KI-Disruption

ChatGPT-Macher fordert Einführung der Roboter-Steuer und die 4-Tage-Woche

"4NE-1" Roboter von Neura. © Neura Robotics
"4NE-1" Roboter von Neura. © Neura Robotics

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Der US-amerikanische KI-Konzern OpenAI hat ein umfangreiches Positionspapier veröffentlicht, in dem er Regierungen weltweit zu einer aktiven Industriepolitik im Umgang mit künstlicher Intelligenz aufruft. Das Dokument mit dem Titel „Industrial Policy for the Intelligence Age“ richtet sich in erster Linie an die US-amerikanische Politik, beansprucht aber ausdrücklich globale Relevanz.

Die KI-Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden unterschiedlich bewertet. Zum einen sieht man bei Tech-Konzernen große Entlassungswellen, zu denen gerne kommuniziert wird, dass man auch mit Hilfe von AI effizienter werde und weniger Personal brauche; zum anderen sagen viele Unternehmen, dass KI noch nicht so weit sei, um ganze Jobs zu ersetzen.

Was OpenAI vom Arbeitsmarkt erwartet

OpenAI zeichnet jedenfalls ein einschneidendes Bild des künftigen Arbeitsmarkts. Bereits heute, so das Unternehmen, können KI-Systeme Aufgaben übernehmen, für die Menschen bislang Stunden benötigen. Der nächste Schritt werde darin bestehen, dass Systeme ganze Projekte abwickeln, die heute Wochen oder Monate in Anspruch nehmen.

„This shift will reshape how organizations run, how knowledge is created, and how people find meaning and opportunity.“

OpenAI erwartet keine gleichmäßige Verteilung dieser Veränderungen. Bestimmte Berufsgruppen und Regionen werden stärker betroffen sein als andere. Das Unternehmen warnt ausdrücklich davor, dass wirtschaftliche Gewinne sich bei wenigen Konzernen konzentrieren könnten, während Arbeitnehmer zwar produktiver werden, aber nicht zwingend am Mehrwert teilhaben. Gleichzeitig sieht OpenAI neue Chancen: Berufe im Bereich menschlicher Fürsorge, Bildung und Gemeinschaftsdienste könnten als Auffangbecken für verdrängte Arbeitskräfte dienen, da menschliche Verbindung in diesen Feldern unersetzlich bleibe.

Die zentralen Forderungen an Regierungen

Offene Wirtschaft und breite Teilhabe

OpenAI fordert Regierungen auf, KI-Zugang als Grundrecht zu behandeln, vergleichbar mit der Einführung von Elektrizität oder dem Internet. Konkret schlägt das Unternehmen vor, günstige oder kostenlose Zugangspunkte zu KI-Basismodellen zu schaffen und Schulen, Bibliotheken sowie benachteiligte Gemeinschaften gezielt einzubeziehen.

  • Arbeitnehmerrechte stärken: Beschäftigte sollen formelle Mitsprache bei KI-Einführungen im Betrieb erhalten, um sicherzustellen, dass Technologie die Arbeitsqualität verbessert und keine gefährlichen oder ausbeuterischen Bedingungen schafft.
  • Förderung von KI-Unternehmertum: Mikrozuschüsse und praktische Unterstützungsstrukturen sollen Arbeitnehmern helfen, ihr Fachwissen in neue Unternehmen umzuwandeln.
  • Steuerreform: Da KI die Steuerbasis durch sinkende Lohneinkommen und steigende Kapitalgewinne verschieben könnte, soll die Steuerpolitik angepasst werden, etwa durch höhere Kapitalertragssteuern und Abgaben auf automatisierte Arbeit.
  • Öffentlicher Wohlstandsfonds: Ein staatlicher Fonds soll jeden Bürger direkt am Wachstum der KI-Wirtschaft beteiligen, unabhängig vom eigenen Kapitalbesitz.
  • Energieinfrastruktur: Öffentlich-private Partnerschaften sollen den Ausbau des Stromnetzes beschleunigen, wobei Haushalte nicht für KI-Rechenzentren subventionieren sollen.
  • Effizienzdividenden: Produktivitätsgewinne durch KI sollen in kürzere Arbeitszeiten wie etwa einer 4-Tage-Woche bzw. 32-Stunden-Woche, bessere Sozialleistungen und höhere Rentenbeiträge umgewandelt werden.
  • Adaptive Sicherheitsnetze: Bestehende Sozialsysteme wie Arbeitslosenversicherung und Gesundheitsversorgung sollen automatisch hochgefahren werden, wenn definierte Schwellenwerte für wirtschaftliche Disruption überschritten werden.
  • Portable Sozialleistungen: Renten, Krankenversicherung und Weiterbildungsansprüche sollen an Personen statt an Arbeitgeber gebunden sein.

