Einride-Gründer starten eigene VC-Firma nur Monate nach dem Börsengang
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Zwei Mitgründer:innen des schwedischen Scale-ups Einride starten eine eigene Investmentfirma. Robert Falck und Linnéa Kornehed Falck haben gemeinsam mit dem früheren McKinsey-Partner und Material-Economics-Mitgründer Robert Westerdahl Navisalma aufgesetzt, eine Plattform, die europäische Frontier-Technologie zu global führenden Unternehmen skalieren soll, wie sie im Rahmen der Kopenhagener Starup-Konferenz TechBBQ bekannt gegeben haben.
Falck ist CEO, Kornehed Falck und Westerdahl sind Founding Partner. Robert Falck und Linnéa Kornehed Falck sind verheiratet.
Die These: Europa hat ein Skalierungsproblem
Die Ausgangsdiagnose des Trios: Europa bringe Weltklasse-Forschung, Ingenieurskunst und Design hervor, mache daraus aber zu selten Kategorieführer. „Europa ist außergewöhnlich gut darin, Technologie zu schaffen, aber wir waren nicht ebenso gut darin, diese Technologie in Wert zu verwandeln“, wird Falck in der Aussendung zitiert. Statt das Silicon Valley zu kopieren, wolle man Frontier-Tech mit den europäischen Stärken in Engineering, Design, industrieller Exzellenz und Qualität kombinieren.
Operativ soll das als eine einzige Plattform funktionieren, die Investment, Produktentwicklung, Design, Markenaufbau und Skalierung bündelt, statt diese Disziplinen getrennt zu betreiben. Westerdahl beschreibt das Finanzierungsmodell als Brücke zwischen zwei Welten: dem Frontier-Tech-Mindset des Venture Capitals und der Skalierungs- und Wertsteigerungslogik von Private Equity. Design zählt Kornehed Falck ausdrücklich zum Kern und nicht zur Verpackung: „Die wichtigsten Technologieunternehmen der Welt werden nie allein durch Technologie definiert.“
40 Millionen zuerst, 450 Millionen als Ziel
Navisalma will laut Berichten rund 450 Mio. Euro einsammeln und über die kommenden drei Jahre in europäische Deep-Tech-Startups investieren, etwa in Robotik. Dieses Kapital ist noch nicht aufgestellt. Zunächst geht es um rund 40 Mio. Euro, die überwiegend bereits von den Gründer:innen selbst und weiteren Investor:innen zugesagt sein sollen und die operativen Kosten sowie erste Seed-Investments decken. Details zu möglichen Geldgeber:innen des großen Vehikels wurden nicht genannt. Das erklärte Ziel ist ambitioniert formuliert: zehn neue globale Marktführer in zehn Jahren.
Erstes Portfoliounternehmen ist das schwedische Startup Abundry, das mit KI und Decision Intelligence mehr Leistung aus bestehender Energieinfrastruktur holen will.
Abgespalten aus Einride
Der Ursprung der Firma liegt direkt im Konzern: Einride hat seine Designorganisation vor einigen Monaten verkauft. Käufer war Navisalma Design, ein neu gegründetes Designstudio von Kornehed Falck und Partner:innen. Der Bereich deckte Produktdesign, Industriedesign und Creative ab und hatte laut Einride zunehmend Anfragen externer Auftraggeber:innen erhalten.
Abgewickelt wurde die Transaktion als Business Transfer zum Marktwert auf Basis einer unabhängigen Drittbewertung. Einride hält weiterhin eine Minderheitsbeteiligung und hat einen Dreijahres-Retainer für Marke, Design und Marketing abgeschlossen. „Wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam aufgebaut haben“, sagte Einride-CEO Roozbeh Charli damals zur Ausgliederung.
Wo Einride heute steht
Das 2016 gegründete Unternehmen betreibt digitale, elektrische und autonome Frachtlösungen für große Verlader:innen in Nordamerika, Europa und dem Nahen Osten. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz bei 273 Mio. schwedischen Kronen, rund 27 Mio. Dollar, ein währungsbereinigtes Plus von 26 Prozent. Unter dem Strich stand ein Verlust von 1,12 Mrd. Kronen, der stark von Einmaleffekten geprägt war, darunter Rekapitalisierungskosten und aktienbasierte Vergütung im Zusammenhang mit dem Börsengang.
Bemerkenswert am Timing: Einride ist erst im Juni dieses Jahres via SPAC-Merger mit Legato Merger Corp. III an die Nasdaq gegangen, bewertet mit 1,35 Mrd. Dollar und gelistet unter den Tickern ENRD und ENRDW. Robert Falck, der die CEO-Rolle bereits davor an Charli übergeben hatte, ist dort Executive Chairman. Die neue Venture-Plattform startet also nur kurze Zeit nach dem Börsendebüt jenes Unternehmens, aus dem sie hervorgegangen ist.

