Finanzierungsrunde

Lexroom: LegalTech sichert sich 50 Millionen Dollar für europäische Legal-AI-Plattform

© Lexroom
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Das Mailänder LegalTech-Startup Lexroom holt über 50 Millionen Dollar in einer Series-B-Finanzierungsrunde. Damit hat das 2023 gegründete Unternehmen insgesamt über 73 Millionen Dollar eingesammelt. Lexroom entwickelt KI-Infrastruktur für Rechtsanwält:innen in europäischen Zivilrechtssystemen und setzt dabei auf einen datenbasierten Ansatz: Statt allgemeine Sprachmodelle zu optimieren, baut das Startup auf einer proprietären Datenbank mit mehr als sechs Millionen verifizierten Rechtsquellen auf. Left Lane Capital führt die Runde an, Base10 Partners, Eurazeo, Acurio Ventures, Entourage und View Different beteiligen sich.

Gegründet wurde Lexroom von Paolo Fois, Martina Domenicali und Andrea Lonza. Die Plattform dient mittlerweile mehr als 8.000 Kanzleien und Rechtsabteilungen als tägliches Recherche-, Entwurfs- und Analyse-Tool. CEO Fois erklärt die Strategie: „Als wir Lexroom gründeten, waren zwei Dinge sofort klar: Anwälte brauchten eine bessere Arbeitsweise, und LLMs konnten diese liefern. Das fehlende Teil waren Daten – stets aktualisierte Gesetze, relevante Rechtsprechung und Gerichtsverfahren. Zivilrechtsländer brauchen eine KI-Rechts-Engine, die datenbasiert denkt“. Anders als viele Legal-AI-Anbieter setzt Lexroom nicht primär auf die Optimierung großer Sprachmodelle, sondern auf eine eigene Datenbasis aus verifizierten Rechtsquellen.

1.300 dokumentierte Fälle von KI-Halluzinationen

Lexroom begründet seinen Ansatz mit massiven Zuverlässigkeitsproblemen herkömmlicher Legal-AI-Tools. Das Unternehmen stellt fest: „Die meisten Produkte wurden modellzentriert entwickelt: Man nimmt ein allgemeines LLM, optimiert es und verpackt es in eine juristische Oberfläche. Das Problem? Praktizierende Anwälte können es nicht verifizieren, nicht zitieren und nutzen es zunehmend nicht mehr. Das Risiko ist nicht länger theoretisch: Mehr als 1.300 Gerichtseingaben wurden dokumentiert, die KI-generierte Halluzinationen enthalten – erfundene Zitate, nicht existierende Präzedenzfälle, falsch zitierte Autoritäten“.

Die proprietäre Infrastruktur von Lexroom bündelt Gesetze, Gerichtsentscheidungen und regulatorische Inhalte, die laufend aktualisiert und für die KI-gestützte Recherche optimiert werden. Jede Antwort lässt sich dabei direkt auf die zugrunde liegenden Quellen zurückführen.

Die Nutzungszahlen zeigen die Akzeptanz: Zwei Drittel der User sind täglich aktiv, 94 Prozent nutzen die Plattform wöchentlich. Recherche-Aufgaben, die früher Stunden dauerten, erledigt die Plattform laut Unternehmen in Minuten. Das soll Kanzleien ermöglichen, mehr Mandant:innen zu bedienen, ohne Qualitätsverluste in der juristischen Arbeit in Kauf zu nehmen.

Expansion nach Deutschland und Spanien

Italien mit seinen rund 250.000 registrierten Anwält:innen und einem der komplexesten Rechtssysteme Europas diente als Testmarkt. Mit dem frischen Kapital expandiert Lexroom nun in weitere Zivilrechts-Jurisdiktionen Europas. Deutschland und Spanien stehen als erste Märkte an – das Unternehmen plant lokale Teams und jurisdiktionsspezifische Funktionen, die gemeinsam mit Kanzleien vor Ort entwickelt werden. Die Strategie zielt darauf ab, für jedes Zivilrechtsland maßgeschneiderte Legal-AI-Infrastruktur bereitzustellen.

Beim Datenschutz setzt Lexroom auf strikte Standards. Das Unternehmen ist ISO 27001-zertifiziert und arbeitet nach eigenen Angaben in Übereinstimmung mit der DSGVO und dem AI Act. Die hochgeladenen Dokumente werden verschlüsselt und laut Lexroom nie zum Training der KI-Modelle verwendet. Lexroom speichert Kundendokumente nicht dauerhaft und setzt mit Single Sign-On (SSO) auf ein sicheres Zugangsmanagement. Die Sicherheitsrichtlinien sind öffentlich einsehbar – ein zentraler Punkt für Kanzleien, die mit sensiblen Mandantendaten arbeiten.

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