Traxit: 19 ehemalige Tractive-Führungskräfte investieren jetzt Millionen in Startups
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Der Name ist Programm: Traxit ist ein Kunstwort aus Tractive und Exit, und er verweist direkt auf jenen Deal, der einige der Beteiligten sehr reich gemacht hat. Nachdem der italienische App-Konzern Bending Spoons das oberösterreichische Scale-up Tractive übernommen hat, gründen 19 ehemalige Mitglieder des Tractive Leadership Teams gemeinsam die Traxit GmbH und investieren einen Teil des Erlöses in die nächste Generation von Startups.
Mit an Bord sind unter anderem Tractive-Gründer Michael Hurnaus und Wolfgang Reisinger sowie Bernhard Trauner, ehemals VP Finance bei Tractive, und Maria Rupprechter, ehemals Chief of Staff. Trauner und Rupprechter führen die Traxit GmbH auch als Geschäftsführer:innen.
Niedriger siebenstelliger Betrag, eigenes Geld
Das Investmentvehikel startet mit einem Kapital im niedrigen siebenstelligen Bereich, das die 19 Mitglieder selbst eingebracht haben. Den genauen Betrag will das Team nicht offenlegen. Pro Unternehmen sollen typischerweise zwischen 50.000 und 150.000 Euro fließen. Die finale Entscheidung über jedes Investment trifft ein internes Investment Committee, das jede Opportunity strukturiert bewertet.
Im Fokus stehen Early-Stage-Unternehmen, die bereits erste Umsätze erzielen. Inhaltlich interessiert sich Traxit vor allem für Geschäftsmodelle mit Consumer-Fokus, wiederkehrende Umsätze, Kombinationen aus Hardware und Subscription sowie Firmen aus dem Pet-Tech- und Haustierbereich, also jenem Segment, in dem Tractive mit seinen GPS-Trackern für Hunde und Katzen groß geworden ist. Einen fixen geografischen Fokus gibt es nicht, ein relevanter Teil der Investments soll aber bewusst in Österreich erfolgen.
Vier Beteiligungen stehen bereits fest
Noch vor der offiziellen Vorstellung hat Traxit vier Investment Commitments abgegeben. Zwei der ersten Beteiligungen kommen aus Österreich, davon eine aus Oberösterreich und eine aus Wien. Je ein weiteres Investment geht nach Deutschland und nach Großbritannien. Welche Unternehmen das sind, gibt Traxit vorerst nicht bekannt.
Die 19 Mitglieder bringen nach eigenen Angaben zusammen mehr als 100 Jahre Tractive-Erfahrung mit, dazu Stationen bei Microsoft, Amazon, Trivago, Zalando und KPMG. Abgedeckt werden Themen von Strategie und Internationalisierung über Marketing, Growth, Data und AI bis zu Software Engineering, Product, Finance und Operations.
Neben Kapital sollen die Portfoliounternehmen Zugriff auf dieses Know-how bekommen, etwa über Sparring Calls, Workshops oder Vermittlung von Kontakten zu Talenten, Partnern und weiteren Investor:innen.
„Wir wollen für Gründerinnen und Gründer der Angel Investor sein, den wir uns selbst am Anfang gewünscht hätten“, sagt Michael Hurnaus, Gründer und ehemaliger CEO von Tractive. Er verweist auf die eigene Frühphase: Die Runtastic-Gründer und Hansi Hansmann hätten Tractive damals nicht allein Geld gegeben, sondern auch Erfahrung, Kontakte und konkreten Rat. „Mit Traxit möchten wir genau diese Form der Unterstützung weitergeben.“
„Wenn wir investieren, möchten wir für die Gründerinnen und Gründer erreichbar sein“, sagt Rupprechter. „Manchmal braucht es einen zweistündigen Workshop, manchmal eine Vernetzung mit einer bestimmten Person und manchmal einfach eine Sparring Session mit jemandem, der ein ähnliches Thema bereits selbst erlebt hat.“
Rupprechter zum Jobabbau bei Tractive
Der Exit an Bending Spoons hat in Oberösterreich auch eine zweite Geschichte hinterlassen: Der italienische Käufer, der laut Bilanzunterlagen rund 770 Millionen Euro für Tractive gezahlt hat, hat kurz nach der Übernahme mehr als die Hälfte der Stellen gestrichen. Auf die Frage nach diesem Personalabbau sagt Rupprechter, die Entscheidung habe Bending Spoons ohne Einbindung des ehemaligen Tractive Leadership Teams getroffen. Der Konzern werde einige Bereiche selbst abbilden und andere mit AI.
„Wir freuen uns, dass einige der vom Abbau betroffenen Kolleg:innen bereits neue Jobs gefunden haben“, so Rupprechter. Sie sei überzeugt, dass auch die anderen rasch neue Möglichkeiten finden werden, weil Tractive ausgezeichnete und talentierte Mitarbeitende gehabt habe und es eine starke Community aus Tractive Friends und Alumni gebe.
Der Abgang des Führungsteams selbst sei planmäßig verlaufen und bei Akquisitionen von Bending Spoons üblich, erklärt Rupprechter: Der Großteil des Leadership Teams habe das Unternehmen in den ersten Wochen nach der Übernahme verlassen. Auch Firmengründer Hurnaus hatte seinen Rückzug schon beim Closing angekündigt.
Der Kreislauf nach dem Exit
Mit Traxit wiederholt sich ein Muster, das der österreichische Startup-Standort schon einmal erlebt hat. Nach dem Runtastic-Verkauf an Adidas investierten die Gründer in zahlreiche junge Unternehmen und gaben Kapital, Erfahrung und Netzwerke weiter. Die Tractive-Gründer waren in den vergangenen Jahren bereits als Business Angels aktiv und haben dadurch einen wachsenden Dealflow aufgebaut.
„Für ein funktionierendes Startup-Ökosystem braucht es diesen Kreislauf“, sagt Hurnaus. „Menschen bauen Unternehmen auf, sammeln Erfahrungen, erzielen im besten Fall einen erfolgreichen Exit und investieren anschließend Kapital, Know-how und Zeit in die nächste Generation.“
