Probleme

Meta muss „Avocado“-LLM verschieben, überlegt sogar Gemini-Lizenz

Mark Zuckerberg & Alexandr Wang of Meta. © Zuckerberg
Mark Zuckerberg & Alexandr Wang of Meta. © Zuckerberg

Meta hat die Veröffentlichung ihres neuen KI-Modells mit dem Codenamen „Avocado“ erneut verschoben. Ursprünglich für März 2026 geplant, wird die Markteinführung nun frühestens im Mai 2026 erwartet. Der Grund für die Verzögerung ist ernüchternd: Das Modell kann mit den führenden KI-Angeboten der Konkurrenz nicht mithalten.

Leistungsdefizite gegenüber der Konkurrenz

Interne Tests haben gezeigt, dass „Avocado“ in entscheidenden Bereichen hinter den neuesten Modellen von Google, OpenAI und Anthropic zurückbleibt. Besonders in den Disziplinen logisches Denken, Softwareentwicklung und „agentisches“ Verhalten, also der Fähigkeit, autonom komplexe Aufgaben zu planen und auszuführen, schneidet das Meta-Modell schlechter ab.

Zwar übertrifft „Avocado“ die früheren KI-Modelle von Meta selbst sowie Googles Gemini 2.5, doch gegen Gemini 3.0 hat es Berichten zufolge keine Chance. Diese Leistungslücke wiegt umso schwerer, als Meta für dieses Jahr zwischen 115 und 135 Milliarden US-Dollar in künstliche Intelligenz investiert, einschließlich der Entwicklung eigener Chips.

Erwägung einer Google-Lizenz

Die Situation ist so prekär, dass die Führungsebene der KI-Abteilung von Meta sogar die Möglichkeit erörtert hat, temporär Googles Gemini zu lizenzieren, um die eigenen KI-Produkte zu unterstützen. Eine endgültige Entscheidung steht zwar noch aus, doch allein die Tatsache, dass diese Option diskutiert wird, zeigt die Dringlichkeit der Lage.

Strategischer Kurswechsel: Von Open Source zu proprietären Modellen

Die Verzögerung von „Avocado“ ist symptomatisch für einen grundlegenden Wandel in Metas KI-Strategie. Unter der klaren Vorgabe von CEO Mark Zuckerberg, die „Superintelligenz“ (AGI) zu verfolgen, mehren sich die Anzeichen, dass Meta von seinem langjährigen Open-Source-Ansatz abrückt und zu proprietären Large Language Models umschwenkt.

„Avocado“ selbst wird voraussichtlich als proprietäres Modell entwickelt, was eine deutliche Abkehr von Metas bisheriger Open-Source-Strategie für die Llama-Modelle darstellt. Diese Kehrtwende wird intern vor allem von Alexandr Wang vorangetrieben, dem Gründer von Scale AI, den Meta im Juni 2025 durch eine massive Investition von 14,3 Milliarden Dollar ins Unternehmen holte und zum Chief AI Officer ernannte.

Interne Turbulenzen und personelle Umbrüche

Der strategische Wandel geht mit erheblichen internen Umstrukturierungen einher. Im Zuge der Fokussierung auf „Superintelligenz“ wurden Hunderte Mitarbeiter aus der traditionellen FAIR-Einheit (Fundamental Artificial Intelligence Research) entlassen. Noch dramatischer: Selbst der langjährige Chief AI Scientist und Open-Source-Befürworter Yann LeCun kündigte seinen Weggang an.

LeCun hat mittlerweile sein eigenes Startup AMI Labs in Paris gegründet, das World Models entwickelt und kürzlich eine Milliarde Dollar Kapital aufgenommen hat. Anstatt auf Large Language Models zu setzen, baut LeCun nun Weltmodelle, die nicht Texte wiedergeben, sondern Physik und andere Zusammenhänge verstehen können.

Zuckerbergs Sinneswandel

Besonders bemerkenswert ist die Kehrtwende von Mark Zuckerberg selbst. Der Meta-CEO, der noch vor Kurzem mit einem klaren „fuck that“ geschlossene Plattformen ablehnte und ein Memorandum mit dem Titel „Open Source AI is the Path Forward“ verfasste, scheint seine Haltung zu revidieren.

Die intensive Sorge, gegenüber OpenAI und Google ins Hintertreffen zu geraten, sowie die zunehmend komplexen Sicherheitsbedenken im Kontext der AGI-Entwicklung treiben diese pragmatische Wende voran. Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck: Das neue Modell „Avocado“ soll Berichten zufolge Einnahmen generieren, ein Ziel, das nur mit einem bezahlten, proprietären Modell erreicht werden kann.

Weitere Modelle in der Pipeline

Meta arbeitet parallel an weiteren KI-Modellen. „Mango“ soll hochauflösende Bild- und Videogenerierung ermöglichen und mit Konkurrenten wie OpenAIs Sora mithalten können. „Watermelon“ ist bereits als Nachfolger von „Avocado“ in Planung. Doch auch das als „Behemoth“ bezeichnete beste Llama 4-Modell ist seit Monaten verzögert.

Freemium-Strategie als wahrscheinliches Zukunftsmodell

Gut möglich ist, dass Meta künftig eine Freemium-Strategie verfolgt: Die neuesten, leistungsstärksten KI-Modelle würden als Closed Source per API kostenpflichtig angeboten, während ältere, schwächere Modelle via Open Source frei verfügbar gemacht werden. Ähnliche Strategien haben bereits Google und OpenAI etabliert.

Die Verzögerung von „Avocado“ markiert damit nicht nur einen technischen Rückschlag, sondern symbolisiert einen fundamentalen Wandel in Metas KI-Philosophie: vom Open-Source-Vorreiter zum kommerziellen Wettbewerber im Rennen um die künstliche Superintelligenz.

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