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„Menschliches Versagen“: Source Code von Claude Code versehentlich geleakt

Claude Code. © Anthropic
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Ende März 2026 passierte Anthropic ein peinlicher Fehler: Der vollständige Quellcode ihres KI-Werkzeugs Claude Code landete ungewollt im Internet. Schuld war eine einzige falsch konfigurierte Datei beim Veröffentlichen des Programms. Was genau passiert ist, was der Code verrät und was das bedeutet, erklären wir hier verständlich.

Was ist passiert?

Anthropic veröffentlicht Claude Code als Paket im sogenannten npm-Registry, einem öffentlichen Verzeichnis für Software-Pakete. Beim Hochladen einer neuen Version wurde versehentlich eine sogenannte Source-Map mitgeliefert, eine technische Hilfsdatei, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit gedacht ist. Diese Datei war 59,8 Megabyte groß und enthielt den kompletten, lesbaren Originalcode des Tools.

Ein Sicherheitsforscher namens Chaofan Shou entdeckte das Problem und machte es öffentlich. Innerhalb weniger Stunden kursierten vollständige Kopien des Codes auf GitHub. Anthropic reagierte schnell, entfernte die betroffene Version und ersetzte sie durch eine bereinigte Variante. Den Schaden rückgängig machen konnte das Unternehmen damit allerdings nicht mehr.

Was sind Source-Maps überhaupt?

Professionelle Software wird vor der Veröffentlichung meist stark komprimiert und verschlüsselt, damit sie schneller läuft und schwerer zu lesen ist. Source-Maps sind Dateien, die diesen Prozess rückgängig machen können. Sie zeigen, wie der ursprüngliche, gut lesbare Code ausgesehen hat. Für Entwickler sind sie beim Testen nützlich, in fertigen Produkten haben sie jedoch nichts zu suchen.

Was steckt im Code?

Das geleakte Material umfasst rund 1.900 Dateien mit über 512.000 Zeilen Code. Ein Blick hinein zeigt einige interessante Details.

Technik im Hintergrund

  • Bun statt Node.js: Claude Code setzt auf eine modernere Laufzeitumgebung, die schneller startet und TypeScript direkt unterstützt.
  • React im Terminal: Die Benutzeroberfläche im Terminal ist mit React gebaut, einer Technologie, die man sonst eher von Webseiten kennt.
  • Dreischichtiger Speicher: Das Tool verwaltet Informationen in drei Ebenen, koordiniert über eine zentrale Datei namens Memory.md.

Interne Codenamen und geplante Funktionen

  • Ein Feature namens Kairos taucht über 150 Mal auf. Es beschreibt einen Hintergrundprozess, der Informationen zusammenfasst, wenn der Nutzer gerade nichts tut.
  • Interne Codenamen für Modelle sind sichtbar: Capybara steht für Claude 4.6, Fennec für Opus 4.6, und ein Modell namens Numbat befindet sich noch in der Testphase.
  • Eine interne Roadmap deutet auf Pläne für längere eigenständige Aufgaben, besseres Gedächtnis und die Zusammenarbeit mehrerer KI-Agenten hin.

Der „Undercover Mode“: Die brisanteste Entdeckung

Besonders viel Aufmerksamkeit erregt ein Abschnitt im Code, der als „Undercover Mode“ bezeichnet wird. Laut Beschreibung soll Claude Code damit zu öffentlichen Open-Source-Projekten beitragen können, ohne dabei seinen KI-Ursprung offenzulegen.

Ein Abschnitt mit der Bezeichnung Undercover Mode beschreibt angeblich eine Funktion, mit der Claude Code zu öffentlichen Open-Source-Projekten beitragen soll, ohne seinen Ursprung zu verraten.

Das wirft ernste Fragen auf. Open-Source-Gemeinschaften bauen auf Transparenz und gegenseitiges Vertrauen. Wenn KI-Beiträge nicht als solche erkennbar sind, wird dieses Vertrauen untergraben. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass andere Unternehmen ähnliche Funktionen entwickeln und dabei weniger sorgfältig vorgehen.

Chancen und Risiken des Leaks

Legitime Nutzung Problematische Nutzung
Sicherheitsforscher können den Code auf Schwachstellen prüfen Angreifer können gezielt nach Lücken suchen
Entwickler können von der Architektur lernen Dritte könnten das Tool mit Schadcode nachbauen
Akademische Forschung zu KI-Agentensystemen Schutzmechanismen lassen sich leichter umgehen
Wettbewerber erhalten Einblick in Designentscheidungen Geplante Funktionen wie der Undercover Mode könnten missbraucht werden

Was bedeutet das für Nutzer?

Für Menschen, die Claude Code aktuell verwenden, besteht nach bisherigem Stand kein unmittelbares Risiko. Zugangsdaten oder persönliche Daten wurden laut Anthropic nicht kompromittiert. Das Unternehmen bezeichnete den Vorfall als menschliches Versagen, nicht als Hackerangriff.

Das mittelfristige Risiko liegt woanders: Wer den Code kennt, kann künftige Versionen des Tools gezielter angreifen. Anthropic hat sich bislang über eine erste Bestätigung des Vorfalls hinaus nicht weiter geäußert. Der Fall zeigt eindrücklich, wie ein einziger kleiner Fehler beim Veröffentlichen von Software weitreichende Folgen haben kann.

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