Q2 2026

Nvidia steigert mit KI-Chips Umsatz und Gewinn, aber auch die Verschuldung

Nvidia-CEO Jensen Huang © Nvidia
Nvidia-CEO Jensen Huang © Nvidia

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Nvidia hat soeben die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt, und sie fallen erneut größer aus als erwartet. Der Umsatz kletterte auf 96,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und von 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das Data-Center-Geschäft, das den Konzern trägt, kam allein auf 89,0 Milliarden Dollar (plus 117 Prozent). Die Bruttomarge lag bei 75,0 Prozent. Noch stärker als der Umsatz legte der operative Gewinn zu: 63,7 Milliarden Dollar bedeuten ein Plus von 124 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und von 19 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Je Aktie verdiente Nvidia 2,46 Dollar nach GAAP und 2,22 Dollar bereinigt.

Entscheidend für die Börse war jedoch der Ausblick: Für das laufende Quartal stellt Nvidia 108 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, plus/minus zwei Prozent. Analyst:innen hatten mit rund 104,2 Milliarden Dollar gerechnet, beim bereinigten Gewinn je Aktie mit 2,09 Dollar. Beide Marken hat der Konzern übertroffen.

Wie die Aktie reagiert hat

Vor den Zahlen war die Nvidia-Aktie im regulären Handel noch um 1,6 Prozent auf 209,66 Dollar gefallen. Nachbörslich drehte das Papier ins Plus und legte rund fünf Prozent auf etwa 219,55 Dollar zu. Im vorbörslichen Handel am Tag danach lag das Plus bei mehr als sieben Prozent, im regulären Handel pendelte sich der Kurs bei rund sechs Prozent im Plus ein. Getragen wurde der Anstieg vor allem von der Guidance, weniger vom abgelaufenen Quartal selbst.

Auch die Analyst:innen reagierten positiv: Unter anderem Goldman Sachs und die Citigroup hoben ihre Kursziele für die Aktie an. Zur Erinnerung: Beim vorangegangenen Quartalsbericht hatten Anleger:innen trotz Rekordumsatz eher skeptisch reagiert.

Zusätzlich hat Nvidia im Quartal rund 26,0 Milliarden Dollar über Aktienrückkäufe und Dividenden an die Aktionär:innen zurückgegeben. Für das laufende Rückkaufprogramm stehen noch etwa 99,0 Milliarden Dollar zur Verfügung, die nächste Quartalsdividende von 0,25 Dollar je Aktie wird Anfang Oktober ausgezahlt.

Die Wins

Das wichtigste Produktsignal: Die Vera-Rubin-Plattform ist in Vollproduktion und läuft bereits in Racks bei CoreWeave, Google Cloud, Microsoft Azure, Oracle Cloud Infrastructure und Nebius. Damit hat Nvidia den Generationswechsel nach Blackwell ohne sichtbaren Umsatzknick geschafft, was in der Vergangenheit die größte operative Schwachstelle solcher Übergänge war.

Beim Inferenz-Geschäft, dem am schnellsten wachsenden Teil des KI-Marktes, zahlt sich der 20-Milliarden-Dollar-Zukauf von Groq aus: Der Beschleuniger Groq 3 LPX ist nun in Vollproduktion. Dazu kommt mit Vera die erste eigene CPU, die speziell für KI-Agenten ausgelegt ist und unter anderem bei SpaceXAI zum Einsatz kommen soll.

Der größte einzelne Abschluss rund um die Zahlen kommt allerdings von Amazon: AWS und Nvidia haben zeitgleich eine massive Ausweitung ihrer Partnerschaft angekündigt. Zwei Millionen zusätzliche GPUs der Serien Blackwell Ultra, Rubin und Rubin Ultra sollen über die kommenden beiden Jahre in der globalen AWS-Infrastruktur landen. Erst bei der vergangenen GTC hatte AWS von mehr als einer Million Chips gesprochen, die Nachfrage übertraf diese Planung nach Angaben beider Konzerne deutlich.

Der Deal reicht über reine Stückzahlen hinaus. AWS holt sich auch Vera-CPUs ins Angebot, koppelt seine eigenen Trainium-Chips über NVLink Fusion an Nvidias neuen Custom-Speicher NVHBM und baut mit Nvidia KI-Fabriken für die US-Regierung, darunter 100.000 GPUs auf abgesicherter Infrastruktur für Behörden und nationale Sicherheit ab Impact Level 6. Dazu kommen Nemotron-Modelle auf Bedrock und SageMaker, GPU-beschleunigte Datenverarbeitung auf EMR und OpenSearch sowie der Einsatz von Nvidias Physical-AI-Stack bei Amazon Robotics. Bemerkenswert ist dabei, dass ausgerechnet der Hyperscaler mit dem am weitesten entwickelten eigenen KI-Chip seine Nvidia-Abhängigkeit vertieft und beide Architekturen in ein gemeinsames Rack-Design bringt.

