Overview Energy: Startup soll für Meta Solarenergie aus dem All auf die Erde beamen
Der Energiehunger der KI-Rechenzentren treibt immer buntere Blüten, was das Anzapfen neuer Quellen angeht: So hat der US-Technologiekonzern Meta jetzt eine Vereinbarung mit dem Startup Overview Energy geschlossen, um bis zu einem Gigawatt Strom aus einem weltraumgestützten Solarsystem zu beziehen. Die Energie soll bis Ende des Jahrzehnts die Rechenzentren des Facebook- und Instagram-Mutterkonzerns versorgen. Hintergrund ist der rasant steigende Strombedarf durch den Ausbau von Infrastruktur für künstliche Intelligenz.
Wie die Energie aus dem All auf die Erde kommt
Das Konzept von Overview Energy basiert auf Satelliten in einer geosynchronen Umlaufbahn, rund 35.000 Kilometer über dem Äquator. In dieser Höhe scheint die Sonne nahezu ununterbrochen, ohne die Unterbrechungen durch Nacht, Wolken oder atmosphärische Verluste, die terrestrische Solaranlagen einschränken. Die Satelliten sammeln das Sonnenlicht und wandeln es in energiearmes Nahinfrarotlicht um.
Dieses Licht wird anschließend als gebündelter Strahl zur Erde gesendet, wo bestehende Solarfarmen als Empfänger dienen. Die Anlagen wandeln den eintreffenden Strahl auf dieselbe Weise in Strom um, wie sie auch direktes Sonnenlicht verarbeiten. Ein wesentlicher Vorteil dieses Ansatzes ist, dass keine neue Bodeninfrastruktur oder zusätzliche Flächen benötigt werden. Solarparks, die bisher nachts stillstehen, könnten so rund um die Uhr Strom erzeugen.
Die Kerntechnologie hat Overview Energy nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Jahr demonstriert, indem Strom von einem fahrenden Flugzeug drahtlos an einen Bodenempfänger übertragen wurde. Der erste vollständige orbitale Demonstrationstest ist für 2028 geplant. Bei Erfolg könnte die kommerzielle Lieferung an das US-Stromnetz bereits ab 2030 beginnen.
Rechenzentren auf der Erde, nicht im All
Metas Ansatz unterscheidet sich bewusst von Ideen, Rechenzentren direkt in den Weltraum zu verlagern. SpaceX-Chef Elon Musk hatte zuletzt öffentlich für orbitale KI-Infrastruktur geworben. Kurz vor Metas Ankündigung warnte SpaceX jedoch selbst in einem Dokument für potenzielle Investoren, dass orbitales KI-Computing möglicherweise keine kommerzielle Rentabilität erreichen werde.
Meta verfolgt stattdessen das Prinzip, Energie im All zu erzeugen und auf der Erde zu nutzen. Die Rechenzentren bleiben damit am Boden, wo Wartung, Kühlung, physische Sicherheit und Netzanbindung deutlich einfacher und kostengünstiger zu realisieren sind. Der Weltraum dient in diesem Modell ausschließlich als Energiequelle, nicht als Betriebsstandort.
Langzeitspeicherung als zweite Säule
Parallel zur Vereinbarung mit Overview Energy gab Meta eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Noon Energy bekannt. Dabei geht es um den Aufbau von Langzeitspeichern mit einer Kapazität von bis zu einem Gigawatt und 100 Gigawattstunden. Die Technologie von Noon Energy nutzt modulare, reversible Feststoffoxid-Brennstoffzellen sowie kohlenstoffbasierte Speichermedien und ermöglicht eine Energiespeicherung von mehr als 100 Stunden, weit über die Möglichkeiten herkömmlicher Lithium-Ionen-Batterien hinaus.
Als ersten Schritt ist ein Pilotprojekt mit 25 Megawatt und 2,5 Gigawattstunden Kapazität für das Jahr 2028 geplant. Langfristig soll die Anlage auf die volle vereinbarte Kapazität ausgebaut werden. Meta bezeichnet die Vereinbarung als eine der größten Zusagen für ultralanges Energiespeichern in der Branche.
Einordnung und offene Fragen
Beide Technologien befinden sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Bei der weltraumgestützten Solarenergie bleiben Fragen zu Startkosten, Wartung im Orbit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit im großen Maßstab offen. Ein kommerzieller Betrieb wurde bislang noch nicht realisiert.
Meta strukturiert die Vereinbarung mit Overview Energy entsprechend vorsichtig. Der Konzern erhält bevorzugten Zugang zu bis zu einem Gigawatt künftiger Kapazität, sobald definierte Technologie-Meilensteine erreicht sind. Das Unternehmen betont, dass es die Entwicklung mit Planungssicherheit unterstützen will, ohne sich an unrealistische Zeitpläne zu binden.
Insgesamt hat Meta nach eigenen Angaben bereits mehr als 30 Gigawatt sauberer Energie in 28 US-Bundesstaaten vertraglich gesichert, darunter Wind, Solar, Kernkraft und Geothermie. Die neuen Partnerschaften ergänzen dieses Portfolio um zwei Technologien, die bisher noch nicht im kommerziellen Einsatz sind, aber als besonders zukunftsweisend für eine unterbrechungsfreie, emissionsfreie Stromversorgung gelten.


