„Stop SpaceX“: Warum sich in Louisiana Widerstand gegen Musks Raumhafen formiert
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Es ist das größte Einzelinvestment, das der US-Bundesstaat Louisiana je gesehen hat: SpaceX hat am Dienstag offiziell Starbase Louisiana angekündigt, einen Raumhafen für mehr als 100 Milliarden Dollar nahe der Ortschaft Pecan Island in Vermilion Parish, rund 80 Kilometer südwestlich von Lafayette. Geplant sind zehn Startrampen, eigene Treibstoffproduktion, ein Kraftwerk, ein Tiefwasserhafen, ein Flughafen und Wohnraum für Beschäftigte, verteilt über ein Areal von rund 125.000 Acres, also etwa 50.000 Hektar Küstenmarsch. Der Bau soll 2027 beginnen, der erste Starship-Start ist für 2029 vorgesehen.
Noch bevor die Ankündigung offiziell war, hat sich vor Ort eine Gegenbewegung gebildet. Unter dem Namen Stop SpaceX sammelt eine Koalition aus Anrainer:innen, Jäger:innen, Naturschutzorganisationen, Wissenschaftler:innen, Betrieben aus dem Outdoor-Tourismus und einzelnen Lokalpolitiker:innen Unterschriften, Spenden und Stellungnahmen an die US-Luftfahrtbehörde FAA.
Eine Gruppe, die aus Gerüchten entstanden ist
Gegründet wurde die Gruppe Anfang August, nachdem monatelang Gerüchte über ein SpaceX-Projekt in der Region kursiert waren, wie der Louisiana Illuminator berichtet. Anfangs waren es nächtliche Videocalls mit 20 bis 30 Teilnehmenden, die einander großteils aus der Nachbarschaft und über Familienbande kennen.
Zu den Wortführenden zählen Brennon „Bruno“ Sagrera, Reis- und Crawfish-Farmer in neunter Generation, und Mitgründerin Brooke Broussard. Sagrera selbst formuliert das Ziel zurückhaltend: Von einer Bewegung, die das Projekt komplett verhindern wolle, würde er nicht unbedingt sprechen, sagt er dem Louisiana Illuminator. Wenn Jobs entstünden und es verbindliche Umweltzusagen gebe, sei über vieles zu reden. Was die Gruppe primär fordert, ist ein formelles Umweltverträglichkeitsverfahren, Transparenz und Mitsprache, bevor Fakten geschaffen werden.
Die Argumente der Aktivist:innen
Im Zentrum der Kritik steht der Standort. Das Gelände liegt zwischen zwei staatlichen Wildschutzgebieten in einem der wichtigsten Zugvogelkorridore Nordamerikas. Stop SpaceX spricht von 130.000 Acres bedrohter Feuchtgebiete und mehr als 300 Vogelarten, die die Region nutzen, darunter der stark gefährdete Schreikranich, der in Louisiana erst 2011 wieder angesiedelt wurde, sowie Fleckenente und Kanadareiher. Das zentrale Argument: Zerstörte Küstenmarsch lässt sich nicht wiederherstellen, und Louisiana verliert ohnehin schon schneller Küste als fast jeder andere US-Bundesstaat.
Dazu kommen Sorgen, die weniger mit Naturschutz als mit Alltag zu tun haben. Anrainer:innen nennen Lärm, Licht und Luftbelastung durch einen Betrieb, der langfristig auf sehr hohe Startfrequenzen ausgelegt ist. Der stellvertretende Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von Pecan Island verweist auf fehlende Infrastruktur und Einsatzkapazitäten für eine Großbaustelle dieser Dimension. Andere erinnern an die Erfahrung mit der Öl- und Gasindustrie in der Region, die Wohlstandsversprechen gebracht habe, aber auch Erosion und Umweltlasten.
Ein eigener Kritikpunkt ist das Verfahren. Louisiana Economic Development ließ gewählte Mandatar:innen Vertraulichkeitserklärungen unterzeichnen, um Informationen zum Projekt zu erhalten. Ein Abgeordneter unterschrieb im Februar, ein Senator ließ seine Erklärung später wieder aufheben, um frei sprechen zu können. Broussard nennt die Behörden in diesem Zusammenhang berauscht von Dollarzeichen. Mehrere Bewohner:innen von Pecan Island sagten gegenüber Fox 8, dass nie jemand von SpaceX mit ihnen gesprochen habe.
Der Streit um die FAA-Regel
Politisch hängt viel an einer geplanten Regeländerung der FAA, die es dem US-Verkehrsministerium erlauben würde, für Raumfahrtprojekte 13 Umweltgesetze auszusetzen, darunter Clean Water Act, Clean Air Act und Endangered Species Act. Die öffentliche Kommentarfrist dazu läuft noch bis Ende August, und genau dorthin lenkt Stop SpaceX seine Unterstützer:innen. Auch etablierte Organisationen wie die Louisiana Wildlife Federation, die National Wildlife Federation und die Pontchartrain Conservancy melden sich zu Wort.
Es gebe ein Verfahren für Projekte dieser Größe, sagt Rebecca Triche von der Louisiana Wildlife Federation gegenüber Fox 8: Nur weil eine Genehmigung entfalle, verschwänden die Auswirkungen nicht. Hinzu kommen neue Landesgesetze, die Raumfahrtunternehmen weitgehend vor Haftungsklagen schützen.
Was auf der anderen Seite steht
Gouverneur Jeff Landry bewirbt das Projekt als dauerhafte Zukunftsperspektive für eine strukturschwache Region. SpaceX-Präsidentin und COO Gwynne Shotwell spricht von zunächst rund 3.000 Arbeitsplätzen, langfristig bis zu 10.000, wovon 60 bis 80 Prozent aus der Region kommen sollen. Das Unternehmen sagt jährlich 25 Millionen Dollar an lokale Abgabenempfänger plus eine Einmalzahlung von 20 Millionen zu, im Gegenzug entfällt die reguläre Grundsteuer. Shotwell verspricht außerdem Beiträge zu Küstenschutz- und Renaturierungsprojekten im Rahmen des Coastal Master Plan des Bundesstaates sowie den Erhalt von Flächen rund um Pecan Island als Habitat. Konkrete Summen dafür nannte SpaceX bisher nicht. Auch in Vermilion Parish selbst gibt es Zustimmung, vor allem mit Blick auf Jobs und Abwanderung.
Wie belastbar der Widerstand ist, wird sich rechtlich zeigen. In Texas endete der jahrelange Streit um die Sperre des Boca Chica Beach für Starship-Starts zuletzt vor dem Obersten Gerichtshof des Bundesstaates zugunsten von SpaceX. In Louisiana sind die Karten insofern anders verteilt, als der Bau noch nicht begonnen hat und das Bundesgenehmigungsverfahren offen ist. Genau dort setzt Stop SpaceX an.

