Pasqal: Französisches Quanten-Unicorn geht via SPAC heute an die Nasdaq
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Das französische Quantencomputing-Unternehmen Pasqal ist an der Nasdaq gelistet. Die Aktien der Pasqal Holding SA werden dort seit heute unter dem Kürzel „PSQL“ gehandelt, die Optionsscheine unter „PSQLW“. Möglich wurde das durch die Fusion mit der Special Purpose Acquisition Company (SPAC) Bleichroeder Acquisition Corp. II, deren Aktionär:innen dem Zusammenschluss am vergangenen Dienstag zugestimmt haben. Nach dem Closing stehen dem Unternehmen nach eigenen Angaben rund 360 Millionen Dollar an Barmitteln zur Verfügung. Zuletzt wurde das Unternehmen mit zwei Milliarden Dollar bewertet.
Das Geld soll in den Ausbau der Fertigung und den weltweiten Rollout der eigenen Quantenprozessoren (QPUs) fließen, in die Weiterentwicklung Richtung fehlertoleranter Quantencomputer, in den Ausbau der Cloud- und Softwareplattform, in die Verzahnung mit klassischem High Performance Computing sowie in den Vertrieb. „Wir haben Quantensysteme in realen Betriebsumgebungen ausgerollt und unsere Prozessoren an jene Recheninfrastruktur angebunden, die Kund:innen ohnehin nutzen“, sagt CEO Wasiq Bokhari. Als börsennotiertes Unternehmen habe man eine stärkere Basis, um schneller zu wachsen.
Was Pasqal macht
Pasqal wurde 2019 im Pariser Vorort Palaiseau gegründet, zu den Mitgründern zählt der Physik-Nobelpreisträger Alain Aspect. Das Unternehmen setzt auf sogenannte neutrale Atome: Einzelne Atome werden mit Lasern in Gitterstrukturen gefangen und als Qubits genutzt. Pasqal bewirbt den Ansatz als vergleichsweise energieeffizient und skalierbar, die Systeme sollen in gewöhnlichen Rechenzentren betrieben werden können.
Aktuell sind laut Unternehmen sieben QPUs im Feld, drei weitere in Produktion. Zugänglich sind die Rechner auch über die Cloud, aufgesetzt sind darauf nach Firmenangaben mehr als 25 kommerzielle und wissenschaftliche Anwendungen, unter anderem aus Energiewirtschaft, Finanzdienstleistungen und Materialforschung. Ein System steht etwa im deutschen Forschungszentrum Jülich. Pasqal ist als Full-Stack-Anbieter positioniert, verkauft also Hardware, Software und Cloud-Zugang.

Wie der SPAC-Deal zustande kam
Angekündigt wurde der Zusammenschluss im Frühjahr. Bewertet wurde Pasqal dabei mit rund zwei Milliarden Dollar vor dem Mittelzufluss, die Pro-forma-Marktkapitalisierung wurde mit etwa 2,6 Milliarden Dollar angegeben. Parallel sammelte das Unternehmen laut TechCrunch rund 200 Millionen Dollar bei privaten Investor:innen ein, darunter Parkway, Quanta Computer, LG Electronics und die Reederei CMA CGM. Die Bleichroeder-SPAC selbst war Anfang des Jahres an die Börse gegangen, Lead Book-Running Manager war Cohen & Company Capital Markets. Beraten wurde Pasqal von Lazard, Bleichroeder von Cantor Fitzgerald.
Der Weg über eine Mantelgesellschaft in die USA ist für europäische Deeptech-Firmen zuletzt öfter gewählt worden, weil dort höhere Bewertungsmultiples und tiefere Kapitalmärkte locken. Pasqal folgt damit dem finnisch-deutschen Konkurrenten IQM, der im Sommer als erstes europäisches Quantenunternehmen an die Nasdaq ging und dabei mit 1,9 Milliarden Dollar bewertet wurde.
Frankreich bleibt gleichzeitig ein Ankerpunkt: Pasqal betont, Hauptsitz und Rechtsform in Frankreich zu behalten, die staatliche Förderbank Bpifrance hält einen Sitz im Board, und ein Zweitlisting an der Euronext ist angekündigt. Wie TNW aus den SEC-Unterlagen berichtet, brauchen ausländische Investor:innen für größere Beteiligungen zudem eine Freigabe des französischen Wirtschaftsministeriums. Dieselben Unterlagen weisen den Umsatz 2025 mit rund 16,5 Millionen Euro aus und halten fest, dass eine kommerzielle Breitenanwendung von Quantentechnologie möglicherweise nie eintritt.
Joint Venture mit Saudi-Arabien
Kurz vor dem Listing hat Pasqal einen Deal in der Golfregion verkündet. Gemeinsam mit der saudischen Investmentplattform Eleven Ventures gründet das Unternehmen ein kommerzielles Joint Venture namens Pasqal Arabia, das Quantensysteme im Königreich und in der Region ausrollen, betreiben und vermarkten soll. Geplant ist die Installation mehrerer Systeme in den kommenden Jahren, dazu soll lokales Know-how aufgebaut werden. Vorsitzender des Boards wird Eleven-Ventures-Gründer Prinz Abdulaziz Bin Turki Bin Talal.
Das Vorhaben ist Teil der saudischen Vision 2030, mit der das Land seine Wirtschaft diversifizieren und sich als Standort für KI und Hochleistungsrechnen etablieren will. Angekündigt wurde die Partnerschaft im Umfeld des saudischen Staatsbesuchs in Frankreich zu Wochenbeginn, bei dem eine Delegation auch Pasqals Zentrale und die Produktionsstätte besichtigte. „Wir sehen Quantum heute dort, wo KI vor einigen Jahren stand, an der Schwelle, alles zu verändern“, wird der Prinz in der Aussendung zitiert.

