Wien verzichtet auf Bewerbung für AI Gigafactory
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Österreich hat für die geplanten europäischen KI-Gigafabriken keine Finanzierungszusage abgegeben. Damit ist Wien beim EU-Call aus dem Rennen. Hinter den Kulissen wird aber bereits an einem Ersatz gearbeitet.
Aus dem erhofften europäischen Prestigeprojekt für Wien wird vorerst nichts. Die Europäische Kommission hat am Donnerstag die Ausschreibung für bis zu sieben sogenannte AI Gigafactories veröffentlicht – und das dabei gewählte Modell schließt Wien faktisch aus. Die Stadt hatte sich gemeinsam mit dem Bund als möglicher Standort positioniert. Berichtet hat darüber zuerst das Ö1-Morgenjournal.
Der Knackpunkt liegt in der Finanzierung: Insgesamt sollen zehn Milliarden Euro von der EU und den co-finanzierenden Ländern kommen, weitere 20 Milliarden Euro von Industrie und privaten Investoren. Laut EU-Kommission werden die Projekte je zur Hälfte von der EU und dem jeweiligen Standortland getragen. 18 Länder haben diese Finanzierungszusicherung abgegeben – Österreich war nicht darunter. Nach Aussagen von EU-Beamten, die Ö1 zitiert, bedeutet das: Wien ist als Standort einer Gigafactory nicht mehr im Rennen, die Anlagen sollen ab 2028 in anderen Ländern entstehen.
Was Wien geplant hatte
Ursprünglich hatte die Stadt große Hoffnungen in das Vorhaben gesetzt. Eine der geplanten Anlagen sollte nach Wien geholt und mit der städtischen Energieinfrastruktur verbunden werden. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Abwärme des Rechenzentrums: Sie hätte in das Wiener Fernwärmenetz eingespeist und für die Wärmeversorgung von Haushalten genutzt werden sollen.
Bereits im Mai hatte Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) kritisiert, dass sich das Vorhaben von einer klassischen Standortförderung in Richtung einer gemeinsamen europäischen Beschaffung entwickle. Mit der nun veröffentlichten Ausschreibung ist klar, dass die ursprüngliche Wiener Bewerbung in dieser Form nicht umgesetzt wird.
„Veränderte Ausgangslage“
In einem Posting auf LinkedIn hat sich Novak nun ausführlicher zur veränderten Lage geäußert. „Der nun veröffentlichte EU-Call verändert die Ausgangslage“, schreibt die Stadträtin. „Ursprünglich standen Infrastruktur und Standortentwicklung stärker im Mittelpunkt. Jetzt geht es der EU vor allem um die langfristige Abnahme von Rechenleistung für Künstliche Intelligenz (KI). Damit verändern sich auch die Rahmenbedingungen für Standorte wie Wien.“
Aufgeben will die Stadt das Thema Rechenzentren dennoch nicht. „Für Wien geht es dabei nie nur um ein Rechenzentrum“, so Novak. „Es geht um digitale Infrastruktur, Innovation und gute Arbeitsplätze. Und es geht darum, wie daraus ein konkreter Nutzen für die Menschen in unserer Stadt entstehen kann.“
Als Standortvorteile führt sie Forschungseinrichtungen, Unternehmen und die Energieversorgung an: „Wien bietet starke Forschungseinrichtungen, innovative Unternehmen und die notwendige Energieversorgung.“ Und weiter: „Ein besonderer Vorteil: Die bei einem Rechenzentrum anfallende Abwärme kann für das Wiener Fernwärmenetz genutzt werden.“

