Downround für Groq: KI-Chip-Pionier wird zur Inferenz-Cloud, Bewertung halbiert
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Es ist einer der auffälligsten Bewertungsrückgänge im aktuellen KI-Boom: Groq, jahrelang als aussichtsreichster Herausforderer von Nvidia im Geschäft mit KI-Inferenz-Chips gehandelt, hat frisches Kapital zu deutlich niedrigeren Konditionen aufgenommen. Wie Bloomberg soeben berichtet, sammelte das Unternehmen 350 Millionen Dollar unter Führung des bestehenden Investors Disruptive ein – bei einer Bewertung von 3,5 Milliarden Dollar. Im Vorjahr waren es noch 6,9 Milliarden Dollar gewesen, damals bei einer Runde über 750 Millionen Dollar.
Die Bewertung hat sich damit annähernd halbiert. Anders als bei klassischen Down-Rounds steht dahinter aber kein Absturz des Geschäfts, sondern ein Umbau, der in der Branche seinesgleichen sucht.
Der Nvidia-Deal als Zäsur
Ausgangspunkt war eine Vereinbarung vom vergangenen Dezember: Groq schloss mit Nvidia ein nicht-exklusives Lizenzabkommen über seine Inferenz-Technologie. Gründer und CEO Jonathan Ross, Präsident Sunny Madra und weitere Teile des Führungsteams wechselten zu Nvidia, der damalige Finanzchef Simon Edwards rückte an die Spitze. Nach Informationen von CNBC zahlte Nvidia rund 20 Milliarden Dollar in bar für Groq-Assets – für Nvidia der größte Zukauf der Firmengeschichte. Offiziell bestätigt wurde die Summe von keiner der beiden Seiten. Analysten kritisierten die Konstruktion, weil sie wirtschaftlich einer Übernahme gleichkomme, formal aber keine sei.
Für die Altinvestoren war das kein Verlustgeschäft: Sie wurden aus dem Nvidia-Deal in bar ausbezahlt. Wie Axios im Frühjahr berichtete, wurden dieselben Geldgeber anschließend eingeladen, pro rata in ein faktisch neues Unternehmen zu investieren – intern „Groq 2.0“ genannt. Disruptive und Infinitum sagten zu, die angepeilte Summe von bis zu 650 Millionen Dollar nötigenfalls selbst aufzufüllen.
Genau diese Runde verkündete Groq dann im Juni: 650 Millionen Dollar an neuem Wachstumskapital, angeführt von Disruptive und Infinitum, „mit Beteiligung von Investoren, die sich für eine Reinvestition entschieden haben“. Eine Bewertung nannte das Unternehmen damals nicht. Wie sich die von Bloomberg genannten 350 Millionen Dollar zu dieser Zahl verhalten – ob es sich um den Anteil an tatsächlich frischem Kapital, um eine Tranche oder um eine separate Runde handelt – ist bislang offen.
Vom Chip-Entwickler zur Neocloud
Was von Groq bleibt, ist kein Halbleiterunternehmen mehr, sondern ein Cloud-Betreiber. Das Unternehmen betreibt eigenen Angaben zufolge 13 Rechenzentren in Nordamerika, Europa, dem Nahen Osten und der Asien-Pazifik-Region, bedient mehr als fünf Millionen Entwickler:innen und verarbeitet wöchentlich Billionen an KI-Tokens. Bis Ende 2027 soll die Kapazität auf 200 Megawatt wachsen. Auch in Europa ist Groq präsent, unter anderem mit einem Rechenzentrum in Helsinki; unter den früheren Geldgebern findet sich mit Deutsche Telekom Capital Partners auch ein europäischer Investor.
Bemerkenswert ist dabei die Rollenumkehr gegenüber Nvidia: Die auf der GTC vorgestellte LPX-Plattform basiert auf der lizenzierten Groq-Technologie – und Groq will diese Systeme künftig selbst in den eigenen Rechenzentren verbauen. Aus dem Konkurrenten ist ein Kunde geworden.
Geführt wird das Unternehmen inzwischen von CEO Adam Winter, der 2024 zu Groq kam und zuvor das internationale Geschäft verantwortete, sowie Finanzchef Matt Eng. Als COO ist Alan Rice an Bord, davor bei xAI und den Meta-Rechenzentren; dazu kommen CTO Sinclair Schuller und Chief Product Officer Rakesh Malhotra, die zuvor gemeinsam Apprenda und Nuvalence aufgebaut hatten. Den Vorsitz im Board hat Alex Davis, Gründer und CEO des Leadinvestors Disruptive.
Die strategische Wette dahinter formuliert Groq offensiv: Das Ausführen von Modellen werde langfristig ein Vielfaches jener Rechenleistung benötigen, die für das Training nötig ist. Der Großteil der bestehenden KI-Clouds sei jedoch auf Training ausgelegt, einen klaren Marktführer für Inferenz gebe es noch nicht. Ob Groq diese Lücke ohne jenes Team besetzen kann, das die eigene Chip-Architektur entwickelt hat, ist die zentrale offene Frage – und sie spiegelt sich in der neuen Bewertung wider.

