Bitcoin pendelt sich vor Gipfeltreffen der Notenbanker bei 80.000 Dollar ein
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Die Marken fallen im Wochentakt. Vor Kurzem stand noch die Frage im Raum, ob Bitcoin die 70.000 Dollar knackt, wenig später waren es 75.000. Jetzt pendelt der Kurs um 80.000 Dollar und liegt rund 1,5 Prozent über dem Stand von vor 24 Stunden. Die Bewegung hat auch die Aktien der Krypto-Branche erfasst: Strategy (MSTR) legte um mehr als vier Prozent zu, Strive Asset Management (ASST) um sechs Prozent, Coinbase (COIN) um drei Prozent.
Der Anstieg fällt zusammen mit dem Auftakt des Jackson-Hole-Symposiums der US-Notenbank, bei dem der neue Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag seine erste Grundsatzrede in dieser Funktion hält.
Der Markt in Zahlen
Die Bewegung reicht über Bitcoin hinaus, breit über die großen Kryptowährungen. Die folgende Momentaufnahme zeigt die Kurse ohne die Stablecoins USDT und USDC sowie ohne gestakte und verpackte Derivate wie stETH:
| Coin | Preis | 24 Stunden | 7 Tage |
|---|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 79.415 USD | +1,5 % | +10,6 % |
| Ethereum (ETH) | 2.501 USD | +1,8 % | +9,7 % |
| BNB | 707 USD | +0,9 % | +10,3 % |
| XRP | 1,42 USD | +0,9 % | +19,7 % |
| Solana (SOL) | 103,79 USD | +7,3 % | +19,6 % |
| TRON (TRX) | 0,34 USD | +0,1 % | -0,4 % |
| Hyperliquid (HYPE) | 81,91 USD | +0,1 % | +15,0 % |
| Dogecoin (DOGE) | 0,0883 USD | +2,2 % | +15,1 % |
| Zcash (ZEC) | 779,63 USD | -0,4 % | +38,1 % |
Acht Tage Zuflüsse in die ETFs
Getragen wird die Rally von institutionellem Geld. Die US-Spot-ETFs auf Bitcoin verzeichneten zuletzt rund 232 Millionen Dollar an Nettozuflüssen, die achte Handelssitzung mit Zuflüssen in Folge. Über die gesamte Serie sind laut den Daten von SoSoValue etwa 2,8 Milliarden Dollar in die Fonds geflossen. Die Ether-ETFs kommen auf dieselbe Zahl an Tagen, zuletzt mit etwa 192 Millionen Dollar, ihre Serie summiert sich auf mehr als eine Milliarde. Kleinere Altcoin-Produkte folgten der Richtung: XRP-Fonds zogen 28 Millionen Dollar an, HYPE-Produkte 15 Millionen, Solana neun Millionen.
Damit liegen die Zuflüsse der Bitcoin-Fonds im laufenden Monat über drei Milliarden Dollar. Das ist der stärkste Monat des Jahres 2026 und etwa das Doppelte des April-Werts. Das Nettovermögen der Fonds lag zuletzt knapp über 99 Milliarden Dollar, verglichen mit rund 77 Milliarden Mitte des Monats. Der größte Teil dieses Zuwachses von 22 Milliarden stammt allerdings aus Kursgewinnen, ein kleinerer Teil aus frischem Kapital. BlackRocks IBIT nimmt den Großteil auf, zuletzt rund 62 Prozent eines Tagesvolumens und etwa 1,3 Milliarden Dollar in der Vorwoche.
Für das Gesamtjahr bleibt die Bilanz negativ: Über alle Bitcoin-ETFs hinweg stehen 2026 rund 2,5 Milliarden Dollar an Nettoabflüssen zu Buche. Der August hat damit etwas mehr als die Hälfte dessen zurückgeholt, was zwischen Mai und Juli abgezogen wurde. Drei Handelstage bleiben im Monat, weitere rund 160 Millionen Dollar würden den August zum stärksten Zuflussmonat seit Oktober 2025 machen. Zu den Hintergründen der Bewegung über die 80.000er-Marke, unter anderem einem Short Squeeze, hat Trending Topics hier berichtet.
