problem nicht, weil ihm der Zugriff auf und das Verständnis für diese verstreuten Firmendaten fehlt. Genau dort setzt amber mit dem an, was das Unternehmen „AI Data Layer“ nennt – eine Schicht, die die Daten aus den verschiedenen Systemen anbindet, verknüpft, strukturiert und in einen fachlichen Zusammenhang bringt, bevor überhaupt ein Large Language Model zum Einsatz kommt.

Für Mitarbeitende in einem KMU sieht das im Alltag so aus:

  • Fragen statt suchen: Statt Laufwerke zu durchforsten, stellt man die Frage direkt an amber und bekommt eine Antwort auf Basis der internen Dokumente – inklusive der bestehenden Zugriffsrechte, wie das Unternehmen betont.
  • Wissenssicherung: Erfahrungswissen, das sonst an einzelnen Personen hängt, bleibt abrufbar, auch wenn diese das Unternehmen verlassen.
  • Schnelleres Onboarding: Neue Mitarbeitende können sich Zusammenhänge selbst erschließen, statt sich durch Rückfragen einzuarbeiten.
  • Effizientere Modellnutzung: Weil die Sprachmodelle mit vorstrukturierten, relevanten Informationen arbeiten statt mit großen Mengen unstrukturierter Daten, sinkt laut amber der Rechenaufwand – und die Antworten werden präziser.

Der nächste Schritt, den das Unternehmen mit dem frischen Kapital gehen will, ist der Sprung vom nutzergesteuerten Assistenzsystem zur autonomen Software: KI, die nicht auf die richtige Frage wartet, sondern erkennt, welche Aufgaben anstehen, und diese über verschiedene Unternehmenssysteme hinweg selbst ausführt. „Die meisten KI-Anwendungen warten heute noch darauf, dass Nutzer die richtigen Fragen stellen“, sagt Mitgründer und CRO Bastian Maiworm. Die Vision gehe deutlich weiter: eine Plattform, die versteht, was im Unternehmen passiert, und Mitarbeitende aktiv entlastet.

Mitgründer und CEO Philipp Reißel formuliert es so: „Die nächste Entwicklungsstufe von KI ist nicht ein weiterer Chatbot.“

Kunden aus Industrie und Konsumgüter

Nach Unternehmensangaben nutzen heute Firmen aus Fertigung, Engineering, IT-Beratung und Konsumgüterindustrie die Plattform, darunter Scheidt & Bachmann, Ritter Sport, Zentis, Schüßler-Plan, Dalli und Hailo. Bei der Seed-Runde 2025 hatte das Startup von mehr als 200 mittelständischen Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesprochen; eine aktualisierte Kundenzahl nennt amber nicht.

Gegründet wurde das Unternehmen 2021 von den RWTH-Aachen-Absolventen Philipp Reißel, Bastian Maiworm und Igli Manaj. Der Architekturansatz – erst Datenqualität und Unternehmenskontext, dann generative KI – unterscheide sich grundlegend von vielen „AI-first“-Anbietern, argumentiert das Team.

Was die Investoren sagen

Ventech-Partner Nicolas Barthalon, der amber seit der Seed-Runde begleitet, verweist auf die technologische Grundlage: Das Team habe früh erkannt, worauf es beim Einsatz von KI in Unternehmen ankomme – die Datenhoheit zu wahren und Unternehmen dabei zu unterstützen, die passenden KI-Agenten und Workflows zu identifizieren und unternehmensweit zu skalieren.

Für NRW.Venture ist das Investment auch strukturpolitisch motiviert. Johanna Antonie Tjaden-Schulte, Vorstandsmitglied der NRW.BANK, argumentiert mit der Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands: amber adressiere von Nordrhein-Westfalen aus einen großen europäischen Markt. Patrick Nesseler, Investment Manager bei der NRW.BANK, betont, dass der Nutzen von KI entscheidend davon abhänge, ob Unternehmensdaten im richtigen Kontext verfügbar seien.

Die Expansion startet zunächst in der Benelux-Region. Parallel will amber die Integration in bestehende Unternehmenssysteme ausbauen und das Team vergrößern.

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