Meta-Tochter Manus startet Agenten, schneidet sich ein Scheibchen von OpenClaw ab
Es geht Schlag auf Schlag im Silicon Valley, nein, in der gesamten KI-Welt: Da hat Peter Steinberger, Schöpfer von OpenClaw, gerade erst angekündigt, dass er zu OpenAI wechselt und dort das Thema Agenten für alle aufarbeiten will (und OpenClaw in eine Stiftung steckt). Da kündigt die Meta-Tochter Manus aus China/Singapur an, dass es nun ebenfalls persönliche KI-Agenten auf den Markt bringt.
Zur Erinnerung: Mark Zuckerberg wollte Peter Steinberger ebenfalls bei sich arbeiten sehen, aber Sam Altman von OpenAI hat letztlich den Deal gemacht. Nun wird also Manus, das erst Ende Dezember 2025 von Meta um etwa zwei Milliarden Dollar übernommen wurde, ins Rennen um den besseren KI-Agenten geschickt. Vieles, (wenn auch nicht alles) erinnert stark an die Dinge, die OpenClaw seinen Usern verspricht.
Zuerst über Telegram, später auch WhatsApp
Denn Manus hat einen neuen Dienst vorgestellt, der vollwertige künstliche Intelligenz direkt in Messaging-Plattformen verspricht. Die Funktion namens Manus Agents startet zunächst auf Telegram und ermöglicht es Nutzern, komplexe digitale Arbeitsabläufe über gewöhnliche Chat-Nachrichten zu steuern. Das System unterscheidet sich grundlegend von einfachen Chatbots, da es über ein dauerhaftes Gedächtnis verfügt und mehrstufige Aufgaben eigenständig plant sowie ausführt.
Die Technologie speichert kontinuierlich Informationen über Schreibstil, Tonfall und persönliche Präferenzen der Anwender. Diese gelernten Muster wendet die KI automatisch auf neue Aufträge an. Nutzer können per Textnachricht Präsentationen erstellen, Webseiten programmieren oder Bildmaterial generieren lassen. Für diese Funktionen greift das System auf verknüpfte externe Dienste wie Gmail, Google Kalender oder Notion zu. Die Software analysiert dabei den Kontext eingehender Nachrichten und entwickelt selbstständig Arbeitsschritte im Hintergrund, ohne dass Anwender jeden Teilschritt manuell anstoßen müssen.
Einrichtung und Funktionsweise
Die Verbindung zwischen Manus und Telegram erfordert keine technischen Vorkenntnisse. Anwender öffnen in ihrem bestehenden Manus-Arbeitsbereich den Bereich für Agenten und scannen einen angezeigten QR-Code mit dem Smartphone. Die Kopplung erfolgt unmittelbar danach ohne Konfigurationsdateien oder Programmierschnittstellen. Das Unternehmen hat die Zugriffsrechte des Agenten strikt begrenzt: Die KI liest ausschließlich direkte Nachrichten im eigenen Chat-Verlauf und besitzt technisch keinen Zugang zu anderen Unterhaltungen, Gruppen oder Kontaktlisten. Nutzer können zudem zwischen verschiedenen Persönlichkeitseinstellungen wählen, die von prägnant über strukturiert bis gesprächig reichen. Ebenso lässt sich das zugrundeliegende KI-Modell auswählen – Manus 1.6 Max für tiefgreifende Denkprozesse oder Manus 1.6 Lite für schnellere Aufgaben.
Der Assistent verarbeitet unterschiedliche Medienformate direkt innerhalb von Telegram. Anwender senden Sprachnachrichten, Bilder oder Textdokumente in den Chat, woraufhin die KI Sprachaufnahmen sofort transkribiert und die dahinterliegende Absicht interpretiert. Die notwendigen Aktionen führt das System anschließend ohne manuelle Dateiverwaltung aus. Diese Funktionen stehen allen Nutzern unabhängig von ihrem gewählten Abonnement zur Verfügung.
Die Telegram-Anbindung dürfte für einige User problematisch sein – sie berichten via X, dass Telegram den Manus-Agenten möglicherweise blockiert hat, zumindest zeitweise.
Plattform-Strategie und Ausblick
Mit Manus Agents reagiert das Unternehmen auf die wachsende Nachfrage nach persönlichen KI-Assistenten, die durch Dienste wie OpenClaw sichtbar wurde. Während OpenClaw komplexe Einrichtungsprozesse, regelmäßige Wartung und unvorhersehbare Kosten mit sich bringt, zielt Manus auf eine niedrigschwellige Lösung für breite Nutzerkreise ab. Die Integration in bereits genutzte Kommunikationsmittel senkt die Einstiegshürde erheblich. Telegram bildet dabei lediglich den Auftakt – das Unternehmen bereitet bereits die Anbindung an Messenger vor, die in den kommenden Wochen erfolgen soll.
Für die nächsten dreißig Tage hat ein Mitgründer des Unternehmens umfangreiche Erweiterungen angekündigt. Geplant sind die Möglichkeit, spezialisierte Agenten zu erstellen und in Gruppenchats einzubinden, sowie die Unterstützung weiterer Plattformen wie WhatsApp, LINE, Slack und Discord. Darüber hinaus arbeitet Manus an nativen Anwendungen für Windows und Mac. Eine besonders weitreichende Funktion soll es der KI ermöglichen, den Computer des Nutzers direkt zu bedienen. Diese Entwicklungen zeigen, dass Manus die Steuerung komplexer Software zunehmend in alltägliche Kommunikationskanäle verlagert und damit die Grenze zwischen Messaging und produktiver Arbeitssoftware aufweicht.