Warum Jackson Hole für die Märkte zählt
Das Economic Policy Symposium wird von der Federal Reserve Bank of Kansas City ausgerichtet und findet heuer von Donnerstag bis Samstag statt. Begonnen hat die Veranstaltung 1978 als Fachtagung zur Agrarökonomie, 1982 übersiedelte sie nach Wyoming, auch um den damaligen Fed-Chef Paul Volcker anzulocken, einen begeisterten Fliegenfischer. Heute kommen dort rund 120 Notenbanker:innen, Ökonom:innen und Finanzmarktvertreter:innen aus mehr als 70 Ländern zusammen.
Die Aufmerksamkeit der Märkte erklärt sich aus dem Charakter der Veranstaltung. Anders als bei einer regulären Sitzung des Offenmarktausschusses steht in Wyoming der Rahmen im Vordergrund, also die Frage, wie die Notenbank ihre Aufgabe interpretiert. Für Anlageklassen, die stark an der globalen Liquidität hängen, Bitcoin eingeschlossen, ist genau das relevant.
Was von Warsh erwartet wird
Kevin Warsh steht seit Mai an der Spitze der Fed, der Senat bestätigte ihn mit 58 zu 42 Stimmen. Sein Auftritt am Freitagvormittag US-Zeit ist die erste Jackson-Hole-Rede in seiner neuen Rolle, und traditionell nutzen neue Vorsitzende diesen Slot, um ihre Denkweise offenzulegen.
Der Handlungsdruck ist beträchtlich. Der Leitzins liegt bei 3,50 bis 3,75 Prozent, zuletzt hat der Ausschuss zum fünften Mal in Folge pausiert, wobei drei Mitglieder für eine Anhebung um 25 Basispunkte stimmten. Der Kern-PCE-Deflator verharrt bei rund 3,3 Prozent und damit deutlich über dem Ziel von zwei Prozent. Das CME FedWatch Tool preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von etwa 45 Prozent für eine Zinserhöhung bis zur Dezember-Sitzung ein. Zugleich ist die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen zwischenzeitlich auf 5,31 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit 2007.
Warsh hat bislang auf Forward Guidance verzichtet, und mehrere Analyst:innen rechnen damit, dass er sich auch in Wyoming nicht auf den September festlegt. Gregory Daco, Chefökonom von EY-Parthenon, verweist gegenüber Fox Business auf den großen Appetit der Märkte danach, dass Warsh seine Sicht auf Inflation, Arbeitsmarkt und Geldpolitik klarer macht. MarketWatch beschreibt die Rede als Gelegenheit, das Vertrauen der eigenen Kolleg:innen und der Investor:innen zu gewinnen, die seinem Kurs in der Inflationsbekämpfung und seiner Nähe zum Weißen Haus bislang skeptisch gegenüberstehen.
Das Thema trifft die Krypto-Branche direkt
Für den Krypto-Markt kommt ein zweiter Kanal dazu. Das Symposium steht heuer unter dem Titel „Financial Innovation: Implications for Payments and Policy“, erstmals rücken damit digitale Zahlungen und Finanztechnologie ins Zentrum des Programms, wo sonst Inflation und Zinsen stehen. Auf der Agenda stehen damit Fragen, die Stablecoins, tokenisierte Einlagen, die Aufsicht unter dem GENIUS Act und die Position der Fed zu digitalem Zentralbankgeld betreffen. Warsh selbst bringt hier eine ungewöhnliche Vorgeschichte mit. Aus seiner Ethikerklärung im Frühjahr ging hervor, dass er in mehr als ein Dutzend Blockchain-Protokolle und DeFi-Projekte investiert war, diese Positionen löste er mit der Bestätigung im Amt auf. Ein Fed-Vorsitzender mit offengelegten Krypto-Beteiligungen in der Vergangenheit ist ein Novum.

