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100 Milliarden Dollar für Starbase Louisiana: SpaceX plant Mega-Raumhafen in den Sümpfen

Starship at launch. © SpaceX
Starship at launch. © SpaceX

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SpaceX hat seine Pläne für einen zweiten großen Raumhafen in den USA offiziell gemacht. Auf Pecan Island im Vermilion Parish an der Golfküste von Louisiana soll ein Startgelände für die Riesenrakete Starship entstehen, in das der Konzern nach eigenen Angaben mindestens 100 Milliarden Dollar investieren will. Vorgestellt wurde das Projekt kürzlich vom republikanischen Gouverneur Jeff Landry gemeinsam mit SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell.

Das Areal umfasst rund 125.000 Acres, also etwa 50.000 Hektar, und liegt rund drei Autostunden westlich von New Orleans. Geplant sind fünf Startkomplexe mit jeweils zwei Startrampen, dazu eine eigene Treibstoffproduktion, Stromerzeugung, ein Tiefwasserhafen, Hallen für die Raketenmontage und ein Flughafen. Auch Wohnhäuser für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter samt Familien sollen entstehen, ähnlich wie am bestehenden Standort Starbase in Texas. Der Baustart ist für das kommende Jahr angesetzt, der erste Start soll 2029 folgen. SpaceX spricht von mehr als 3.000 neuen Jobs. Louisianas Wirtschaftsagentur hat dem Unternehmen ein Anreizpaket zugesagt, im Gegenzug zahlt SpaceX statt lokaler Steuern jährlich 25 Millionen Dollar an den Bezirk.

Warum SpaceX so viele Starts braucht

Auf der eigens eingerichteten Website zum Standort nennt SpaceX das Ziel offen: Starbase Louisiana soll „tausende Starship-Flüge pro Jahr“ ermöglichen. Dahinter stehen mehrere Geschäftsfelder, die alle an der Transportkapazität ins All hängen.

Das größte ist bislang Starlink. Der Satelliten-Internetdienst hat die Marke von 10.000 Satelliten im Orbit überschritten, SpaceX kontrolliert damit zwei Drittel aller aktiven Satelliten rund um die Erde. Diese Flotte ist ein Verschleißgeschäft: Die Satelliten haben eine begrenzte Lebensdauer und werden am Ende gezielt zum Verglühen gebracht, allein in einem Halbjahr traf das auf 260 Stück zu. Wer eine Konstellation dieser Größe betreibt, muss also permanent nachliefern. Die nächste Satellitengeneration ist zudem deutlich schwerer und größer, für sie braucht es die Transportkapazität von Starship.

Dazu kommt ein zweites Vorhaben, das der Konzern seit dem Börsengang stark bewirbt: Rechenzentren im Orbit. Solche Orbital Data Centers sollen KI-Rechenleistung mit Solarstrom im All betreiben. In Anträgen bei den US-Regulierungsbehörden ist von einer Konstellation von bis zu einer Million solcher Satelliten die Rede. Ob das technisch und wirtschaftlich aufgeht, ist unter Fachleuten umstritten. Klar ist: Eine solche Infrastruktur ließe sich nur mit sehr hoher Startfrequenz aufbauen.

Der dritte Treiber sind Mond und Mars. Starship, mit rund 124 Metern die größte je gebaute Rakete, soll beide Stufen wiederverwenden. Für Flüge über die Erdumlaufbahn hinaus muss das Raumschiff im Orbit betankt werden, und dafür sind pro Mission mehrere zusätzliche Tankflüge nötig. Bislang ist Starship 13 Mal geflogen, mit einer Reihe technischer Rückschläge. Wie genau die 100 Milliarden Dollar teure Raumhafen-Anlage finanziert werden soll, ist unklar.

Was mit der Natur vor Ort passieren soll

Der gewählte Standort zählt zu den am schnellsten verschwindenden Küstenabschnitten der USA. Louisiana verliert nach Angaben von Umweltorganisationen etwa alle 100 Minuten eine Landfläche in der Größe eines Footballfelds, verursacht durch Erosion, Absinken des Bodens und steigende Meeresspiegel. Im Vermilion Parish weicht die Uferlinie laut SpaceX jährlich um rund einen bis sieben Meter zurück. Prognosen gehen von etwa 60 Zentimetern Meeresspiegelanstieg bis 2050 aus, ein Szenario, in dem praktisch ganz Pecan Island samt Bebauung unter Wasser stünde.

SpaceX kündigt an, den Standort zu bebauen und die Küste zugleich mitzustabilisieren. Vorgesehen sind Wellenbrecher zur Dämpfung der Brandung, die Neuanlage von tausenden Hektar Marschland mit ausgebaggertem und offshore gewonnenem Sediment, die Stabilisierung von Uferkanten sowie die Renaturierung alter Kanäle. Das Unternehmen betont, nur einen Teil der Fläche zu bebauen und Feuchtgebiete sowie Wildtierlebensräume zu erhalten. Jagd, Fischerei und Vogelbeobachtung sollen weiter möglich bleiben, die Umsetzung soll gemeinsam mit Bundes- und Landesbehörden, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern sowie Naturschutzgruppen erfolgen.

Ökologisch geht es um eine der wichtigsten Vogelregionen Nordamerikas. Pecan Island liegt im Mississippi Flyway, einem zentralen Korridor für Zugvögel zwischen Nord- und Südamerika. Hunderte Millionen Vögel nutzen das Gebiet als Rastplatz, darunter Schneegänse und Schreikraniche sowie ein Großteil der nordamerikanischen Wasservögel.

Gegner sorgen sich um Naturraum für Vögel

Vor Ort formiert sich Widerstand. Auf der Plattform stopspacex.com sammeln Gegnerinnen und Gegner Unterschriften, initiiert vom Anrainer Gabe Giffin. „Wir leben seit über 100 Jahren neben Öl und Gas, wir sind nicht gegen Industrie, aber wir haben hier noch nie Raketen gezündet“, sagte er dem Guardian. Viele Vögel seien auf dieses Gebiet angewiesen, es brauche daher ein ordentliches Prüfverfahren.

Genau daran setzt der zweite Kritikpunkt an: Bundes- und Landesbehörden lockern nach Darstellung der Projektgegnerinnen und Projektgegner die Anwendung von Umweltgesetzen wie Clean Air Act, Clean Water Act und Endangered Species Act bei der Genehmigung neuer Raketenprojekte. Kritisch gesehen wird dabei auch die politische Nähe von Elon Musk zur US-Regierung, für die er im Vorjahr eine Umstrukturierung der Bundesverwaltung verantwortete.

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