Auf der Finanzierungsseite hat Nvidia gemeinsam mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR Plattformen aufgesetzt, die über 500 Milliarden Dollar an Drittkapital für den Ausbau von KI-Infrastruktur mobilisieren sollen. Der Konzern sichert damit die Nachfrage seiner Kund:innen ab, ohne die Summen selbst bilanzieren zu müssen.

Geografisch breitet sich das Geschäft weiter aus: nationale KI-Infrastruktur in Japan, Gigawatt-Projekte in Korea mit SK Telecom, NAVER und Brookfield, eine mehrjährige Speicher-Partnerschaft mit SK hynix sowie 35 neue KI-Supercomputer, die in Europa entstehen. Im Edge-Geschäft (7,2 Milliarden Dollar, plus 27 Prozent) kommen die Windows-Offensive mit Microsoft rund um RTX Spark und der Robotaxi-Stack DRIVE Hyperion mit Foxconn, VinFast, Uber und HUMAIN dazu.

Wo es Probleme geben kann

China bleibt der größte weiße Fleck. In der Prognose von 108 Milliarden Dollar ist kein einziger Dollar Data-Center-Umsatz aus China enthalten. Das schafft Spielraum nach oben, falls sich die Exportlage entspannt, macht aber sichtbar, wie vollständig Nvidia einen der größten Rechenzentrumsmärkte der Welt abgeschrieben hat.

Zweitens die Marge. Für das laufende Quartal stellt Nvidia 74,0 Prozent Bruttomarge in Aussicht, nach 75,0 Prozent zuletzt. Gleichzeitig wachsen die operativen Kosten mit 55 Prozent im Jahresvergleich, teurerer Speicher und komplexere Rack-Systeme schlagen durch.

Drittens die Zusammensetzung des Gewinns. Üblicherweise fällt der bereinigte Gewinn höher aus als der GAAP-Wert, weil Posten wie aktienbasierte Vergütung herausgerechnet werden. Diesmal ist es umgekehrt: 59,7 Milliarden Dollar nach GAAP stehen 54,0 Milliarden Dollar bereinigt gegenüber. Die Differenz von rund 5,7 Milliarden Dollar stammt aus Effekten außerhalb des operativen Geschäfts, die Nvidia selbst wieder herausrechnet, typischerweise Bewertungsgewinne auf Beteiligungen. Dieser Teil des ausgewiesenen Gewinns entsteht also aus gestiegenen Firmenbewertungen, während der Verkauf von Chips davon unberührt bleibt. Sichtbar wird das auch im Quartalsvergleich: Der GAAP-Gewinn wuchs um zwei Prozent, der bereinigte um 18 Prozent. Weil Nvidia an vielen dieser Firmen beteiligt ist und sie zugleich beliefert, setzt genau hier die Debatte über zirkuläre Finanzierung zwischen OpenAI, Nvidia und Oracle an. Parallel ist die Verschuldung des Konzerns von 8,5 auf 33,4 Milliarden Dollar gestiegen, hinzu kommen mehrjährige Infrastruktur-Zusagen im Volumen von rund 366 Milliarden Dollar.

Viertens die Kundenkonzentration. Der Löwenanteil des Data-Center-Umsatzes verteilt sich auf eine überschaubare Zahl von Hyperscalern, Neoclouds und Frontier-Labs. Zusagen wie jene von AWS über zwei Millionen GPUs zeigen die Kehrseite des Wachstums: Ein einzelner Kunde kann einen erheblichen Teil der künftigen Auslastung bewegen. Mehrere dieser Kund:innen arbeiten zudem an eigener Hardware, OpenAIs Jalapeño-Chip ist das prominenteste Beispiel, und Amazon führt mit Trainium eine eigene Linie weiter, die über NVLink Fusion zwar angebunden wird, aber langfristig um dieselben Workloads konkurriert.

Und schließlich der physische Engpass: Die Partnerschaft mit SB Energy zur Sicherung von Grundstück, Stromanschluss und Gebäudehülle auf einem Technologiecampus in Ohio zeigt, dass die Grenze des Wachstums inzwischen weniger bei den Chips liegt als bei Energie und Fläche.

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