Resilienz der Gesellschaft und Sicherheitsarchitektur

Im zweiten Teil des Papiers adressiert OpenAI die Risiken fortgeschrittener KI-Systeme und schlägt institutionelle Sicherheitsmechanismen vor. Das Unternehmen betont, dass Sicherheit mit der Leistungsfähigkeit der Systeme Schritt halten müsse.

  • Sicherheitssysteme für Hochrisikobereiche: Werkzeuge zur Erkennung und Eindämmung von Missbrauch in den Bereichen Cybersicherheit und Biologie sollen entwickelt und skaliert werden.
  • KI-Vertrauensarchitektur: Verifizierungsstandards und datenschutzkonforme Protokollierungssysteme sollen Transparenz und Rechenschaftspflicht bei KI-Aktionen gewährleisten.
  • Prüfregime: Unabhängige Auditoren sollen Hochrisikosysteme vor und nach der Markteinführung bewerten. Diese Anforderungen sollen nur für eine kleine Zahl besonders leistungsfähiger Modelle gelten, um Innovation nicht zu behindern.
  • Eindämmungspläne: Koordinierte Notfallpläne für den Fall, dass gefährliche KI-Systeme unkontrolliert verbreitet werden, sollen entwickelt und getestet werden.
  • Unternehmensgovernance: KI-Unternehmen sollen Strukturen einführen, die das öffentliche Interesse verankern, etwa in Form von Gesellschaftsformen mit gemeinnütziger Ausrichtung.
  • Regeln für staatliche KI-Nutzung: Klare gesetzliche Grenzen für den Einsatz von KI durch Behörden sollen demokratische Kontrolle sicherstellen.
  • Öffentliche Beteiligung: Bürgerinnen und Bürger sollen strukturierte Möglichkeiten erhalten, die Werte und Verhaltensweisen von KI-Systemen mitzugestalten.
  • Internationale Koordination: Ein globales Netzwerk von KI-Instituten soll Informationen über Risiken und Sicherheitsmaßnahmen austauschen, ähnlich bestehender multilateraler Sicherheitsinstitutionen.

Einordnung und Selbstverständnis

OpenAI betont ausdrücklich, dass das Papier keine abgeschlossenen Empfehlungen darstellt, sondern einen Gesprächseinstieg. Das Unternehmen räumt ein, nicht alle Antworten zu kennen, und lädt Regierungen, Zivilgesellschaft und Forschung zur Mitgestaltung ein. Gleichzeitig ist das Dokument ein deutliches Signal: OpenAI sieht sich als politischen Akteur, der den Rahmen für die Regulierung von KI aktiv mitprägen will.

„The transition to superintelligence is not a distant possibility, it’s already underway, and the choices we make in the near term will shape how its benefits and risks are distributed for decades to come.“

Zur Umsetzung kündigt OpenAI konkrete Schritte an: ein Feedback-Programm, Forschungsstipendien von bis zu 100.000 US-Dollar sowie API-Guthaben im Wert von bis zu einer Million Dollar für politiknahe Forschung. Zudem soll ein neues OpenAI-Büro in Washington, D.C. als Diskussionsplattform dienen.

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