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OnZero: Wie Wiener Unternehmer Abwärme von KI-Zentren in Fernwärmenetze umleiten

© OnZero
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Früher waren sie im Krypto-Mining unterwegs, heute surfen sie voll auf der KI-Welle: Ein Unternehmen mit Wiener Wurzeln liefert künftig Abwärme aus KI-Rechenleistung in das Fernwärmenetz der finnischen Hauptstadt: OnZero Finland Oy, eine Tochter der Wiener OnZero Alpha Holdings GmbH, hat kürzlich einen Vertrag mit dem Energieversorger Helen Oy unterzeichnet. Helen gehört der Stadt Helsinki und zählt zu den größten Energieunternehmen Finnlands.

Die Anlage, die OnZero als „AI Heat Factory“ bezeichnet, soll jährlich bis zu 525.000 MWh Wärme bereitstellen. Das entspricht nach Angaben der beiden Partner dem Wärmebedarf von rund 70.000 Wohnungen in Helsinki und rechnerisch einer thermischen Dauerleistung von etwa 60 MW. Die Inbetriebnahme ist derzeit für das kommende Jahr vorgesehen.

Flüssigkeitskühlung statt Verdunstung

Technisch setzt OnZero auf eine flüssigkeitsgekühlte Architektur, die von Beginn an auf Wärmerückgewinnung ausgelegt ist. Während klassische Rechenzentren die Abwärme ihrer Server großteils an die Umgebung abgeben, sind die flüssigkeitsgekühlten Systeme des Unternehmens darauf ausgelegt, bis zu 99 Prozent der bei KI-Rechenprozessen entstehenden Abwärme zurückzugewinnen und bei für Fernwärmenetze geeigneten Temperaturen bereitzustellen. Weil die Wärme ins Netz abgeführt wird und nicht über Verdunstungskühlung, geben die Betreiber den Wasserverbrauch vor Ort mit null an. Wo zurückgewonnene Wärme Erdgas ersetzt, beziffert OnZero die Einsparung mit etwa 1.500 Tonnen CO2 pro MW installierter Wärmerückgewinnungsleistung und Jahr.

Für Helen ist das Modell kein Neuland: Der Versorger nutzt Abwärme aus Rechenzentren seit 2010 und hat unter anderem Verträge mit Equinix geschlossen. „Helen kann die aus dem Rechenzentrum von OnZero zurückgewonnene Abwärme im Fernwärmesystem von Helsinki nutzen“, sagt Tuukka Toivonen, COO für Strategie und M&A bei Helen. Das sei ein kosteneffizienter Weg, um Verbrennungsprozesse in der Wärmeerzeugung zu reduzieren. Bis 2040 will das Unternehmen ganz aus der verbrennungsbasierten Energieerzeugung aussteigen.

„Wir haben OnZero mit einem klaren Ziel gegründet: die Kosten von KI zu senken, indem wir leistungsfähige KI-Infrastruktur mit der effizienten Rückgewinnung und Nutzung von Rechenwärme kombinieren“, sagt OnZero-CEO Ali Siddiqui in der Aussendung.

Wer hinter OnZero steckt

Die operative Gesellschaft OnZero Global Solutions GmbH sitzt im Quartier Belvedere in Wien-Favoriten, als Geschäftsführer sind Vlado Stanic und Alexander Dietrich eingetragen. Die beiden kommen aus der Krypto-Infrastruktur: Sie standen zuvor hinter Blockbase Mining, einem Anbieter von Mining-as-a-Service, der seine ersten Anlagen in Containern neben österreichischen Kleinwasserkraftwerken betrieb. Genau diese Erfahrung mit stromintensiven Rechenanlagen an günstigen Energiestandorten ist die Grundlage des heutigen Geschäftsmodells.

An der Spitze des Managements steht mit Ali J. Siddiqui ein international bekannter Financier. Laut Firmenangaben war er Mitgründer des CO2-freien Stahlprojekts AGSI, Gründer von JS Private Equity und Botschafter Pakistans in den USA. CFO ist Christoph Cerar, zuvor Group CFO bei Steyr Motors und in leitender Finanzfunktion beim Kühlgerätehersteller AHT (Daikin-Gruppe). COO Stephen Smith war Mitgründer von JS Private Equity und CFO von Techpacific Capital in Hongkong. Die Wärmetechnik verantwortet Antti Porkka, der bei Calefa Systeme zur Abwärmenutzung aufgebaut hat.

Sein Geld verdient OnZero nach eigener Darstellung an drei Stellen gleichzeitig: mit Rechenleistung für KI- und Blockchain-Workloads, mit dem Verkauf der Wärme an Fernwärmeversorger und mit Dienstleistungen zur Netzstabilisierung, weil sich Rechenlasten flexibel steuern lassen.

Zwei Standorte laufen bereits

Helsinki wäre der bisher mit Abstand größte Standort des Unternehmens. In Betrieb sind laut Firmenwebsite bislang zwei Anlagen in Finnland: Kemijärvi in Lappland ging Mitte des Vorjahres ans Netz, Kerava bei Helsinki folgte im Herbst. Zusammen haben sie bisher rund 30.700 MWh Wärme geliefert, was nach Angaben des Unternehmens etwa 3.800 Haushalten entspricht. Als Effizienzwert nennt OnZero für beide Standorte eine PUE von 1,02, was sehr niedrig ist. Im schwedischen Fagersta ist ein weiterer Standort in Entwicklung.

Das Projekt soll zugleich als Referenz für die geplante Expansion des Unternehmens in weitere europäische Länder dienen. OnZero zielt dabei auf Regionen, in denen wachsender Bedarf an KI-Rechenleistung auf bestehende Fernwärmenetze oder andere Wärmeabnehmer wie die Industrie trifft.

Der Ansatz trifft einen Nerv: Mit dem KI-Boom steigt der Strombedarf von Rechenzentren rasant, gleichzeitig verlangt die EU-Energieeffizienzrichtlinie, Abwärme zu nutzen, wo es technisch und wirtschaftlich möglich ist. In Österreich hing dieselbe Idee lange an der geplanten AI Gigafactory in Wien, deren Abwärme nach den Plänen der Stadt Hunderttausende Haushalte über das Fernwärmenetz mitversorgen sollte. Genau diese Standortbindung ließ sich mit den geänderten EU-Vorgaben, die stärker auf den Einkauf von Rechenleistung als auf eine klassische Partnerschaft abzielen, nicht mehr durchsetzen: Wien verzichtete schließlich auf die Bewerbung.

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