Pasqal: Französisches Quanten-Unicorn geht an die Nasdaq, folgt IQM
Erst kürzlich hat das deutsch-finnische Quanten-Scale-up IQM seinen Börsengang (via SPAC) bei einer Bewertung von 1,8 Mrd. Dollar (Pre-Money) verkündet, jetzt folgt ein französischer Mitbewerber auf einem sehr ähnlichen Pfad: Das französische Quantencomputing-Unternehmen Pasqal hat eine Fusion mit der an der Nasdaq notierten Mantelgesellschaft Bleichroeder Acquisition Corp. II vereinbart.
Die Transaktion bewertet das Pariser Unternehmen mit zwei Milliarden Dollar vor Verwässerung (Pre-Money) und soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden. Nach erfolgreichem Vollzug wird Pasqal an der Nasdaq gelistet, zudem laufen vorbereitende Arbeiten für eine Notierung an der Euronext, die noch in diesem oder im kommenden Jahr erfolgen könnte. Die Fusion macht Pasqal zum ersten französischen Einhorn im Bereich Quantencomputing und könnte dem Unternehmen nahezu 700 Millionen Dollar an frischem Kapital einbringen.
Pasqal entwickelt seit seiner Gründung 2019 Quantencomputer auf Basis neutraler Atome und hat nach eigenen Angaben bereits sieben solcher Systeme ausgeliefert, drei weitere befinden sich in der Produktion. Das Unternehmen beschäftigt über 275 Mitarbeiter, darunter 70 Promovierte, und betreibt Produktionsstätten in Frankreich und Kanada mit einer Kapazität von bis zu 13 Quantenprozessoren pro Jahr. Zu den Kunden zählen der französische Schifffahrtskonzern CMA CGM, der Rüstungs- und Technologiekonzern Thales sowie die südkoreanische LG Electronics. Pasqal unterhält zudem Partnerschaften mit IBM im Rahmen des IBM Quantum Network sowie mit dem Chiphersteller Nvidia.
Europäische Quantencomputer-Branche drängt an die Börse
Die Ankündigung erfolgt eine Woche nachdem das finnische Quantencomputing-Unternehmen IQM Quantum Computers ebenfalls Pläne für einen Börsengang über eine SPAC-Fusion bekanntgegeben hatte, bei einer Bewertung von 1,8 Milliarden Dollar. In den USA haben bereits mehrere Quantencomputing-Firmen den Weg über Mantelgesellschaften an die Börse gewählt, darunter IonQ, Rigetti Computing, Infleqtion und Zapata Computing, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.
In Europa endeten jüngere SPAC-Transaktionen wie die des Gesundheitstechnologie-Unternehmens Babylon oder des Flugtaxi-Entwicklers Lilium aus dem Jahr 2021 mit der Insolvenz einst vielversprechender Firmen. Die Transaktion unterliegt noch der Zustimmung der Aktionäre von Bleichroeder sowie regulatorischen Genehmigungen und der Prüfung durch die US-Börsenaufsicht SEC.
Expansion und Kommerzialisierung im Fokus
Das Unternehmen plant, die Mittel vorrangig in Frankreich für Forschung und Entwicklung einzusetzen, um seine Quantencomputing-Technologie voranzutreiben. Die Belegschaft soll um 20 Prozent durch 50 Neueinstellungen wachsen. Zudem strebt Pasqal an, seine Produktionskapazität innerhalb der nächsten 24 Monate zu verdoppeln. Das Kapital soll die Kommerzialisierung der aktuellen Quantenprozessor-Angebote beschleunigen, die Entwicklung fehlertoleranter Quantencomputer vorantreiben und die internationale Expansion unterstützen. Nach Unternehmensangaben verzeichnete Pasqal 2025 ein Umsatzwachstum von etwa 100 Prozent, zudem liegt das Auftragsvolumen einschließlich Fördergeldern bei rund 80 Millionen Dollar.
Die Bruttoerlöse von über 600 Millionen Dollar setzen sich aus mehreren Quellen zusammen: 289 Millionen Dollar befinden sich im Treuhandkonto von Bleichroeder, wobei keine Rückzahlungen an Investoren angenommen werden. Hinzu kommen 200 Millionen Dollar aus einer Wandelanleihe-Finanzierung, die vom Sponsor-nahen Investor Inflection Point sowie der staatlichen französischen Investitionsbank Bpifrance Large Venture angeführt wird. Weitere 158 Millionen Dollar hält Pasqal bereits in der eigenen Bilanz. Zusätzlich hat das Unternehmen eine Eigenkapitalfinanzierung über 200 Millionen Dollar abgeschlossen, an der sich Parkway, Quanta Computer, LG Electronics und CMA CGM beteiligen. Die prognostizierte Marktkapitalisierung des fusionierten Unternehmens beträgt etwa 2,6 Milliarden Dollar.
Pasqal wurde von Alain Aspect mitbegründet, der 2022 den Nobelpreis für Physik für seine Arbeiten zu verschränkten Photonen erhielt. Auch Antoine Browaeys, Mitglied der Académie des Sciences und Träger des John Stewart Bell Prize 2025, gehört zum wissenschaftlichen Team. Die SPAC-Fusion wird von Michel Combes und Andrew Gundlach als Co-Sponsoren geleitet. Als Berater fungieren auf Seiten von Pasqal Lazard Freres sowie die Kanzlei Orrick, Herrington & Sutcliffe, während Bleichroeder von Cantor Fitzgerald und Reed Smith unterstützt wird. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben insgesamt über 300 Millionen Dollar an Finanzierung eingeworben und verfügt über staatliche französische Unterstützung sowohl durch Kapitalbeteiligungen als auch strategische Partnerschaften.


